Spannender Vortrag beim Kirchenkreistag / Gestärkt wird die Bindung durch persönlichen Kontakt zu den Seelsorgern

„Engagement und Indifferenz – Kirchenmitgliedschaft als soziale Praxis“

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Dr. Gerhard Wegner.

Walsrode - „Engagement und Indifferenz – Kirchenmitgliedschaft als soziale Praxis“ lautete das Thema, mit dem sich der Evangelisch-lutherische Kirchenkreistag bei seiner öffentlichen Sitzung in Walsrode beschäftigt hat.

Nach der Begrüßung durch den Kirchenkreistagsvorsitzenden Dr. Rolf Dehning und der Andacht von Pastor Frank Richter, der bereits auf das Thema einstimmte und verschiedene gute Gründe für die Kirchenmitgliedschaft ansprach, kam als Referent Prof. Dr. Gerhard Wegner zu Wort. Der Direktor des Sozialwissenschaftlichen Instituts der EKD in Hannover berichtete über die 5. Erhebung zur Kirchenmitgliedschaft. Seit etwa 40 Jahren werden in umfassenden und groß angelegten Meinungsumfragen Trends im kirchlichen Leben und in der Mitgliedschaftsentwicklung beobachtet. Diese Untersuchungen sind auch für Kirchenleitungen ein wichtiger Gradmesser für Zukunftsplanungen.

Wegner begann seinen Vortrag mit einigen ernüchternden Zahlen. So sei deutschlandweit mittlerweile ein Drittel der Bevölkerung konfessionslos. Ostdeutschland sei neben Tschechien die religionsloseste Gegend der ganzen Welt.

Die Analyse der Kirchenbindung ergibt allerdings, das immerhin 13 Prozent der Kirchenmitglieder ihrer Gemeinde intensiv verbunden und im Gemeindeleben engagiert seien. Dies sei im Vergleich mit anderen Freiwilligenorganisationen eine hohe Quote.

Je stärker verbunden sich jemand der Kirche fühle, desto mehr sei er im statistischen Durchschnitt an Religion interessiert, an kirchlicher Verkündigung, aber auch an anderen Religionen und religiöser Vielfalt, desto eher neige er zu Toleranz gegenüber Fremden und deren Kulturen.

Je höher die kirchliche Bindung, desto stärker sei im Durchschnitt auch eine soziale Einstellung und zivilgesellschaftliches Engagement ausgeprägt. Darin sieht Wegner eine Wirkung des christlichen Glaubens, der Lehre, dass der Einsatz für das Wohl der Gemeinschaft wichtiger sei als Egoismus.

Gestärkt werde die Bindung zur Kirche vor allem durch Begegnungen in den Gemeinden vor Ort. Vor allem der persönliche Kontakt zu kirchlichen Mitarbeitern und hier besonders zu Pastor oder Pastorin fördert diese Bindung. Fast niemand würde seine Kirchenmitgliedschaft aufgeben, der persönlichen Gesprächskontakt zu seinem Seelsorger hat. Die Zahl derer, die einen solchen Gesprächskontakt angeben, sei jedoch rückläufig. Der Grund dafür liege auf der Hand: Da durch Kürzungen und Streichungen bei Pfarrstellen in den vergangenen Jahren die verbliebenen Ortsgeistlichen im Schnitt für deutlich mehr Gemeindeglieder zuständig seien, haben sie immer weniger Zeit für den einzelnen.

Zum Schluss mahnte Wegner, dass die Verantwortung für Glauben und Kirche nicht in erster Linie bei den Hauptamtlichen, sondern bei jedem einzelnen Kirchenmitglied liege. Dem Vortrag folgte eine lebhafte Diskussion.

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