Heidelbeeren haben im Heidekreis Hochsaison / Landwirt Raimund Schliephake baut die blauen Früchte seit 25 Jahren an

„Schmackhaft und gut für den Magen“

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Familienfoto vor der Heidelbeeren-Klause: Raimund Schliephake baut die blauen Früchte seit 25 Jahren in Altenwahlingen an. Ehefrau Olesya unterstützt ihn dabei. Und mit Tochter Constance (6) und Sohn Quirinus (2) steht vielleicht schon die nächste Generation in den Startlöchern.

AltenwaHlingen - Von Katrin Preuß. Mit Raimund Schliephake ein längeres Gespräch am Stück zu führen, ist in diesen Tagen ein Ding der Unmöglichkeit. Denn Hochsommer, das heißt für ihn und seine Kollegen im Heidekreis Hochsaison. Schliephake ist Landwirt, Heidelbeer-Anbauer, um genau zu sein. Seit 25 Jahren bilden die kleinen Früchtchen mit der ihnen nachgesagten großen Wirkung seine Arbeits- und Lebensgrundlage. Jetzt reifen sie zuhauf an den Sträuchern und warten darauf, gepflückt zu werden.

Und so wirbelt Raimund Schliephake über seinen 19 Hektar großen Hof in Altenwahlingen. Guckt auf der Plantage nach den 60 Pflückern aus zehn Nationen. Hält kurzen Klönschnack mit Besuchern, die sich für den Eigenbedarf die Eimer füllen. Spricht mit Ferienjobberin Selina Dettmer aus dem Nachbardorf die Vorbestellungen durch. Erklärt, wie hoch die Pappsteigen für den Einzelhandel maximal gestapelt werden dürfen. Wirbelt zwischendurch Töchterlein Constance (6) durch die Luft. Und setzt nebenbei der Pressevertreterin auseinander, was alles nötig ist, um ordentliche Ware abzuliefern: vom Beschnitt über den richtigen Abstand bis zur Bewässerung der Sträucher.

Im Gegensatz zu ihrem Mann wirkt Olesya Schliephake wie ein Fels in der Brandung. Sie hat sich in die Küche des kleinen Hofcafés zurückgezogen, um Kuchen zu backen, natürlich mit Heidelbeeren. Als mehrere Zentimeter dicker Belag landen die Früchte auf dem Teig. Wer dann als Selbstpflücker nach Altenwahlingen kommt, freut sich nach getaner Tat über ein schönes Stück Streuselkuchen und eine Tasse Kaffee oder ein Glas Schorle. Jedenfalls dann, wenn das Hofcafé geöffnet hat, von Donnerstag bis Sonntag.

Dieses Sextett aus Garbsen macht einmal im Jahr einen Tagesausflug „in die Heidelbeeren“.

Gerade hat eine sechsköpfige Rentnergruppe aus Garbsen den Hofladen geentert und lässt ihre gut gefüllten Eimer von Selina Dettmer wiegen. Einmal im Jahr machen sie sich auf in die Heidelbeeren, berichten die drei Ehepaare. Die Gründe dafür sind einleuchtend: „Die schmecken gut und sind gesund für den Magen“, sagen sie. „Und: Man kann sie im Stehen pflücken.“

Jedes Mal steuert das Sextett ein anderes Ziel an, jetzt ist Altenwahlingen an der Reihe. Etliche Kilos nimmt die muntere Truppe mit, um daraus zu Hause Kuchen, Desserts oder Marmeladen zu machen. Eine der Damen, Renate Stein, verrät ihr bevorzugtes Konfitürenrezept: Zwei Teile Blaubeeren, ein Teil Orangen plus Saft und ein wenig Fruchtfleisch von der Apfelsine, dazu Zucker im Verhältnis 1:1, diktiert sie in den Block, bevor sie abfährt.

Auf dem Beerenhof herrscht ein Kommen und Gehen. Dennoch setze er nur den allerkleinsten Teil seiner Ernte direkt ab, verrät Raimund Schliephake. 97 Prozent der Heidelbeeren gehen über einen Direktvermarkter in den Einzelhandel. Und der möchte vor allem feste Früchte, die auch mal zwei, drei Wochen Lagerzeit vertragen.

„Die alten Sorten können das nicht“, erklärt Schliephake. So setzt er auf Sträucher Marke Duke, Draper und Blue Crops, die die Bedingungen der Supermärkte und Discounter erfüllen.

Mutter Ela ist zum achten Mal als Saisonpflückerin dabei, Tochter Beata das erste Mal.

Im Obstanbau gilt: Der Markt diktiert den Preis und bestimmt, welche Beeren auf der Plantage wachsen dürfen. Etwa 140 verschiedene Sorten gebe es weltweit, schätzt Raimund Schliephakke. Sie unterscheiden sich nicht nur im Geschmack, sondern auch in ihrer Größe und Konsistenz. 24 davon baut der Kirchwahlinger an, kündigt aber an, die Schraube hier in den nächsten Jahren wieder etwas zurückzudrehen.

Liberty, Darrow oder Elisabeth, alles Spätsorten, die bis zum ersten Frost geerntet werden können, deuten es an: Viele Arten stammen aus dem englischsprachigen Raum, vor allem aus den USA und Neuseeland. Aber nicht nur die verschiedenen Züchtungen kommen aus dem Ausland. Auch ein großer Feind der Heidelbeere ist ein Import: die Kirschessigfliege.

Seit wenigen Jahren macht sie, zusätzlich zu den Staren, den Anbauern von Weichobst das Leben schwer. Sie legt ihre Eier in den reifen Früchten ab und vermehrt sich schnell. „Dann ist der große Verderb angesagt“, sagt Raimund Schliephake.

Heidelbeer-Ernte im Heidekreis

Gegen den Schädling aus Südostasien gebe es nur ein zugelassenes Spritzmittel, berichtet der Landwirt. „Aber das muss man auf die reife Frucht geben.“ Und das schmecke man. Also verzichtet der Altenwahlinger darauf und sorgt lieber dafür, dass die reifen Beeren rasch gepflückt werden.

Auf saurem Boden, leicht und luftig, genügend gewässert und von der Sonne geküsst, so fühlen sich die Sträucher am wohlsten. Im Heidekreis muss es von allem reichlich geben. Auf 800 bis 900 Hektar schätzt Schliephake allein hier die Fläche, auf der Blaubeeren wachsen.

Etwa vier Jahre braucht ein Strauch, bis er erstmals einen akzeptablen Ertrag bringt. Eine gute Jahresernte beziffert Raimund Schliephake mit sieben Tonnen. Um die zu erhalten, müssen die Sträucher regelmäßig beschnitten werden. Gleich nach Ende der Ernte, ab September, fängt Schliephake damit an. So hat er im Grunde immer Heidelbeer-Hochsaison.

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