Ein Stück Musikgeschichte

Als Rio Reiser König von Deutschland sein wollte

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Funky K. Götzner, Frontmann Gymmick und Kai Sichtermann (v.l.) waren gut drauf während des Konzerts am Freitagabend im Rethemer Burghof.

Rethem - Draußen waren es fast minus zehn Grad. Aber der Heizlüfter, der Freitagabend vorsorglich im Burghof-Gewölbe lief, konnte schnell wieder abgestellt werden. Denn drinnen heizten die „Scherben“ dem Publikum vom Start weg ein.

Zwar wurde der als Tanzfläche frei gelassene Bereich in der Mitte dann doch nicht recht genutzt, aber spätestens, als es mit „Keine Macht für niemand“ und „Macht kaputt, was euch kaputt macht“ anarchisch wurde im Burghof, hielt es viele Fans nicht mehr auf ihren Sitzen. Und als es dann so richtig losging mit dem „Rauch-Haus-Song“ wurde auch kräftig mitgesungen: „Ihr kriegt uns hier nicht raus, das ist unser Haus!“

Das war damals so etwas wie die Hymne der Hausbesetzer-Szene in Berlin, 1972 am Mariannenplatz in Kreuzberg. Die Politrock-Band „Ton Steine Scherben“ mit Frontmann Rio Reiser galt als musikalisches Sprachrohr der linken Szene. Bassist Kai Sichtermann war damals schon dabei, während Funky K. Götzner 1974 als Schlagzeuger hinzukam.

Die Tanzfläche in der Mitte wurde eher spärlich genutzt. Aber bei einigen der großen Hits von Rio Reiser und den „Scherben“ hielt es viele Fans dann doch nicht mehr auf ihren Sitzen.

Die beiden Ur-Scherben bestritten das Konzert in Rethem zusammen mit Sänger Gymmick, der die Lieder von Musiklegende Rio Reiser in einer ganz persönlichen Art interpretierte.

Anarchisch, rotzig und gebrochen – so wurde der Gesangsstil des 1996 im Alter von 46 Jahren gestorbenen Sängers oft beschrieben. Sänger Gymmick kann dieser Stil auch bescheinigt werden. Ganz gewiss aber nicht als Imitator der Legende Rio Reiser, sondern mit seiner ganz eigenen Interpretation, die Reiser sicherlich gefallen hätte. 

Dem Rethemer Publikum gefiel sie jedenfalls so sehr, dass die drei Musiker erst nach mehreren Zugaben entlassen wurden. Von den großen Reiser-Hits „König von Deutschland“ und „Junimond“ ließen sich die Fans am Ende noch mal so richtig einheizen, bevor es in die eiskalte Nacht hinausging.

fra

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