Rethemer Firma Gümmer bringt im Reichstag die Akustik auf Vordermann

Wenn der Bundestag ruft: Von der Aller an die Spree

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Welch imposante Kulisse: Heinrich Gümmer (r.) und seine Mitarbeiter Uwe Beyer, Azubi Markus Wagner und Jürgen Kühnemann (v.l.) posieren vor dem Reichstagsgebäude

Rethem - Der Jahreswechsel ist die Gelegenheit, die zurückliegenden zwölf Monate Revue passieren zu lassen. Malermeister Heinrich Gümmer wird dabei sicher ein ums andere Mal innehalten, vor allem, wenn er an den Sommer denkt. Denn im Juli waren er und einige Mitarbeiter in historischen Gemäuern tätig. Der Akustikputz im Berliner Reichstag bedurfte der Renovierung. Den Zuschlag dafür erhielt die Gümmer GmbH.

Die Fachleute aus Rethem hatten dafür zu sorgen, dass in den Fraktionssälen sowie im Restaurant für die Abgeordneten zwar weiterhin leidenschaftlich debattiert werden kann, es dabei aber keinen unerwünschten Widerhall gibt. Dafür trugen sie einen Spezialputz auf, der in Kombination mit speziellen Platten im Unterbau schallabsorbierend wirkt.

Wie war man denn in der Hauptstadt überhaupt auf die Rethemer Firma gekommen? „Mundpropaganda“, meint Sohn Heiner Gümmer. Vater Heinrich nickt und lobt vor allem die Mitarbeiter: „Den Namen haben wir uns erworben, weil wir gute Leute haben. Wir können ja nur so stark sein wie unser Team.“

Während der sitzungsfreien Wochen reisten die Experten von der Aller an die Spree. Im Vorfeld galt es, einiges an Papieren beizubringen. „Sonst hätten wir gar nicht an der Ausschreibung teilnehmen können“, berichtet Heinrich Gümmer. So wollte man in Berlin neben allerlei Details über das Unternehmen genau wissen, welche Mitarbeiter denn kommen würden. Und von denen musste die Firma sogar die Mädchennamen der Mütter angeben. In den Reichstag rein und raus ging es nur mit entsprechendem – zeitlich begrenzt gültigem – Ausweis samt Foto.

Kommendes Jahr, in der Sommerpause der Abgeordneten, wird das Rethemer Unternehmen noch einmal nach Berlin fahren, um auch die Akustik im Plenarsaal auf Vordermann zu bringen. Das hätte eigentlich schon in diesem Jahr geschehen sollen. Eine Sondersitzung des Bundestages verhinderte das. So wirkte sich die Griechenlandkrise sehr direkt auf das Wirken der Firma Gümmer aus.

Bereits vor zwei Jahren hatten die Allerstädter in dem geschichtsträchtigen Parlamentsgebäude zu tun – und leisteten dabei offensichtlich gute Arbeit. So ließ denn der Folgeauftrag nicht lange auf sich warten. Und hinterher es gab sogar noch Post. „Diese Arbeiten wurden schneller als erwartet und außerdem mängelfrei ausgeführt“, hieß es in einem Dankesbrief, verbunden mit dem Hinweis, dass die Firma Gümmer den Deutschen Bundestag gerne in ihre Referenzenliste mit aufnehmen dürfe.

Dort finden sich noch andere interessante Einträge. Unter anderem renovierte das Unternehmen einst die berühmte Säulenvilla an der Hamburger Elbchaussee. Leider würde das fast 200 Jahre alte Haus inzwischen nicht mehr gepflegt, stellt Heiner Gümmer mit Bedauern fest.

Besonders in Erinnerung geblieben ist Heinrich Gümmer sein erster Auftrag aus dem Ausland. Der verschlug ihn und auch Heiner, damals noch Lehrling, nach Dubai, wo ein Gebäudekomplex für eine Außenministerkonferenz entstehen sollte. „Da haben wir die Decken vergoldet“, sagt der Senior und fügt schmunzelnd hinzu, dass es sich dabei um „Mogelgold“ gehandelt habe.

Sich um diesen Auftrag zu bewerben, habe ihn seinerzeit viel Mut und Überwindung gekostet, gesteht der 70-Jährige. „Denn man wusste ja nicht: Wo kommtman da hin.“ Wenn er heute davon erzählt, dann leuchten seine Augen aber noch immer. „Das war wie der Turmbau zu Babel, so viele Nationen“, erinnert er sich an die verschiedenen Gewerke aus aller Herren Länder, angefangen beim Architekt aus Ägypten über die Kronleuchter-Bauer von Swarovski aus Österreich bis hin zu den Italienern, die über Wochen den Terrazzoboden geschliffen hätten.

Doch bei aller Internationalität und Einsätzen im gesamten Bundesgebiet: Die Gümmers fühlen sich ihrer Heimat Rethem sehr verbunden und wissen, was sie vor allem ihren Kunden in der Region zu verdanken haben: eine fast 110 Jahre währende, erfolgreiche Firmengeschichte.

Heinrich Gümmer, der Großvater des jetzigen Mitinhabers, gründete den Betrieb 1906. Mit dessen beiden Urenkeln Heiner (46) und Stefan (39) ist in dem Familienunternehmen inzwischen die vierte Generation am Ruder. Gemeinsam mit dem Vater bilden sie die Geschäftsführung der GmbH. Auch der dritte Sohn, Matthias, ist der Branche treu geblieben. Er betreibt in Walsrode eine Autolackiererei.

kp

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