Historische Serie:

Der streitbare Radmacher von Rethem (Letzter Teil)

Ein altes Schriftstück: die Ablehnung des Bauantrages Kolß der Landdrostei LG aus dem Jahr 1843..
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Im Jahr 1843: Ablehnung des Bauantrages Kolß, Landdrostei LG.

Der Rechtsstreit zwischen Kolß und seinem Nachbarn Wiegers nimmt immer kuriosere Formen an, inklusive Sichtbehinderung und dem Auskippen von Mist.

  • Der Streit zwischen Kolß und Wigers eskaliert, als Kolß seinem Nachbarn die Sicht nach draußen verhängt.
  • Das Gericht fordert Kolß dazu auf, das Fenster des Nachbarn wieder freizuräumen.
  • Auch das Baugesuch des Radmachers Kolß wird abschlägig beschieden.

Rethem – Ob Friedrich Kolß nun genervt war oder auch der Frömmste nicht in Frieden leben kann, wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt? Kolß verhängte seinem Nachbarn Wiegers die Sicht nach draußen mit einer Bretterwand und kippte einen Haufen Mist in den Gang. Daraufhin zeigte Wiegers Kolß im Februar 1843 an. Beide wurden vorgeladen, um Stellung zu beziehen. Kolß konnte die Beschuldigungen teilweise ausräumen. Hierbei wird ein wenig über die streitbare Person des Radmachers deutlich:

„13. Februar 1843, No. 202: Königlich Hannoversches Amt Rethem, Bericht des Hausvoigts Graff daselbst vom 11. Februar 1843, Polizeisachen betr.:

Der Hausvoigt Graff beim Ortstermin

Auf die Anzeige des hiesigen Bürgers Ludwig Wiegers, daß sein Nachbar, der Bürger Friedr. Kolß, die Fenster seines Hauses, welche nach dem Gang zwischen den Häusern der genannten Bürger gehen, vernagelt habe, der Gang selbst mit Dünger ausgefüllt und durch einen neu angelegten Stall verschlossen sei, habe ich mich durch Besichtigung überzeugt, daß die fraglichen Fenster an dem Wiegerschen Hause durch Bretter, welche von einer langen Stange gehalten werden, verdeckt sind, was Kolß geständlich durch seine Jungen hat bewerkstelligen lassen. Auch liegt in dem gedachten Gange ein großer Haufen Dünger, welchen Kolß sonst nirgend gut zu lassen weiß. So dem findet sich auch ein kleiner Stall an einem Ende dieses Ganges, durch welchen die Durchfahrt versperrt wird.[…]

„Etwas Mist sey noch verhanden“

Geschehen Amt Rethem d. 8.Febr. 1843.“

Über das Ergebnis der Anhörung von Kolß wird wie folgt berichtet:

„1.) den Mist habe er bereits weggeräumt.

2.) Er sey nicht schuldig, dem Nachbar Wiegers die Aussicht in den Gang, da dieser sein Eigenthum sey, zu gestatten, und habe dadurch, daß er eine Einrichtung gemacht, wodurch die Durchsicht verperrt sey, sich nur seines Rechts bedient.

3.) Es sey kein Stall, sondern nur ausgelegtes Holz, […] Diese Einrichtung solle wieder weggeräumt werden.

Und weiter: ...etwas Mist sey noch vorhanden. Derselbe solle aber auch weggeräumt werden. […]“

Insgesamt wurden für das Verfahren 18 gute Groschen an Kosten errechnet: Bericht: 6 ggr, Besichtigung: 6ggr, Vorladung: 4 ggr, Copialien: 2 ggr. Kolß musste sechs gute Groschen zahlen. Unbeirrt betrieb er sein Anliegen weiter und am 11. November 1844 wurde schließlich vom Königlichen Ministerium des Innern in Hannover das Gesuch endgültig abschlägig entschieden.

Im Jahr 1844: Ablehnung des Königl. Hannov. Innenministeriums.

„Dem Radmacher Kolß zu Rethem a/d Aller wird hierdurch eröffnet, daß seinem Gesuche um Erlaubniß zur Bebauung des zwischen seinem Hause und dem des Sattlers Wiegers an der Langen Straße zu Rethem belegenen freien Platzes nicht Statt gegeben werden kann, weil nach der für Rethem bestehenden Bauregulative, und in Gemäßheit einer von dem Vorbesitzer der Kolßeschen Stelle übernommenen Verpflichtung der fraglichen Platz zu einer etwaigen Durchfahrt für Feuerlöschungsgeräthe unbebaut bleiben soll, und kein hinreichender Grund vorliegt, von dieser Bestimmung des Bauregulativs eine Ausnahme zuzulassen. Hannover den 11. Nov. 1844, Königliches Ministerium des Innern“

Damit endete 1844 nach zweieinhalb Jahren der kuriose Rechtsstreit um die Bebauung einer Hofdurchfahrt in Rethem.

Über den Autor

Wilfried Schnabel, geboren 1967 und „Alt“-Rethemer, schreibt zurzeit an einer Chronik über die mütterliche Seite seiner Familie: „Kolze: Über fünfhundert Jahre Geschichte(n) einer Familie aus Niedersachsen“.

Diese Chronik wird im Eigenverlag erscheinen und circa 440 Seiten und über 150 Abbildungen umfassen. Sie dokumentiert den Familienstammbaum ab 1500 bis in die Gegenwart, dazu genauer einzelne Familienzweige in Niedersachsen und erzählt auch Geschichte(n) in einzelnen Kapiteln vom Dreißigjährigen Krieg bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. So beispielsweise auch diesen kuriosen Rechtsstreit aus Rethem von 1842.

Die Familie Kolze hat urkundlich nachweisbar seit 1474 ihre Wurzeln im südlichen Heidekreis in und um Gilten. Familienzweige leben heute in ganz Niedersachsen und in den USA. In Chicago war der „H. James Kolze´s Fine Electric Park“ einer der ersten Parks für abendliches Freizeit- und Tanzvergnügen, der elektrisch beleuchtet wurde.

Kontakt per E-Mail an kolzechronik@web.de

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