Alles wird elektrisch

Renovierung mit Überraschungen - Arbeiten in der St. Pauli-Kirche gehen gut voran

Der Innenraum der Kirche ist Baustelle geworden. Das Mobiliar ist zwischengelagert.
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Der Innenraum der Kirche ist Baustelle geworden. Das Mobiliar ist zwischengelagert.

Gilten – Es ist eines der schönsten Kirchenhäuser in der Leine-Region, und es zieht Jahr für Jahr viele Besucher in das kleine Gilten: Die St. Pauli-Kirche, auf dem höchsten Punkt des Dorfes angesiedelt, wurde erstmals 1242 in historischen Büchern erwähnt, erlebte eine wechselvolle Geschichte und wird in diesen Monaten zum wiederholten Mal buchstäblich auf den Kopf gestellt.

Kirchenvorsteher Friedrich Sternberg: „Die Landeskirche setzt in enger Zusammenarbeit mit dem Amt für Bau – und Kunstpflege in Celle eine grundlegende Sanierung des uralten Gebäudes um – und hat bei den Arbeiten im Innenraum in diesen Tagen sogar eine wertvolle Freske gefunden, die aus dem 15. Jahrhundert stammen soll.“ Wohl keiner hatte einen solchen Schatz in Gilten vermutet.

Die Kirche ist der Schatz der Gemeinde. Mit einem 49 Meter hohen Turm, der aus Raseneisenstein errichtet wurde, mit fast schon fantastischem Kieselfußboden im Innenraum – der während der Bauarbeiten sorgsam abgedeckt wurde – mit einem uralten Taufstein und einem Christusbild, das dem des Klosters Mariensee nachempfunden wurde. Einziger kleiner Fehler auf dem Bild: Die Figur hat einmal fünf und einmal sechs Zehen.

Friedrich Sternberg, gebürtig in Stolp in Hinterpommern, kam über Hannover vor vielen Jahren nach Gilten. „Die Gegend und die Menschen hatten es uns angetan“, sagt er heute. Seit 21 Jahren führt er den Kirchenvorstand der Gemeinde und kennt jeden Winkel des Gotteshauses. Er war auch schon bei der letzten Sanierung dabei, als der mächtige Turm vollständig eingerüstet war, und ist jetzt hilfreicher Unterstützer der Fachkräfte aus dem Celler Amt.

Die Kirche erhält eine neue Heizung, alles wird auf Gas umgestellt und alles wird elektrisch sowie elektronisch. „Wir lassen zukunftsgerecht bauen“, sagt der Kirchenvorsteher, auch rund um das Gebäude, wo ein tiefer Graben entstanden ist und Leitungen neu verlegt werden. Alles Gestühl ist aus dem Gebäude verschwunden, auch die Schale des uralten Taufsteines und vieles andere mehr. Eine ehemalige, der Kirche sehr zugewandte Giltenerin hat sie in ihre Scheune aufgenommen.

Bei den Innenarbeiten wurde am Eingang zur Sakristei eine uralte Freske freigelegt.

„Bis Anfang August möchten wir mit den Arbeiten fertig sein“, hofft der 80-jährige Sternberg. Dann soll sich das Haus innen in einem neuen Farbenglanz präsentieren, wird das Glockengeläut elektronisch geworden sein und es wird einen behindertengerechten Eingang geben, der zurzeit im Bereich des Weges, der vom Pfarrhaus zum Gebäude hinführt, entsteht. „Für uns von besonders hohem Wert“, sagt der Kirchenvorsteher. Gerade für die älteren Besucher sei solch eine Maßnahme notwendig.

Gilten wurde wie bereits geschrieben erstmals 1242 erwähnt. Über die damalige Kirche lässt sich allerdings kaum etwas sagen, berichten die kirchlichen Bücher. Die heutige Kirche ist schrittweise entstanden. Der älteste Teil ist die gotische Sakristei aus dem 15. Jahrhundert, die in den späteren Neubau integriert wurde. Der lang gezogene Chorraum wurde nach langjährigen Arbeiten 1595 fertiggestellt. Das in Fachwerk errichtete Kirchenschiff ist datiert auf das Jahr 1766.

Einzigartig ist der Fußboden im Kirchenschiff. Ein Mosaik aus Leinekieseln, das vom bekannten Künstler Siegfried Steege, der nahe der Kirche sein Zuhause fand, in aufwändiger Kleinarbeit gestaltet worden ist. Die Orgel der Firma Furtwängler & Hammer ist 2000 vom Orgelbaumeister Rietsch komplett neu intoniert worden.

Über eine Million Euro wird die Sanierung der St. Pauli-Kirche zu Gilten kosten. Öffentliche Organisationen sowie die Landeskirche und das Kreiskirchenamt finanzieren die notwendig gewordenen Maßnahmen. „Wir freuen uns auf den Tag, an dem wir wieder unser Haus betreten dürfen“, sagt der Kirchenvorsteher, der dann – mit vielen anderen Mitstreitern der Kirchengemeinde – ein weiteres wichtiges Kapitel in seinem Leben festhalten wird.

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