Einwohnerversammlung in Rethem zu den Planungen für die Gebäudesanierung

Das Rathaus verliert den Boden unter den Füßen

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Moderator Christoph Seidl vor einem Teil der Besucher in der Londy-Schule.

Rethem - 200 Zuhörer hatten am Mittwoch den Weg in die Rethemer Londy-Schule gefunden. Bei einer öffentlichen Einwohnerversammlung ging es um die Themen Sanierung des historischen Rathauses und Unterbringung der Samtgemeindeverwaltung.

Der von der Samtgemeinde engagierte Moderator Christoph Seidl erklärte die Gesprächsregeln: kurze Fragen und Antworten, keine langen Ausführungen. Das Thema „Fusion“ bleibe außen vor. Ziel des Abends sei es, im notwendigen Maße über den Stand der Dinge zu informieren, der Wunsch, konsensfähige Argumente für den Rat zu finden.

Drei Modelle ausgiebig analysiert

Thomas Jäh vom Planungsbüro Niemeyer in Walsrode stellte die Ergebnisse des erstellten Bodengutachtens vor. Es habe zwei Bohrungen gegeben. Die eine, vor dem Seiteneingang des Rathauses, habe bis in circa vier Meter Tiefe einen hohen Anteil organischen Materials ergeben. Dieses zersetze sich, in der Folge sacke der Boden zusammen. Die andere Bohrung mitten im Rathaus habe sogar einen 40-Zentimeter-Hohlraum unter dem Gebäude aufgezeigt. Unter nicht verdichtetem, sandigen Material finde sich ebenfalls weicher Boden mit Organik-Anteilen.

Er habe Kostenschätzungen für drei Modelle bearbeitet, sagte Jäh. Die Totalsanierung in drei Varianten, eine Sanierung des Erdgeschosses mit Auslagerung eines Fachbereichs sowie schließlich einen theoretischen Neubau. Er habe im zweiten Modell exemplarisch den Fachbereich eins in das Dachgeschoss der Kreissparkasse Rethem verlagert. „Das funktioniert“, so Jäh.

Die geschätzten Kosten beliefen sich für die Totalsanierung auf zwischen 2,1 und 2,3 Millionen Euro, für die Teilsanierung mit Auslagerung auf 1,5 Millionen Euro und für den Neubau auf 1,4 Millionen Euro (die Unterlagen sind im Ratsinformationssystem einsehbar).

Die Redner auf dem Podium (v.l.): Thomas Jäh, Susanne Graschtat, Cort-Brün Voige und Harm-Dirk Hüppe.

Susanne Graschtat, Leiterin der Fachgruppe Bauen beim Heidekreis, betonte, dass sie keinen Weg sehe, das Rathaus ohne Baugenehmigung zu sanieren. Schon der Umbau der Toiletten oder die Herausnahme von Wänden mache diese erforderlich.

Harm-Dirk Hüppe, Allgemeiner Vertreter, ging auf die vorliegende Studie des Niedersächsischen Studieninstituts ein. Sie habe überprüft, ob die Verwaltung der Samtgemeinde über eine sinnvolle Organisationsstruktur verfügt. Das Ergebnis habe ergeben, dass diese weder sach- noch zeitgemäß sei. So gebe es zum Beispiel zu viele Führungskräfte. An der räumlichen Situation sei ebenfalls Kritik geäußert worden.

Verwaltungschef Cort-Brün Voige ging auf das Thema Brandschutz ein. Eine Brandschau habe es 2003 gegeben, eine weitere erst kürzlich. Die Anforderungen hätten sich verändert und die persönliche Haftung habe bei ihm gelegen. Es gelte nun eine Fristsetzung bis Jahresende. Bis dahin solle sich die Samtgemeinde ihr Vorgehen zur Umsetzung der Brandschutzmaßnahmen überlegt haben. Kritische Punkte seien unter anderem der Treppenraum, die Decken im Erd- und Obergeschoss sowie die Elektroinstallation. Die Kosten beliefen sich auf rund 240 000 Euro.

Mindestkosten von rund 1,5 Millionen Euro

Nicht zu vergessen sei der Schutz der Mitarbeiter. Es habe eine Begehung durch den Gemeinde-Unfallversicherungsverband (GUV) gegeben, bei der diverse Mängel festgestellt worden seien, sagte Voige. Im Sozialamtsbüro sei sogar eine Sofortmaßnahme erforderlich, da es keine Fluchtmöglichkeit für die Mitarbeiter gebe.

Christian Sinn wollte in der Fragerunde wissen, wer einen Umbau der Kreissparkasse zahlen würde. Hüppe antwortete, dass das nicht feststehe. Ute Feldmann erzählte, dass sich Mietkosten für die KSK-Nutzung aufsummieren würden. Das Rathaus bleibe aber im Eigentum der Stadt und müsse erhalten werden. Das gelte auch bei einen Neubau.

Karsten Feldmann fragte, ob es eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung für die angenommene Nutzungsdauer gebe. „Wir gehen vom Fortbestand der Samtgemeinde aus“, sagte Voige. Es gelte, das Gebäude zu sichern und zu erhalten. Eine andere Nutzung solle aber möglich sein. Die Beschlusslage gebe vor, dass die Samtgemeindeverwaltung das Gebäude nutze.

Dieter Moll stellte die Frage, ob alle Varianten, die man sich vorstellen könnte, berücksichtigt worden seien. Speziell gehe es ihm um eine kostengünstige Variante vor der Bauantragsschwelle. Diese könne ähnlich gute Ergebnisse bringen wie eine Totalsanierung. Jäh erläuterte, dass Brandschutzmängel und Setzungen das Vorgehen beeinflussten und große Kosten verursachten. Der Rat habe vorgegeben, welche Varianten er erarbeiten sollte.

Bürgerbegehren möchte die Arbeit im Rathaus nicht verhindern

Karsten Feldmann betonte abschließend, dass es dem Bürgerbegehren nicht darum gehe, die Verbesserung der Arbeitssituation im Rathaus auszubremsen oder zu verhindern. „Wir wollen nur einen anderen Weg.“ Eine kostengünstigere Lösung scheine verhindert zu werden. Die Beteiligung, die ihnen vermeintlich zugestanden worden sei, bezeichnete Feldmann als Alibi. „Ich bin nicht bereit, einen Prozess zu begleiten, bei dem ich mich nicht gewinnbringend einbringen kann.“ Vielleicht sei der richtige Weg, ins Kommunalverfassungsgesetz zu schauen. Ziel sei es, die Verbesserung der Arbeitsplatzsituation und die Sicherung des historischen Rathauses mit vertretbarem finanziellen Aufwand zu realisieren.

Am Montag, 28. August, 19 Uhr, wird die Sanierung des Rathauses öffentlich in der Sitzung des Bauausschusses behandelt. „Dann entscheidet sich, wie wir dieses Thema angehen“, so Voige.

sal

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