Alternativlösungen gefordert

Rathaus in Rethem: Planung ohne Druck

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Wie teuer wird eine Sanierung des Rethemer Rathauses – und wie umfangreich soll sie tatsächlich sein? Diese Fragen bewegen seit geraumer Zeit Verwaltung, Politiker und Einwohner der Samtgemeinde.

Rethem - „Wir befürchten, dass die Kosten hochgerechnet werden und dass deshalb ein Neubau oder eine Lösung im Gebäude der Kreissparkasse doch wieder ins Gespräch kommen.“

Carl-Dietrich Radtke lässt ebenso wie Uwe Tank und Karsten Feldmann keinen Zweifel daran, dass die Verwaltung im historischen Gebäude bleiben soll. Das hätten im vergangenen Jahr immerhin 1 200 Samtgemeinde-Bürger unterschrieben.

Den drei Rethemern geht es darum, im Gespräch zu bleiben und das Thema weiterzuverfolgen. „Die Leute sollen wissen, dass es uns gibt“, sagte Tank im Pressegespräch. Er und Radtke sitzen als Vertreter des Bürgerbegehrens im Bauausschuss der Samtgemeinde. „Unsere Legitimation ist nur die Öffentlichkeit“, so Radtke. 

Karsten Feldmann, Carl-Dietrich Radtke und Uwe Tank (v. l.) wünschen sich mehr Unterstützung bei ihren Aktivitäten.

„Es wäre schön, wenn wir mehr Rückhalt hätten.“ Fakt sei, dass mit der Durchführung der Unterschriftenaktion zwar ein Ratsbeschluss geändert worden sei, ansonsten hätten sie aber noch nichts erreicht. „Wir wollen den Gedanken am Leben halten und mit Leben erfüllen.“ Es sei wichtig, dass die Menschen wüssten, dass sie aktiv für sie seien.

Es gehe darum, einen Kostenrahmen zu finden, der für alle tragbar sei, erzählt Tank. Die bisher genannten Kosten erschienen ihnen zu hoch. Von 2,5 Millionen Euro und mehr sei bereits für die Rathaussanierung gesprochen worden.

Radtke erläutert, dass es in der Vergangenheit einen absoluten Sanierungsstau gegeben habe. Durchgeführte Maßnahmen seien zudem nicht aufeinander abgestimmt worden. „Jetzt stehen entsprechend hohe Kosten im Raum.“ Der reine Erhalt der alten Bausubstanz sei die eine Sache, eine Aktualisierung eine ganz andere. „Eine statisch und bautechnisch erforderliche Mini-Sanierung wäre machbar.“ Wer bei armen Leuten arbeite, dürfe keine Präsidenten-Suite erwarten, so Radtke. Natürlich seien sie nicht gegen bessere Bedingungen für die Verwaltungsmitarbeiter, ergänzt Tank.

Samtgemeindebürgermeister Cort-Brün Voige lasse jetzt aufgrund eines vor einiger Zeit erstellten Raumkonzeptes einen Entwurf vom Architekten erarbeiten. „Wir als Gruppe möchten den Architekten jedoch in dieser Arbeitsphase zwei Entwürfe entwickeln lassen – einen mit einer Nutzung der Nachbargebäude und einer eventuellen Teilnutzung des alten Rathauses.“ Die Bedenken Voiges gegen die Aufsplittung der Verwaltung könne er nicht nachvollziehen.

Wieviel Verwaltung braucht Rethem?

Feldmann möchte am liebsten im Vorfeld auch geklärt haben, wie viel Verwaltung die Samtgemeinde mittel- und langfristig wirklich in Rethem braucht. Der Bedarf sollte eigentlich zuerst geklärt werden, fuhr Radtke fort. Da müsse auch die Frage gestellt werden, wie lange die Samtgemeinde bestehen wird. „Für wen soll das Gebäude da sein?“ Diese Frage sei allerdings von der Verwaltung geblockt worden.

Feldmann berichtet, dass es ein sehr gutes Gespräch mit den Ratsmitgliedern und ihnen gegeben habe. „Wir konnten unsere Ziele vorstellen.“ Besprochen worden sei zum Beispiel, dass neben der Komplettsanierung auch nur die Sanierung des Erdgeschosses möglich sei und zusätzlich das Lührsche und von Behrsche Haus einbezogen werde. Fazit sei gewesen, sich nicht mehr unter Zeitdruck setzen zu lassen.

Einige Ratsmitglieder forderten Zahlen, um planen zu können, so Radtke. „Die gibt es aber erst, wenn ein Vorentwurf vorliegt.“ Darauf sei eine grobe Kostenschätzung möglich.

Was er nicht verstehe, sei der plötzliche Zeitdruck, der aufgebaut werde, erzählt Radtke. „Jeder Betrieb, der baut, denkt noch mal über seine Abläufe nach, um womöglich etwas zu verbessern.“ Er habe gehört, dass alles drangesetzt werde, bis September die letzten beiden Leistungsphasen drei und vier in Auftrag zu geben.

Varianten müssen her

Es könne aber nicht angehen, den Kosten einer Totalsanierung nur die eines Neubaus gegenüberzustellen. „Wo bleiben die Varianten?“, will Radtke wissen. Der Brandschutz sei im Übrigen kein Argument für eine Totalsanierung, sagt Feldmann. Das historische Gebäude in private Hand zu geben, was schon angedacht worden sei, halte er für einen Fehler. Bei allen Überlegungen müsse schließlich die Unterhaltung des Rathauses mit hinzugerechnet werden.

Letztendlich zahle der Bürger, erklärt Tank. „Wir überlegen, den Bund der Steuerzahler ins Boot zu holen.“ Radtke stellt klar, dass es nicht darum gehe, ein Feindbild aufzubauen. Ziel sei es, mit anderen ins Gespräch zu kommen.

Gerne hätte die Dreiergruppe mehr Mitstreiter im Boot. „Weil nicht sicher ist, dass alles so kommt, wie es die Leute wollen“, so Feldmann. Es sei ein spannender Prozess, bei dem eine andere politische Kultur gelebt werde als sonst. „Wir wollen nicht rumstänkern, sondern helfen.“ Wer sich beteiligen möchte, sollte einfach Kontakt zu Feldmann, Radtke oder Tank aufnehmen. - sal

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