Prozess gegen 19 und 25 Jahre alte Angeklagte / Tat weitestgehend eingeräumt

Pokerstreit: Kein As mehr im Ärmel

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Mediengruppe Kreiszeitung

Rethem/Verden - Ihre Karten offengelegt haben die 19 und 25 Jahre alten Angeklagten im Landgerichtsprozess um den Raub einer Pokerkasse im Juni vergangenen Jahres in Rethem. Nachdem das Gericht die übrigen Teilnehmer der privaten Pokerrunde als Zeugen gehört hatte, war den Angeklagten offenbar klar, dass sie kein As mehr im Ärmel haben. Sie räumten die Tat weitestgehend ein.

Die Staatsanwaltschaft Verden wirft den Männern gemeinschaftlichen schweren Raub vor. Sie seien verärgert gewesen, als die Spielrunde gegen 1.45 Uhr beendet worden sei. Strittig ist, ob mit oder ohne vorherige Ankündigung. Die Angeklagten hatten ihr Geld verloren. Daraufhin habe der 25-Jährige ein Messer gezogen, die Mitspieler bedroht und rund 450 Euro aus der Spielkasse geraubt. Danach waren die Angeklagten geflüchtet. Sie kehrten zurück, als die Polizei vor Ort war.

Beim Prozessauftakt vor einer Woche hatten die Angeklagten noch behauptet, dass der 19-Jährige aus Walsrode das Geld gegriffen habe. Den Einsatz eines Messers hatten sie komplett bestritten. Das Gericht hatte Zweifel an den Aussagen geäußert und vermutet, dass der Jüngere der beiden Cousins die Schuld auf sich nehme, weil er, anders als der 25-Jährige aus Achim, bei der Tat nicht unter laufender Bewährung stand.

Am Dienstagnachmittag, nach Anhörung mehrerer Zeugen, änderten die Angeklagten ihre Einlassung. Es sei richtig, dass der 25-Jährige ein Messer gezogen habe, jedoch nicht, um den Raub des Geldes zu ermöglichen, sondern weil er mit einem Mitspieler in Streit geraten sei. Er habe eine Äußerung des Mitspielers als Beleidigung aufgefasst und sei verärgert gewesen. Es sei aber kein Butterfly-Messer gewesen, wie teilweise behauptet, sondern ein Klapp-Taschenmesser.

„Unmittelbar danach wurde um das Geld gestritten“, erklärte Verteidigerin Medya Roza Tuku für den 25-Jährigen. Sie hätten sich ungerecht behandelt gefühlt, weil vorher kein zeitliches Ende des Spiels vereinbart worden sei. Als wegen des Streits alle standen, habe ihr Mandant die Situation genutzt und sich das Geld gegriffen, so die Rechtsanwältin. Das Messer habe dabei keine Rolle gespielt.

Der 19-Jährige will in dem Tumult lediglich einen Barhocker erhoben haben. „Er war von der Situation überrascht. Das verlorene Geld schmerzte und sie hatten das Gefühl, abgezogen worden zu sein“, erklärte der Verteidiger des 19-Jährigen, Georg Bluhm. Vom Griff in die Kasse sei sein Mandant überrascht gewesen, und das Messer habe er gar nicht gesehen. Als sein Cousin rausgelaufen sei, sei der 19-Jährige spontan gefolgt.

Am 30. Juni soll der Prozess fortgesetzt und mit einem Urteil beendet werden.

wb

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