Pokerprozess am Landgericht Verden

Freiheitsstrafe und Arbeitsstunden

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Mediengruppe Kreiszeitung

Rethem/Verden - Zum Showdown kam es gestern im Rethemer Pokerprozess am Landgericht Verden. Nachdem Staatsanwaltschaft und Verteidiger plädiert hatten, verkündete die 3. Große Strafkammer mittags ihr Urteil. Wegen besonders schweren Raubes wurde ein 25 Jahre alter Angeklagter aus Achim zu einer 22-monatigen Freiheitsstrafe und ein 19 Jahre alter Angeklagter aus Walsrode zu einer Woche Dauerarrest und 150 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt

Die Cousins wurden für schuldig befunden, im Juni vergangenen Jahres bei einer privaten Pokerrunde in Wohlendorf die Spielkasse mit 450 Euro geraubt zu haben. Das Spiel sei vereinbarungsgemäß und nach vorheriger Ankündigung der letzten Runde beendet worden. Doch die Angeklagten wollten weiterspielen, weil sie hofften, ihr verlorenes Geld zurückzugewinnen. Es kam zu verbalen Streitigkeiten, in deren Verlauf der 25-Jährige ein Messer zog. Spontan, so die Überzeugung des Gerichts, habe er sich entschlossen, die Spielkasse mit rund 450 Euro zu rauben. In einer Hand hielt er das Messer, was die Mitspieler davon abgehalten habe, einzugreifen.

„Das Messer wurde als Nötigungsmittel verwendet, deshalb ist es ein besonders schwerer Fall des Raubes“, so der Vorsitzende Richter Joachim Grebe. Weil die Tat von einem Regelfall des besonders schweren Raubes abweiche, habe man auf einen minderschweren Fall erkannt. Dadurch reduzierte sich die Mindeststrafe von fünf Jahren auf ein Jahr im Fall des 25-Jährigen. Berücksichtigung fanden die Geständnisse, die geringe Beute und dass die Angeklagten erst abgehauen, dann aber zum Tatort zurückgekehrt waren.

Da der 19-Jährige nach Jugendstrafrecht verurteilt wurde, galt für ihn ein geringeres Strafmaß. Er hatte lediglich einen Barhocker als Drohgebärde erhoben und ist vorstrafenfrei. Dass bei dem 19-Jährigen Reifeverzögerungen vorliegen, daran bestand kein Zweifel. „Er lebt völlig planlos in den Tag hinein und lässt sich von seiner Familie aushalten“, hieß es in der Urteilsbegründung. „Es ist gut, wenn sie Arbeit mal kennenlernen“, so Grebe. Nur Arbeitsstunden, wie vom Verteidiger beantragt, seien nicht ausreichend. „Es handelt sich bei der Tat schließlich um ein Verbrechen“, betonte der Vorsitzende.

Zum Tatzeitpunkt

unter Bewährung

Das galt genauso für den 25-Jährigen, dessen Strafe deutlich höher ausfiel. Die Verteidigerin hatte sich vergebens bemüht, das Gericht von einer Strafaussetzung zur Bewährung zu überzeugen. „Er ist zweimal wegen hochkrimineller Taten zu Bewährungsstrafen verurteilt worden. Irgendwann ist Schluss mit der Mildtätigkeit“, so der Vorsitzende.

Bei den beiden jüngsten von sieben Vorstrafen ging es um bewaffnete Überfälle auf einen Taxifahrer, einen durch ein quergestelltes Auto gestoppten Pizzaboten und auf eine Spielhalle. Zuletzt 2011 war der 25-Jährige vom Amtsgericht Achim zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt worden und stand bei der Tat in Rethem noch unter laufender Bewährung. Es droht ihm nun ein Widerruf der Strafaussetzung und damit weitere zwei Jahre in Haft. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

wb

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