Dritter Teil der Serie: Hand und Spanndienste

Geschichte der Rethemer Brücken: Passagedamm und Kleiner See

Bauarbeiten 1955: Die ,,Kleine Seebrücke“ war im April 1945 gesprengt worden und wurde dann durch eine moderne Betonbrücke ersetzt.

Rethem - Von Fred Raczkowski. Die Geschichte der „großen“ Allerbrücke und dem Übergang über den Rethemer See (Fährsee) wurde in den ersten beiden Folgen der Artikelserie behandelt. Eine Folge fehlt noch: Die ,,Kleine Seebrücke“. Sie überspannt den Kleinen Rethemer See zwischen Aller und Fährsee, ein Gewässer, über dessen Geschichte nur wenig bekannt ist.

„Wir finden fast nichts darüber“, bedauert der Rethemer Archivar August Jahns. Einen Hinweis auf den See und den Bau einer Brücke liefert jedoch einen Vermerk aus dem Jahre 1845. Jahns: „Um diese Zeit wurde bei den Siebenscheunen Ton abgebaut, der offenbar zum Bau einer Brücke über diesen See benötigt wurde.“ Daher könne davon ausgegangen werden, dass der Kleine See erstmals 1845 von einer hölzernen Brücke überspannt wurde.

Wesentlich mehr Daten, vor allem auch historische Fotos, sind vom Brückenbau aus dem Jahre 1895 erhalten. Auf einem Bild präsentieren Maurermeister Heinrich Richter und seine Kollegen dem Fotografen stolz ihr Werk. Fotos vom fertigen Bauwerk, einer Einbogen-Eisenkonstruktion, gibt es allerdings nicht mehr.

Wie die Allerquerung wurde auch die Bogenbrücke über den Kleinen See im April 1945 vor den anrückenden Engländern von deutschen Truppen gesprengt. 1946 bauten britische Pioniere eine Bailey-Holzbrücke über den See. Sie wurde am 13. April 1955 durch die heute noch bestehende Betonbrücke ersetzt.

Begonnen hatten die Arbeiten im August 1954. Das Bauwerk wurde in Spannbetonbauweise errichtet. Ein Bericht aus jenen Tagen listet die Daten auf: „38 Meter Länge, sieben Meter breite Fahrbahn, Fuß- und Radweg. Die Tragfähigkeit beträgt 60 Tonnen, verarbeitet wurden 300 Kubikmeter Beton, zehn Tonnen Spannstahl und 20 Tonnen Montiereisen.“

Bauarbeiten 1895: Die Firma Richter war für die Konstruktion der Widerlager der ersten Bogenbrücke über den Kleinen See zuständig. Fotos: Raczkowski

Eines darf in einem Bericht über die Rethemer Brücken nicht fehlen: Die Geschichte des sogenannten Passagedamms. Denn bis zum Jahre 1793 hatte die historisch so wichtige Straßenverbindung zwischen Walsrode und Rethem zu bestimmten Jahreszeiten einen gravierenden Nachteil: Führte die Aller Hochwasser, half auch die Allerbrücke nichts, die Marsch zwischen Rethem und Altenwahlingen wurde zu einer einzigen großen Wasserfläche. Dann war für die Kutschen kein Durchkommen mehr zum Postweg nach Nienburg.

Der Drost von Ompteda ließ daher um 1790 Sommerdeiche bauen, die erst bei einem Wasserstand der Aller von 4,12 Metern überflutet wurden. Kam es dazu, war für Kutschen aber immer noch kein Durchkommen bis zur Allerbrücke möglich. Daher ordnete der Drost den Bau eines Passagedamms von der Allerbrücke zum Fährsee an. Vermerkt wurde dazu im Jahre 1793, dass dieser Bau 3 000 Taler gekostet und „2124 Tage Spanndienst sowie 2 772 Handdiensttage der Amtsuntertanen“ erfordert hätte.

Der Damm hatte eine Länge von 285 Ruten (das entspricht 1331 Metern), er war zwei Ruten (9,34 Meter) breit und sechs Fuß (1,74 Meter) hoch. Gepflastert wurde er zunächst nicht. Erst in der napoleonischen Zeit erhielt er eine Pflasterung.

Im vierten und letzten Teil der Artikelfolge über die in den nächsten Jahren zu erneuernden Rethemer Brücken wird es um die Feierlichkeiten zur Einweihung der Fährseebrücke am 22. März 1898 und um die Geschichte der Fähre über den Rethemer See gehen.

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