Olivier Theobald: Von den vielen Seiten des Heidedichters / Fuchstrott

Ragtime und Hermann Löns

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Theobald (l.) und Kulturringvorsitzender Gerhard Zahmel: Beide hatten schon im Jahr 2000 zur Expo in Hannover an der Aufführung von Theobalds Drama ,,Rausch an der Leine“ gearbeitet.

Vom Fred Raczkowski - Das war wirklich eine bunte Mischung: Jazz, Blues, Gedichte über die Begegnung mit einem Fuchs und Antworten auf die Frage ,,Wer war eigentlich Hermann Löns?“ Zuständig für dieses ebenso unterhaltsame wie informative Angebot des Rethemer Kulturrings im Burghof war der Schweizer Schriftsteller und Musiker Olivier Theobald. Zum dritten Mal Gast in Rethem, beeindruckte er erneut als Könner am Piano, Löns-Kenner und Schriftsteller.

Olivier Theobald ist sein Pseudonym, eigentlich heißt der Künstler aus der französischen Schweiz Olivier Thiébaud. „Er wohnt am Genfer See, aber ein Millionär ist er nicht“, stellte ihn Kulturring-Vorsitzender Gerhard Zahmel vor.

,,Noch nicht“, merkte Theobald an, der für sein neues Buch den stattlichen Preis von 200 Euro haben will. Dafür gibt es aber auch Originalzeichnungen und -gedichte. Er hat aber gut ein Dutzend weiterer Bücher verfasst, die deutlich günstiger zu haben sind. Tatsächlich könnte der Schweizer von der Schriftstellerei allein nicht Leben. Thiébaud verdient sein Geld als Deutschlehrer in Lausanne und als Dozent für deutsche Sprache in Yverdon.

Die Verbindung zur Heidelandschaft, besonders zu Walsrode, geht ins Jahr 2000 zurück. Zur Expo, der Weltausstellung in Hannover, wurde damals das von Theobald geschriebene Theaterstück „Rausch an der Leine“ in Walsrode aufgeführt. Für die Organisation zuständig war Zahmel, Löns-Spezialist und damals Chef des Kulturamtes.

Theobald studierte Germanistik, Latein und Romanistik an der Universität Lausanne und schloss sein Studium 1985 mit einer Lizentiatsarbeit über Löns ab. Wie kommt ein Schweizer dazu, ausgerechnet Hermann Löns zu studieren? Sein erstes Löns-Buch habe er als Schüler in einem Antiquariat in der Abteilung Kitsch und Kunst gekauft, die Sprache voller Farben habe ihn fasziniert. Aber er fand auch nationalistische Lieder („Wir fahren gegen Engelland“) – die andere Seite des Heidedichters.

Von Kitsch bis Kunst, schwach bis stark – Löns hat nach Ansicht Theobalds viel zu bieten: „Schwach sind seine Soldatenlieder, stark dagegen sein Kriegstagebuch.“ Zitat aus dem Tagebuch, das Löns in den ersten Wochen des Krieges bis zu seinem Tod am 26. September 1914 geführt hatte: ,,Leichen, Leichen, Leichen. Verwesungsgeruch hier und da ganz schlimm. Unsere Schwären brüllen.“

Für Theobald ist das Tagebuch „ein Manifest gegen die Unmenschlichkeit des Krieges.“ An Löns habe ihn stets die Ambivalenz, das Sowohl/als auch fasziniert: „Er war eben ein Kind seiner Zeit, ein Mensch wie du und ich.“

Mit ,,Fuchstrott“ präsentierte Theobald seinen Zuhörern Gedichte über die Begegnungen mit einem Fuchs, der immer wieder auf sein Grundstück am Genfer See kam und von ihm gefüttert wurde. Eine ganz persönliche Zauberwelt, die abrupt beendet wurde, als der Fuchs die Räude bekam und nicht mehr zu seinem Freund zurückkehrte. Genau 661 Tage („Wir Schweizer sind genau“) dauerte es, bis jetzt ein neuer Fuchs auf dem Anwesen Theobalds erschien: „Vielleicht der Beginn einer neuen Beziehung.“

Zwischen den Vorträgen gab es Ragtime, Swing der dreißiger Jahre und kleine Ausflüge in die Musikgeschichte. Am Ende trug noch Jagdlyriker Erwin Schwemmer aus Sittensen einige Gedichte vor, und schließlich verwöhnte der veranstaltende Kulturring seine Gäste noch mit Käse und Wein original vom Genfer See.

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