Modehaus Wulff seit fast 100 Jahren eine gute Adresse in der kleinen Stadt

Nicht zu unterschätzen

Auf über 300 Quadratmetern Verkaufsfläche bietet Ina Wulff-Irmler ein beachtliches Sortiment an Damen-, Herren und Kinderbekleidung.  
Fotos: Niemann
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Auf über 300 Quadratmetern Verkaufsfläche bietet Ina Wulff-Irmler ein beachtliches Sortiment an Damen-, Herren und Kinderbekleidung. Fotos: Niemann

Rethem – Ein inhabergeführtes Einzelhandelsgeschäft, das sich fast 100 Jahre lang am Standort hält: Oft gibt es so etwas heutzutage nicht mehr. Die Familie Wulff hat genau das in Rethem geschafft und die Inhaberin in dritter Generation, Ina Wulff-Irmler, denkt mitnichten ans Aufhören. In sechs Jahren, also 2026, steht der 100. Firmengeburtstag bevor. Bis dahin, so der feste Vorsatz der Inhaberin, „mache ich auf jeden Fall noch weiter“.

Ina Wulff-Irmler ist zu Recht stolz auf die langjährige Firmentradition, die ihre Großeltern, Helene und Otto Wulff, 1926 auf den Weg gebracht haben. „Meine Oma war eine gelernte Putzmacherin. Sie und ihr Mann haben in der Hainholzstraße ein kleines Fachgeschäft eröffnet“, weiß die Enkelin.

Das Geschäft habe sich gut entwickelt. Als das Sortiment immer größer wurde, sei schon Ende der 1920er-Jahre der Umzug in größere Geschäftsräume in der Langen Straße erfolgt, 1936 dann seien die jetzigen Geschäftsräume an der Ecke Hainholzstraße/Lange Straße bezogen worden.

„Meine Großeltern hatten das Haus gekauft, das seitdem mehrfach umgebaut und vergrößert wurde“, berichtet Wulff-Irmler. 1977 übernahm mit Thea und Gerhard Wulff die zweite Generation das Geschäft. Mitte der 1980er-Jahre war die Verkaufsfläche erneut zu klein geworden, sodass Handarbeitswaren und Tischwäsche in einem separaten Laden in der Langen Straße ausgegliedert wurden.

Auch das Jahr 1994 brachte eine wesentliche Veränderung mit, als Ina Wulff-Irmler Mode und Wäsche Wulff in eigener Verantwortung übernahm. „Ja, und seitdem bin ich die Chefin“, sagt die Inhaberin lächelnd.

Schon als Teenager habe sie gerne hinter der Ladentheke gestanden oder den Vater zu Modemessen begleitete. „Für mich waren das damals ganz wunderbare Highlights. Raus aus Rethem und auf nach Düsseldorf. Außerdem waren die Messebesuche in der Regel mit einer Übernachtung in einem Hotel verbunden, was ich im Alter von vielleicht 14 oder 15 Jahren zusätzlich sehr aufregend fand“, erinnert sie sich.

Sie sei schon damals sehr am Modeeinzelhandel interessiert gewesen. Das habe sich bis heute nicht geändert. Aufhören? „Ich bin nahezu täglich hier, ich bin gesund und die Arbeit macht mir nach wie vor großen Spaß. Ohne den Kontakt zu meinen Kunden würde mir sicher etwas Entscheidendes fehlen“, sagt sie bestimmt.

Dass die Zeiten wirtschaftlich schwerer geworden sind, verhehlt Ina Wulff-Irmler nicht. „Man muss sich heutzutage im Einzelhandel schon sehr anstrengen, muss mit der Zeit gehen und darf sich Neuerungen gegenüber nicht verschließen, um für die Zukunft gewappnet zu sein.“

Diese Prämisse hat sich Wulff-Irmler bereits vor Jahren auf die Fahnen geschrieben und beispielsweise, als die Postfiliale in Rethem dicht machte, die Postagentur ins Modehaus geholt. „Anfangs wollte ich das nicht so recht, aber im Nachhinein hat sich die Entscheidung doch als richtig herausgestellt“, so die 58-Jährige. Am Ball zu bleiben, das hat sie sich zum Ziel gemacht, auch durch die Wahl der Sortimente für Damen, Herren und Kinder. „Die weibliche Kundschaft findet alles bei uns – von der Socke bis zur Jacke. Bei den Herren ist das Angebot begrenzt und im Kinderbereich führen wir vor allem kleinere Größen.“

Ina Wulff-Irmler liegt es am Herzen, das Geschäft für ihre Kunden am Laufen zu halten. Die Konkurrenz im Netz habe sie bisher weniger zu spüren bekommen, sagt sie. Als Grund nennt sie ihre Klientel, überwiegend Damen reiferen Alters. Dabei führt sie auch eine beachtliche Auswahl an modischer Kleidung für das mittlere Alter. „Diesbezüglich wird das Geschäft weit unterschätzt“, sagt sie und fügt seufzend „leider“ hinzu. Mode sei für sie Vertrauenssache – als Ein- und Verkäuferin. „Ohne persönliche Beratung geht das für mich nicht“, sagt sie.

Und schließlich das Wichtigste: „Teils kommt schon die dritte Generation zum Einkaufen in den Laden“, sagt sie stolz. Nicht zuletzt dank dieser treuen Stammkunden sei es gelungen, das Geschäft nicht nur durch die Jahrzehnte, sondern auch durch die aktuelle Corona-Krise zu führen.“

Von Christel Niemann

1936 zogen die Gründer Helene und Otto Wulff mit ihrem Geschäft an die jetzige Adresse.
Susan Jackson-Köther gehört zu den Teilzeitkräften und ist vor allem in der Postagentur tätig.

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