Braucht der Heidekreis eine IGS mit Standort Walsrode?

Neue Schuldebatte

Sieben Personen stehen vor einem mit roten Klinkern verkleideten Gebäude.
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Die Gesprächsteilnehmer mit Schulleiter und Stellvertreter: Andreas Böhm, Almuth Dravis, Sandra Steinhoff-Schäfer, Frank Leverenz, Franziska Politt-Lessau, Maik Welk und Wolfgang Welle.
  • Geteilter Meinung sind die Verantwortlichen im Heidekreis über die Einrichtung einer Integrierten Gesamtschule, kurz IGS, in Walsrode. Eine solche Schule würde die anderen schwächen, hieß es unter anderem. Die Befürworter haben die Sorge, dass der Heidekreis der letzte dunkle Fleck ohne IGS auf der niedersächsischen Landkarte bleiben könnte.

Heidekreis – Dass die Kreisverwaltung im Heidekreis die integrierte Gesamtschule am Schulstandort Walsrode im Gegensatz zu den Schulleitungen der Oberschulstandorte Rethem, Bomlitz und Hodenhagen seit Jahren unbedingt will, ist kein Geheimnis. Vom Schulträger und einem Teil der politischen Gremien wird das Thema aktuell stark befeuert. Doch während die IGS-Befürworter vor allem die Sorge umzutreiben scheint, dass der Heidekreis der letzte dunkle Fleck ohne IGS auf der niedersächsischen Landkarte bleiben könnte, befürchten die betroffenen Schulleitungen primär gravierende Auswirkungen auf ihre Schulstandorte, da Walsrode als möglicher Standort favorisiert wird.

Auch der langjährige Kreisschulausschussvorsitzende Frank Leverenz sieht die Pläne für eine Gemeinschaftsschule skeptisch und hatte daher zum Pressegespräch mit den betroffenen Schulleitungen eingeladen, denn der Druck aus der Kreisbehörde wächst.

Gewachsene, kleinteilige Schulstrukturen könnten massiv gefährdet werden

Gleich von Gesprächsbeginn an, herrschte im Lehrerzimmer der Rethemer Grundschule Einigkeit darüber, dass – sollte ein sechs- oder gar achtzügiges Gesamtschulangebot in der Lönsstadt entstehen – ein solches konkurrierendes Angebot erfahrungsgemäß die zukünftige Entwicklung der stabilen und teils sogar wachsenden Schülerzahlen an den genannten Sekundarschulen beeinflussen werde. Das stellten die Rethemer Schulleiterin Sandra Steinhoff-Schäfer, Konrektor Wolfgang Welle und die didaktische Leiterin der Schule, Almuth Dravis, mit den Kollegen aus Bomlitz und Hodenhagen Andreas Böhm sowie Maik Welk und Franziska Politt-Lessau fest. Sie eint die Befürchtung, dass die gewachsenen, kleinteiligen Schulstrukturen an allen drei Schulstandorten ohne Not massiv gefährdet und ihre Entwicklung nachhaltig behindert, wenn nicht gar ausgebremst würde, sodass sie der Errichtung einer IGS in Walsrode nicht zustimmen könnten.

Eine IGS in Walsrode sei nicht erforderlich, sondern im Gegenteil sogar kontraproduktiv, so der Tenor der Gesprächsrunde mit Verweis auf den Schulentwicklungsplan aus dem Jahr 2016 und auf die damals erfolgte Elternumfrage mit negativem Ausgang für die IGS.

Deutlich wurde auch, dass die Einwände der Schulleitungen nicht grundsätzlich gegen eine IGS gerichtet sind. Doch anstatt das Vorhaben mit der Brechstange und über die Köpfe der genannten Schulstandorte hinweg durchzusetzen, sei ein schlüssiges Konzept unter konstruktiver Beteiligung der betroffenen Schulen gefragt, damit diese nicht in Schieflage gerieten. ,,Es braucht einen regionalen Konsens und die Abwägung alternativer Standorte, damit alle davon profitieren könnten“, sagte Leverenz. ,,Ich sehe unsere Schule auf Dauer gefährdet, wenn die Schüler fehlen werden, die wir schon lange mit Erfolg an dieser Oberschule unterrichten“, erklärte Steinhoff-Schäfer. Sie habe an ihrer Schule hervorragende Pädagogen im Einsatz, von denen einige sogar aus Hannover kämen, und die mit hohem Niveau die Schüler unterrichteten. „Vieles davon ähnelt ohnehin dem Unterricht an einer IGS, die gymnasiale Oberstufe ausgenommen.“

Bekommt die Oberschule in Walsrode Konkurrenz?

„Ohne Leistung gibt es auch an der IGS kein Abitur“

In der Diskussion wurde darauf hingewiesen, dass das Gros der Eltern zwar die Vorteile der Kleinzügigkeit an den genannten Standorten zu schätzen wisse, andere aber wiederum nicht selten falsche Vorstellungen von einer IGS hätten. „Auch an der IGS wird Leistung gefordert. Ohne Leistung gibt es auch hier kein Abitur“, machte Böhm deutlich, der sich angesichts des maroden baulichen Zustands seiner Schule durchaus für den Neubau einer IGS in Bomlitz erwärmen könnte. Allerdings, so seine Überzeugung, funktioniere eine IGS auch nur dann, wenn etwa 40 Prozent der Schüler über gymnasiales Potenzial verfüge. Zum IGS-Standort Walsrode fügte er hinzu: ,,Eltern werden ihre Kinder dennoch lieber auf ein Gymnasium schicken, sodass eine IGS in Walsrode auf die katastrophale Raumsituation am Gymnasium Walsrode wahrscheinlich keinen oder kaum Einfluss hätte.“ Möglicherweise brächte sie sogar zusätzliche Nachteile für das berufliche Gymnasium Walsrode mit seinen Profilen Wirtschaft, Soziales und Technik mit sich, da diese Schule bekanntermaßen von den Oberschulen lebe. Steinhoff-Schäfer gab noch zu bedenken, dass eine IGS eine Regelschule wäre und die normalen Einzugsbereiche Gültigkeit hätten. „Fällt aber Kirchboitzen als Schuleinzugsbereich weg, dann kann das schon sehr negative Folgen haben“. Leverenz beklagte, dass auf Kreisebene schon wieder eine Schuldebatte geführt werde, ohne dass man die Basis darüber entsprechend und umfassend informiert und involviert habe. Für ihn sei derzeit ein gymnasiales Angebot am Standort Fallingbostel der beste gangbare Weg, zumal diese Lösung nicht nur die Raumnot am Gymnasium Walsrode lösen würde, sondern auch der Schülertransport durch den halben Landkreis entzerrt werden könnte.  nie

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