7,5 Kilometer Deich schützen zehn Dörfer

Mit nassen Füßen ist es im Ernstfall nicht getan

Stefan Röse (Schäfer), Andreas Wienke (Stadt Neustadt a. Rbge.), die Vorstandsmitglieder Erich Lohse (Gilten), Heino Fegebank (Nienhagen), Heiner Beermann (Nienhagen-Hufe), Cord Poppe (Rodewald) und Hendrik Voigt (Stöckendrebber) sowie die Mitarbeiter des Kreisverbandes für Wasserwirtschaft, Gaylord Kurre und Hermann Morische (v.l.), bei der Deichbegehung. - Foto: Deichverband

Gilten/Stöckendrebber - 7,5 Kilometer Deiche sollen im Fall der Fälle eine Katastrophe an der unteren Leine verhindern. Jetzt hat der Deichverband Leinetal seine Arbeit aufgenommen. Es gibt ihn seit 2012; die Widmung erfolgte aber erst zum 1. Januar dieses Jahres.

Idylle pur auf’m Deich“: Links weiden Schafe, rechts grasen Pferde, zwischen den Bäumen lugen romantische Fachwerkhäuser hervor. Die Sonne scheint, Vögel zwitschern. Vom Fluss ist nichts zu sehen. Doch die Leine kann auch anders: 1946 trat der Fluss über die Ufer und flutete das gesamte Hinterland. In späteren Jahrzehnten fehlten einige Male nur Zentimeter an der 46er Rekordmarke.

Um künftige Katastrophen zu verhindern, wurden von 2007 bis 2014 durch die Stadt Neustadt a. Rbge. in Stöckendrebber und durch die Gemeinde Gilten in Norddrebber und Gilten insgesamt 7,5 Kilometer Deiche gebaut. Das Bauwerk schützt Gebiete in Rethem, Stöcken, Frankenfeld, Ahlden (Schotenheide), Grethem, Gilten, Nienhagen, Norddrebber, Suderbruch, Lichtenhorst, Rodewald und Stöckendrebber vor Hochwasser.

Die Karte zeigt den Bereich, in dem der 2012 gegründete Deichverband für den Hochwasserschutz zuständig ist.

Den Unterhalt des Deiches übernimmt der eigens gegründete Deichverband Leinetal. Der wiederum beauftragte den Kreisverband für Wasserwirtschaft aus Nienburg mit der Betriebs- und Geschäftsführung: „Der Kreisverband verfügt über viel Erfahrung in der Gewässerunterhaltung und damit im Hochwasserschutz“, begründet Heiner Beermann, Vorsteher des Deichverbandes, die Entscheidung. „Er betreut etliche Verbände und ist als kommunales Unternehmen den Menschen verpflichtet.“

In diesem Jahr werden erstmals Beiträge für den Unterhalt des Deiches fällig. Beermann: „Die Details werden jetzt geklärt und den unterhaltspflichtigen Flächeneigentümern im Spätsommer mitgeteilt.“ Nähere Informationen zum neuen Deichverband und zu seiner Arbeit gibt es aber schon jetzt unter www.kvwasser-nienburg.de im Internet.

Von der Notwendigkeit des Deichbaus war seinerzeit nicht jeder überzeugt: Schließlich liegen einige der durch den Deich geschützten Dörfer scheinbar weit weg vom Fluss, und der Unterhalt eines Deiches kostet Geld. Doch seit den späten 90er- Jahren häufen sich dramatische Hochwasserereignisse. Vermeintliche „Jahrhundertfluten“ treten mittlerweile alle paar Jahre auf, und Berichte wie jüngst aus Süddeutschland zeigen eindrucksvoll: Im Ernstfall ist es mit nassen Füßen und einer gefluteten Weide nicht getan.

Der 7,5 Kilometer lange Deich schützt eine Fläche von gut 6 200 Hektar vor Hochwasser. 68 Prozent liegen im Heidekreis, 28 Prozent im Landkreis Nienburg/Weser, vier Prozent in der Region Hannover.

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