Leiser Abschied nach 42 Jahren: Inhaber kehrt der Stadt Rethem den Rücken

Möbeltransporter vor Helms’ Hotel

Den Betrieb hat Inhaber Lothar Helms an einen Rethemer verkauft, der ihn weiter gastronomisch nutzen will.
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Den Betrieb hat Inhaber Lothar Helms an einen Rethemer verkauft, der ihn weiter gastronomisch nutzen will.

Rethem – Lothar Helms ist dann mal weg. 42 Jahre, nachdem er gemeinsam mit seiner Frau Anita vom Vater das ehemalige Bahnhofshotel in Rethem übernommen hat, kehrt Helms der Allerstadt den Rücken, um den wohlverdienten Ruhestand in der Nähe seines Sohnes im Landkreis Gifhorn zu verbringen. Mitte der Woche war Helms daher ein letztes Mal in dem Gebäude anzutreffen, in dem er sein ganzes Leben verbracht hat. Und dass ihm dabei auch wehmütig zumute war, war ihm nicht nur anzusehen, sondern er räumte es auch freimütig ein. „Doch mit 70“, so sagt er, „ist es an der Zeit, beruflich einen Schlussstrich zu ziehen, um sich noch einmal neuen Dingen zuzuwenden.“

Drinnen in Helms Hotel geht es an diesem Tag in sämtlichen Räumlichkeiten noch drunter und drüber. Überall stapeln sich Umzugskartons, Töpfe und Geschirr. Im Saal hat jemand die Tischwäsche aus den Schränken gerissen und achtlos auf dem Mobiliar verteilt.

Auch Lothar Helms ist beschäftigt. „Ich stehe heute sehr unter Zeitdruck und weiß gar nicht, wo mir der Kopf steht“, sagt er. Während dessen zerlegt er Möbel mit Unterstützung von vielen helfenden Händen, die sie auch gleich in einem Anhänger oder einem Transporter verstauen.

„Da muss ich jetzt durch“, feuert er sich selbst an. Bereits seit Wochen hat Helms immer wieder Kiste um Kiste gefüllt, geschäftliche Papiere gesichtet und manches vernichtet. Ein Großteil seiner persönlichen Unterlagen blieb gut geordnet zurück, das Ende seiner Ära in Rethem.

Die Zeit sei rasend schnell vergangen, sagt er. Nahezu sein ganzes Leben hat er in Rethem verbracht. Großgeworden in der Gaststätte der Eltern, zu der früher auch eine kleine Landwirtschaft zählte, habe Helms schon früh verantwortungsvolle Aufgaben übernehmen müssen. „Ich war 14 Jahre alt, da sind meine Eltern einmal ein paar Tage alleine verreist und ich habe mich damals um die Gäste gekümmert. “

Er habe eine tolle Kindheit gehabt und verbinde wundervolle Erinnerungen mit der Stadt. Der junge Mann hat dann eine Ausbildung zum Hotelkaufmann in Krähenwinkel absolviert und 1978 gemeinsam mit seiner vor drei Jahren verstorbenen Frau Anita das Bahnhofshotel übernommen.

Gemeinsam haben die Eheleute das Gebäude aus dem Jahr 1904 saniert, renoviert, an- und umgebaut und sich einen ausgezeichneten Ruf erworben, der weit über Rethem hinausreichte. „Unser Betrieb war Treffpunkt für viele Menschen und Veranstaltungsort für Feiern, Gesellschaften oder Tagungen aller Art. Das Hotel wurde von Geschäftsreisenden ebenso geschätzt wie von den Touristen, die überwiegend mit dem Fahrrad zu uns kamen.“

Alles sei so gut gewesen, bis seine Frau schwer erkrankt und 2017 verstorben sei. Danach habe er die Hotelgäste nur noch mit Frühstück versorgt und sich in der Gaststätte um die Stammgäste gekümmert. Ihnen ist Helms auch dankbar für ihre teils Jahrzehnte anhaltende Treue.

Beim Blick zurück auf die 42 Jahre in Rethem stellt Helms fest, dass sich die Branche verändert hat: gesellschaftlich und kulturell aber auch touristisch. „Früher war irgendwie alles gemütlicher“, meint er. Eigentlich hatte er nicht geplant, so leise zu „verschwinden“. Eine Abschiedsfeier mit Gästen, Freunden, Weggefährten und Mitarbeitern hatte er vorgehabt. „In den Jahren haben sich so viele private und berufliche Kontakte entwickelt, dass es schon schmerzt, dass wegen Corona keine richtige Abschiedsfeier stattfinden kann.“

Jetzt müsse er sich zunächst einmal neu erfinden und sich in seiner Wahlheimat einleben, berichtet Helms. Danach wolle er weitersehen, sich vielleicht einer örtlichen Jagdhornbläsergruppe anschließen, zur Jagd gehen und – dazu hatte er in der Vergangenheit nie Zeit – Reisen unternehmen.

Von Christel Niemann

Lothar Helms zieht sich nach 42 Jahren in den Ruhestand zurück.
Aktuell herrscht umzugsbedingtes Chaos im Saal und in der Gastwirtschaft, wo unzählige Veranstaltungen stattgefunden haben.

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