Mit Lakritz auf der Langstrecke unterwegs

Rethems Bürgermeister Cort-Brün Voige nimmt nach 15 Jahren Abschied

Ein Mann steht vor einem großen Fachwerkgebäude und lehnt sich auf ein Schild auf dem „Rathaus“ steht.
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Freut sich auf einen neuen Lebensabschnitt: Cort-Brün Voige hat morgen seinen letzten Arbeitstag als Hauptverwaltungsbeamter im Rathaus.

Zu seinem allerletzten Pressegespräch als Hauptverwaltungsbeamter hat Rethems scheidender Bürgermeister zwei kleine Zeitzeugnisse mitgebracht. Es sind Flyer, einer wurde 2006 und einer 2014 an die Haushalte in der Samtgemeinde verteilt. Auf beiden lächelt ein entsprechend jüngerer Cort-Brün Voige und wirbt um Stimmen bei der Wahl. Wer die beiden Bilder betrachtet, dem wird klar, dass 15 Jahre eine lange Zeit sind.

Rethem – „Eine spannende Zeit“, sagt der 58-Jährige, der am donnerstag im Rahmen einer Feier offiziell verabschiedet wird, der am Freitag seinen letzten Arbeitstag hat und der das Büro im Rathaus frei macht für seinen Nachfolger Björn Symank.

Voige, Christdemokrat aus Häuslingen, hatte 2006 einen knappen Überraschungssieg gegen den damaligen SPD-Kandidaten Peter Rabe feiern können. 2014 setzte er sich als Amtsinhaber gegen seine Konkurrentin Hannelore Hunter-Rossmann durch. Zur Wahl im September war er nicht erneut angetreten.

Über seinen neuen Job schweigt Voige

Er freue sich jetzt auf einen neuen Lebensabschnitt, berichtet Voige, der immer noch nicht erzählen möchte, wer ab kommenden Montag sein neuer Arbeitgeber sein wird. „Es ist zwar kein Geheimnis, aber es hat eben auch überhaupt nichts mit meinem Bürgermeisteramt zu tun.“ Nur so viel verrät er: „Ich werde in der Region im kaufmännischen Bereich arbeiten.“ Und zwar, das ist ihm wichtig: „Nicht mehr in der ersten Reihe und auf jeden Fall in Teilzeit.“ Die Lebensphase, in der bis zu 60-Wochenstunden in seine Arbeit investiert habe, sei jetzt vorbei. „Aber ich will mich nicht beschweren, wenn man ein solches Amt übernimmt, dann weiß man vorher, was auf einen zukommt. Und ich bin wirklich jeden Tag gerne ins Rathaus gekommen.“ Einer der Gründe dafür sei das „motivierte und starke Verwaltungsteam“ gewesen. Für den Rückhalt und die Unterstützung, insbesondere auch seiner jeweiligen Allgemeinen Vertreter, sei er äußerst dankbar.

Gemeinde steht finanziell jetzt besser da

Wer die Wahlversprechen Voiges in den alten Flyern liest, muss anerkennen: Es ist fast alles umgesetzt – trotz der Tatsache, dass Rethem nach wie vor eine der finanzschwächsten Gemeinden im Kreis ist. Aber auch da hat sich einiges getan seit 2006: Die Gesamtverschuldung ist von 7,5 auf 4,7 Millionen Euro gesunken, das Guthaben von 40 000 Euro auf drei Millionen gestiegen, die Steuern sind seit elf Jahren stabil geblieben. Zwischen 2006 und 2020 habe man, nicht zuletzt durch gezielte Ansiedlungen von Firmen, die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten um 43 Prozent steigern können, freut sich Voige.

Heute wisse er: „Bürgermeister – das ist kein Sprint, das ist Langstrecke.“ Als Beispiel nennt er das Samtgemeinde-Gemeinschaftsgefühl, das seiner Meinung nach noch ausbaufähig sei. „Das gemeinsame Wappen finde ich immer noch eine gute Sache. Es ist vielleicht nicht von essenzieller Wichtigkeit, aber: Es verbindet.“ Die Stärkung der Verbundenheit zwischen Dörfern und Stadt sei ein Prozess, den könne man nicht erzwingen. „Aber ich habe den Wunsch, dass das weitergelebt wird.“

Scheinbar unlösbare Aufgaben

Auch rate er dazu, weiterhin fleißig Fördermittel einzuwerben. „Da muss man auch mal kreativ werden“, sagt Voige. Herauszufinden, wie man trotz schlechter Rahmenbedingungen wichtige Aufgaben umsetzen kann – das sei in seiner 15-jährigen Amtszeit zu einer Art Steckenpferd für ihn geworden. „Als Bürgermeister bekommt man häufig Aufgaben, die scheinen erst einmal unlösbar. Aber wenn man dann doch Wege findet, macht der Job richtig Spaß.“

Rückblickend stellt er fest, dass ihm auch der repräsentative Teil seiner Arbeit – immerhin rund 100 Termine im Jahr – gut gefallen habe. „Wissen Sie, was mein absolutes Highlight war? Der jährliche Besuch der Grundschüler im Rathaus.“ Die Kinder hätten ihm die spannendsten Fragen gestellt und immer leuchtende Augen bekommen, wenn sie auch mal auf dem Bürgermeister-Chefsessel Platz nehmen durften.

Auch die repräsentative Seite machte Spaß

Schön seien auch die Besuche bei Ehejubiläen, hohen Geburtstagen oder bei Adventsfeiern für Senioren gewesen. „Da hat man dann den direkten Kontakt zu den Bürgern. Ich habe mit meiner Teilnahme an den Feiern den Menschen gerne meinen Respekt erwiesen.“ Aber, ganz ehrlich? Jetzt freue er sich darauf, auch mal einen Adventssonntag mit seiner eigenen Familie verbringen zu können.

Der Job habe ihn persönlich weitergebracht. Und genau deswegen falle ihm der Abschied nicht schwer. „Man geht ja nie ganz weg, man lässt immer irgendetwas zurück, und man nimmt immer auch irgendetwas mit.“ Außerdem wird Voige kommunalpolitisch nicht aus der Welt sein: Im Rat seines Heimatdorfes Häuslingen ist er weiterhin aktiv.

Seinem Nachfolger wünsche er „alles Gute, viel Freude und immer genügend Lakritz der Schublade.“

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