Heinrich Thies gelingt in seinem Buch eine Aufarbeitung mit Hermann Löns

„Mein Herz gib mir zurück“

Einen entspannten Abend erlebten die Gäste im Burghof, denen neue Ansichten des Dichter Hermann Löns geboten wurden.

Rethem - Nein, vom Sockel habe er Hermann Löns nicht stoßen wollen, so Heinrich Thies, Autor der kürzlich erschienenen Romanbiografie über den bekannten Heidedichter. „Mir geht es regelrecht um eine differenzierte Darstellung der Persönlichkeit dieser Figur, keineswegs um ein Runtermachen“, begründet er seine Veröffentlichung. Mit Gedichten und Liedern von Hermann Löns sei er groß geworden, in seinem Leben immer wieder über ihn gestolpert, so Thies weiter in der Einführung zu seiner Lesung im Rethemer Burghof, dessen Saal nahezu ausverkauft war.

„Mein Herz gib mir zurück“ lautet der Titel der Doppelbiobrafie, in der Heinrich Thies zwei Protagonisten in den Vordergrund stellt. Er will deutlich machen, dass Löns‘ zweite Ehefrau Lisa Hausmann keinen unerheblichen Anteil am Erfolg ihres Ehemannes hatte. Als eine der ersten Frauenrechtlerinnen habe sie zu Unrecht in dessen Schatten gestanden, so das Ergebnis der überaus umfangreichen Recherchen, die Thies‘ Roman zugrunde liegen. Eine Vielzahl von Briefen aus unterschiedlichen Archiven habe er gesichtet, Orte besucht, die für Hermann Löns bedeutsam waren und sogar den Neffen Ernst Löns und den Großneffen Klaus Löns habe er aufgesucht. „Diese Gespräche waren total hilfreich“, erinnert er sich.

Es sind zwei Handlungsstränge, die den Leser in zwei unterschiedliche Perspektiven führen. Zum Einen lässt er den Dichter selbst zu Wort kommen, den er aber nur am Rande die Idylle von Jagd und Natur beschreiben lässt. Viele Passagen in dem Roman lassen die Zerrissenheit von Hermann Löns‘ Persönlichkeitsstruktur erkennen, lassen sogar auf schwere Persönlichkeitsstörungen bis hin zu Psychosen schließen.

Zum anderen stellt er Lisa Löns und deren Perspektive in den Mittelpunkt des Geschehens. Dem Briefwechsel konnte Autor Heinrich Thies entnehmen, wie konfliktbeladen die Beziehung gewesen sein muss. In vielen Szenen des Romans, die durch Recherchen belegbar sind, macht Thies deutlich, dass sie trotz aller Schwierigkeiten bis drei Jahre vor seinem Tod mehr als nur eine Stütze war. „Er ist immer ein großes Kind gewesen und tut mir grenzenlos leid“, so ein Zitat von Lisa Löns nach einem Suizidversuch ihres Mannes und dem endgültigen Bruch im Jahre 1911.

Ergänzten sich bestens: Jonny Groffmann und Heinrich Thies.

Heinrich Thies las Passagen beider Perspektiven aus unterschiedlichen Lebensphasen der Protagonisten. Gekonnte Betonung, Gestik und Mimik des Autors verliehen den Dialogen absolute Authentizität und kennzeichneten über das Inhaltliche hinaus die Tragik um die Figur des Heidedichters. Er zitierte Gedichte, ließ das Publikum etliche Lieder mitsingen und bezog es somit in die Veranstaltung ein. Versehentlich stieß er ein Glas um, das in Scherben zerfällt. „Sie sehen, wie Herrmann Löns komme auch ich immer wieder in prekäre Situationen“, schmunzelte er. Einen nicht unerheblichen Anteil am Erfolg des Abends hatte der Musiker Jonny Groffmann. Einige der Lönsgedichte hatte er im Stil des aktuellen Liedermachergenres vertont und selbst vorgetragen. Aber auch mit Kompositionen aus Hermann Löns‘ Ära und Chopins Regenbogen-Prélude am Klavier vertiefte er die emotional positive Atmosphäre des Abends im Rethemer Burghof. - jh

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