Lesestunde mit Dieter Brause-Scilasko / Romanze auf dem Weihnachtsmarkt

Mit Mimi durch den Harz

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Mit den Zuhörern sprach der Autor am Beginn und Ende seiner Vorlesestunde über seine künstlerischen Tätigkeiten.

Rethem - Wer am Donnerstagabend adventliche Stimmung suchte, musste nicht unbedingt Helene Fischers Weihnachtsliedern im Fernsehen lauschen. In Rethem konnte man eine Art Kontrastprogramm zur großen TV-Show erleben: Dieter Brause-Scilasko bot eine gemütliche Lesestunde mit heiteren und besinnlichen Gedichten und Geschichten, stimmungsvoll vorgetragen im Gewölbe des Burghofs.

Der 77-jährige Künstler aus Cordingen ist den Rethemern nicht unbekannt. Allerdings nicht als Poet, sondern als Maler, der mit seiner Gruppe Transobjektiv bereits zweimal im Burghof ausstellte. Doch diesmal erlebten ihn die Besucher als eindrucksvollen Geschichtenerzähler, der seine Zuhörer mit seinen Gedichten zum Beispiel in die tief verschneiten Landschaften des Harzes entführte. Dort, im schönen Okertal, hatte er nach der Flucht aus Pommern 1945 einen großen Teil seiner Kindheit verbracht.

Wie er im Wald einen Christbaum abholzen wollte und sich dazu mit der Försteruniform seines Opas tarnte, wie seine Tante Mimi Opfer einer Schneeballschlacht wurde ... die Zuhörer amüsierte es.

Was man auch anstellte in jener Zeit im Harz: War Tante Mimi dabei, ging es garantiert schief. Bei der Schlittenfahrt gingen die Pferde durch, der Schlitten kippte um. Natürlich weil Mimi die Gäule erschreckt hatte.

Und Mimi war es auch, die diesen unverschämten Weihnachtsmann angeheuert hatte, der die weihnachtliche Festtafel regelrecht plünderte, Schnaps und Bier in Mengen vertilgte und dann auch noch 50 Mark für seine Dienstleistungen wollte, bevor er sich schließlich schwankend aus dem Haus machte. Auch die Sache mit der Kuckucksuhr aus Gernrode, die sich Mimi so sehr gewünscht hatte, ging natürlich genauso daneben, wie die Anschaffung einer Palme als alternativer Christbaum.

Es durfte also herzlich gelacht werden. Aber der Poet aus Cordingen hatte auch andere Geschichten mitgebracht, eine anrührende Liebesgeschichte zum Beispiel: Es war nur eine kurze Romanze nach einer Begegnung auf dem Weihnachtsmarkt, denn nach einem gemeinsam verbrachten Abend war die Schöne wieder aus dem Leben des Autors verschwunden. Erst 15 Jahre später konnte er ihre Adresse ausfindig machen. Dort traf er auf eine Familie, Mann, Frau und Kind, aber nicht auf die Frau seiner Träume. Oder doch? Sie war es, er hatte sie nur nicht erkannt. Eine bittere Erkenntnis, aber dann nahm er sich vor: „Ich werde mal wieder auf einen Weihnachtsmarkt gehen!“

Nachdenklich zurück ließ der Autor seine Zuhörer auch mit einer anderen Geschichte, die von den Träumen der Kindheit und den der Menschen im gesetzteren Alter handelte. Satirische Anmerkungen über die seltsame Hektik der Weihnachtszeit rundeten die Lesestunde ab.

Pünktlich nach 60 Minuten verabschiedete sich Dieter Brause-Scilasko von den Zuhörern und entließ sie in den regnerischen Abend mit seinen frühlingshaften Temperaturen. Dann doch lieber mit Mimi und dem Pferdegespann durch den verschneiten Harz.

fra

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