Ferienspaß in Eilte / Kinder genießen Vormittag auf dem Biohof

Lernen im Vorbeigehen

Rote Bete, frisch geerntet, färbt Zunge und Zähne. Josefine findet's lustig.

Greta beißt mutig zu – und verzieht sofort das Gesicht. Rote Bete, das weiß sie nun, braucht sie nicht auf ihrem Speiseplan. Es bleibt nicht die einzige Erkenntnis, mit der sie, Lukas, Emma, Johannes, Max, Mara und Josefine am Mittag nach Hause gehen. So ein Ferienspaß-Vormittag auf dem Biohof Eilte ist eben lehrreich, selbst für Kinder, die auf dem Lande aufwachsen.

Eilte - Kälber streicheln, Hühnerstall ausmisten, Gemüse ernten und probieren und schließlich noch die Milchkühe in ihrem Stall besuchen: allerhand Programm, das Agrarwissenschaftlerin Julia Betteldorf da für die Acht- bis Zehnjährigen vorbereitet hat. Doch der quirligen Truppe macht es sichtlich Spaß. Wissen eignen sich die Mädchen und Jungen buchstäblich im Vorbeigehen an.

Zum Beispiel, als Julia Betteldorf an einem merkwürdig anmutenden Gefährt stehen bleibt und die Kinder raten lässt, was es damit auf sich hat. Schließlich kommt die Auflösung: Das Vehikel mit den Liegen, angetrieben per Solarenergie, wird benutzt, um auf den Zwiebelfeldern das Unkraut zu zupfen. Zu sechst, auf dem Bauch liegend, rückt man dem unerwünschten Kraut auf dem „Jäte-Flieger“ zuleibe. „Wir wollen kein Gift spritzen“, erklärt Julia Betteldorf den Kindern das mühsame Verfahren.

Der Garten als Ort der Begegnung

Die junge Frau, das ist nicht zu übersehen, ist Biolandwirtin mit Leib und Seele. Was es bedeutet, Tiere zu halten, zu ernten, was man von eigener Hand gesät hat, und die Produkte weiter zu verarbeiten. Das möchte sie auch anderen vermitteln. So wie gestern bei der Aktion des Rethemer Ferienprogramms. Oder so wie beim „Feierabendgarten“.

Auf halben Wege zwischen Hof und dem Kuhstall, gegenüber vom Eilter Dorfgemeinschaftshaus, hat Julia Betteldorf in diesem Jahr ein kleines Stück Land von einem Acker abgezwackt und einen Garten vorrangig mit Nutzpflanzen, aber auch mit Blumen angelegt.

Die Erzeugnisse sollen zur Selbstversorgung der Menschen beitragen, die auf dem Hof leben und arbeiten. Darüber hinaus bietet die 27-jährige Bauernhofpädagogin hier Kindern und Erwachsenen die Möglichkeiten, Natur und ökologische Landwirtschaft mit allen Sinnen zu erfahren.

„Einen Mehrwert schaffen“, beschreibt Julia Betteldorf ihre Motivation, mit der sie Kindern frisches Gemüse schmackhaft machen und die Neugier darauf wecken möchte, es selber anzubauen – unter ökologischen Gesichtspunkten.  Ganz wichtig dabei: sich dabei richtig die Hände dreckig zu machen.

Als sogenannte Jahresgruppen treffen sich Kinder regelmäßig auf dem Stück Land. Und immer dienstags, ab 16.30 Uhr, kommen hier Erwachsene für rund drei Stunden im Rahmen des „Feierabendgartens“ zusammen. Gemeinsam jäten, ernten, pflanzen, wässern sie.

Wer dazu mal keine Lust hat, darf entspannen, den anderen bei der Arbeit zusehen – und am Ende trotzdem etwas von der Ernte mit nach Hause nehmen. Schließlich, so Julia Betteldorf, soll ja der Genussfaktor nicht zu kurz kommen. Und auch die Geselligkeit ist wichtig. Darum beginnt jedes Treffen auch erst mal mit einem Kaffeeklatsch.

Wer mitmachen möchte, zahlt 15 Euro pro Termin – den Gegenwert gibt's in Form von Biogemüse. Vorkenntnisse sind nicht nötig, Gartengeräte werden gestellt. Und: „Niemand muss etwas vorbereiten“, betont die 27-Jährige. „Ich habe meistens einen Plan“, fügt sie lächelnd hinzu.

Den hat sie mittelfristig auch in Bezug auf die Verwendung des Gartens. „Meine Idee ist es, dass er auch gemietet werden kann“, berichtet Julia Betteldorf. Yoga-Kurse kann sie sich dort ebenso vorstellen wie Lesungen oder andere kulturelle Veranstaltungen.

Der Garten als Begegnungsstätte – bei den Kindern an diesem Vormittag findet die Idee auf jeden Fall Anklang. Atemlos berichten sie von der brütenden Henne, dem geborgten Hahn und von dem kleinen Wasserbüffel-Kälbchen, dessen Schlafplätze sie mit Stroh gepolstert haben. „Kälber möchten's auch gemütlich haben, wie wir Menschen“, weiß Greta jetzt und beißt kräftig von ihrer Karotte ab. Die schmeckt ihr einfach besser als die Rote Bete.

Weitere Informationen

unter www.biohof-zum-mitmachen.de und unter www.biohof-eilte.de.

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