Früherer Rethemer Stadtschreiber Wilhelm Steffens ist gestorben

Ein Leben für Kunst und Kultur

Ein Leben für Kunst und Kultur: Wilhelm Steffens. - Foto: Fred Raczkowski

Rethem/Stellichte - Er war Theatermann, Schriftsteller, Zeitungskolumnist und unermüdlich damit beschäftigt, auch auf dem Land Platz für Kunst und Kultur zu schaffen: Zwei Monate nach seinem 80 Geburtstag ist der frühere Rethemer Stadtschreiber Wilhelm Steffens am Dienstag gestorben.

Dass der Krebs ihm nicht mehr viel Zeit lassen würde, wusste er schon seit einiger Zeit. Mit viel Glück könne er noch seinen 80 Geburtstag feiern, sagten die Ärzte. Im April wurde tatsächlich gefeiert, im schönen Stellichter Haus, das er zusammen mit seiner Lebensgefährtin Inge Lorenz bewohnte. Beide sahen in dieser Beziehung ein spätes Glück, ein großes Geschenk. Aber auch sie war schwer krank: „Wenn wir frühstücken, sitzt bei uns der Tod mit am Tisch“, sagte Wilhelm Steffens, in einem der letzten Interviews mit der VAZ. Inge Lorenz starb eine Woche nach dieser Geburtstagsfeier.

Der gebürtige Rethemer Wilhelm Steffens hat sich in seinem Leben auf sehr vielfältige Art für Kunst und Kultur engagiert. Dazu gehört die Zeit als Dramaturg am Theater. Tochter Anna trat hier in seine Fußstapfen und wurde Schauspielerin, zurzeit Ensemblemitglied am Staatstheater in Mainz.

An seinem Heimatort Rethem wirkte Steffens später viele Jahre als Schriftsteller und holte eine ganze Reihe kultureller Veranstaltungen an die Aller. Die Gründung der Schriftsteller-Gruppe „Poesie und Alltag“ vor 25 Jahren gehört ebenfalls dazu.

Die Stadt Rethem würdigte sein Wirken mit der Verleihung der Londy-Medaille.

Als ehrenamtlicher Rethemer Stadtschreiber griff er mit spitzer Feder in einer Kolumne für die Verdener Aller-Zeitung auch Missstände auf und machte sich damit nicht nur Freunde in der Allerstadt. Unermüdlich kämpfte der Mann des geschriebenen Wortes für eine Heimstätte der Kultur und war damit auch so etwas wie der geistige Vater des Rethemer Burghofs.

Gespräche mit diesem klugen und gebildeten Mann waren stets bereichernde Momente. Sein Humor gehörte auch dazu. Auf die Frage, warum er denn zum katholischen Glauben konvertiert sei, meinte er vor ein paar Jahren trocken: „Ich will eben das volle Programm“. Und zog schmunzelnd an seiner Pfeife.

Mit dem Tod von Wilhelm Steffens hat sich ein gelungenes Leben vollendet. Sein Glaube habe ihm in den letzten Monaten besonders geholfen, sagte er bei einem unserer letzten Gespräche. Vor allem ein Zitat des katholischen Theologen Karl Rahner gab ihm immer wieder Kraft: „Glauben heißt, die Unbegreiflichkeit Gottes ein Leben lang auszuhalten“. 

fra

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