Kunstherzpatienten und Klinik-Team laufen gemeinsam in Braunschweig

Unglaubliche 15 Kilometer

+
Das Team Pulslos-Leben und die „Herzschnucken“.

Bad Fallingbostel - Es war der sechste 24-Stunden-Lauf des TSV Rüningen im Süden Braunschweigs. Von Sonnabend bis Sonntag, jeweils 15 Uhr, rannten rund 250 Einzelstarter und neun Teams für Ruhm, Medaillen und ihre persönliche Bestzeit unermüdlich im Kreis. Eine Runde hatte ein Länge von einem Kilometer.

Während andere Aktive immer wieder die Zielgerade passieren, läuft Jörg Böckelmann vom Team „Pulslos-Leben“ langsam aus und hält nach der ersten Runde am Streckenrand inne, gerührt vom eigenen Erfolg. „Nach der Implantation hatte ich mit vier Treppenstufen angefangen, jetzt sind es 1000 Meter am Stück“, stellt er stolz fest. Böckelmann ist Kunstherzpatient an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH).

Eine kleine Pumpe lässt das Blut in seinem Körper zirkulieren, bewirkt weder Puls noch Herzschlag. Somit sind Aktionen mit gesteigerter Herzfrequenz wie Laufen oder anderweitige Sportarten für die Nutzer der Herz unterstützenden Systeme eine besondere Herausforderung.

In Böckelmanns Leben änderte sich vor rund dreieinhalb Jahren alles: Ohne Vorerkrankungen erlitt der Mittfünfziger aus Bockenem einen Herzstillstand. Seine Frau Heidi erinnert sich lebhaft an den Vorfall – sie war es, die ihrem Mann mit Sofortmaßnahmen das Leben rettete. Jörg Böckelmann ist Krankenpfleger. Nach Aufenthalten in Notfallkliniken und einer Reha-Kur fand er zur MHH, wo er mit dem Kunstherz eine Chance auf ein neues Leben erhielt. Zwei Monate nach der Implantation kehrte er in den Beruf zurück.

Zu den rund 230 Kunstherzpatienten der MHH gehört auch Journalist Peter Schenkel, der vorher in der Klinik Fallingbostel behandelt worden war. Am Wochenende nahm er sein persönliches Tagesziel in Angriff: den Drittelmarathon von 14 Kilometern, aktueller Rekord eines anderen Patienten. Schenkels eigenes Herz weise nur noch 15 Prozent seiner Leistung auf und sei seit längerer Zeit krank gewesen, erzählt er.

Das Kunstherz unterstützt die Eigenfunktionen seit rund zweieinhalb Jahren, in den vergangenen 14 Tagen ging es für Schenkel und das „Pulslos-Leben“-Team aus Ärzten, Schwestern, Patienten und Co. an die Ostsee ins Trainingslager. „Wir haben immer einen Tag Kraft- und einen Tag Ausdauertraining gemacht“, berichtet Schenkel, der im Januar noch als High-Emergency-Patient gelistet war.

„Das Herz ist das allerwichtigste Organ“, sagt Kunstherzkoordinatorin Katharina Homann von der MHH. Sie weiß um die Wichtigkeit, Menschen mit dem Thema Organspende in Berührung zu bringen.

„Wir haben auch Kinder bei uns liegen“, berichtet Homann, die mit ihrem Mann auf die Idee kam, gemeinsam mit den Kunstherzpatienten am 24-Stunden-Lauf teilzunehmen. Auch die „Fallingbosteler Herzschnucken“ waren beim Lauf am Start, wenn auch ohne Kunstherzpatient Ulrich Brammer.

Im „Pulslos-Leben“-Zelt informierte das Team über die Systeme und ihre Funktionsweise. Organspendeausweise lagen zum Mitnehmen bereit. Draußen gaben Jörg Böckelmann und Peter Schenkel alles, letzterer erreichte in 24 Stunden schließlich 15 Kilometer. „Wir wollen den Menschen zeigen: Da geht noch was“, betonte Böckelmann. Aufgeben sei für die Kunstherzpatienten nicht drin. „Wir sind zwar pulslos, aber nicht herzlos.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Bilder: Deutsche Frauen holen Sieg gegen Italien

Bilder: Deutsche Frauen holen Sieg gegen Italien

Eskalation: Palästinenser brechen Kontakte zu Israel ab

Eskalation: Palästinenser brechen Kontakte zu Israel ab

DFB-Frauen auf Kurs EM-Viertelfinale: 2:1 gegen Italien

DFB-Frauen auf Kurs EM-Viertelfinale: 2:1 gegen Italien

Tritt Prinz George in die Fußstapfen seines Vaters? 

Tritt Prinz George in die Fußstapfen seines Vaters? 

Meistgelesene Artikel

Der erste Alpaka-Nachwuchs in Kirchwahlingen

Der erste Alpaka-Nachwuchs in Kirchwahlingen

Lischke: „Wir müssen einfach in anderen Formaten denken“

Lischke: „Wir müssen einfach in anderen Formaten denken“

Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries im Gespräch mit dem Mittelstand

Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries im Gespräch mit dem Mittelstand

Autofahrer stirbt nach Kollision mit Baum

Autofahrer stirbt nach Kollision mit Baum

Kommentare