Auf Hausbesuch bei Samtgemeindebürgermeister-Kandidatin für Rethem Dr. Kathrin Wrobel

Kind vom Land mit Blick für die Weite

Eine Frau lächelt in die Kamera, während sie mit den Händen in einem Tomatenstrauch rot leuchtende Früchte zeigt.
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Zu den neun Tomatensorten, die bei Kathrin Wrobel im Gewächshaus reifen, zählt auch die große „Tres Cantos“. Deren Samen bringt sich die Häuslingerin aus Spanien mit.

Häuslingen – Der Weg zu Kathrin Wrobel führt über den Garten. Das ist sowohl im übertragenen Sinne als auch wortwörtlich zu verstehen.Die Häuslingerin spricht nicht nur gerne und mit großer Leidenschaft über das kleine Paradies, das sie rund um ihr Elternhaus geschaffen hat. Wer auf die große Terrasse möchte, kommt unweigerlich an Walnussbaum und Gewächshaus vorbei, in dem neben Gurken gleich neun verschiedene Tomatensorten reifen. Dessen Blick fällt auf die Sonnenblumen, die in diesem Jahr stattliche Höhen von drei Metern und mehr erreicht haben. Der erfreut sich an den vielen Bienen, die sich am Nektar der Cosmea und anderer Blumen gütlich halten, ehe er beim Gang über den frischgemähten, dichten Rasen, vorbei an Gemüsebeeten und Apfelbäumen, sein Ziel erreicht.

„Mein Schatzkästlein“ nennt Kathrin Wrobel das Kleinod liebevoll und gibt zu, dass der Winter für sie „eine schreckliche Zeit“ sei. Denn dann gibt es nichts zu jäten, zu harken, zu pflücken. Nicht, dass die 48-Jährige ihre Rasenkanten mit der Nagelschere trimmt. Dass sie viel Zeit im Garten verbringt, ist keiner Pingeligkeit geschuldet. Es ist ein Ort der Entspannung, an dem den Großteil des Jahres über etwas blüht oder zu ernten ist. Nur die Blaubeeren, von der Samtgemeindebürgermeister-Kandidatin zu Marmelade eingekocht und in kleine Gläschen mit ihrem Konterfei abgefüllt, die stammen von einer nahegelegenen Plantage.

Aber um den Wahlkampf, die öffentliche Person Dr. Kathrin Wrobel soll es bei dem Gespräch mit der Presse ja gar nicht gehen. Im Zentrum steht dieses Mal der Privatmensch. Und der hat an diesem Vormittag viel zu erzählen.

Zweite Heimat bei Valencia

Schnell wird dabei klar: Kathrin Wrobel ist ein Kind vom Lande, durch und durch, aber eines, das oft über den Tellerrand hinaus und in die Weite blickt. Beispielsweise Richtung Spanien. Dort, in der Nähe von Valencia, besitzt die Familie seit vielen Jahren ein kleines Haus. „Das ist unsere zweite Heimat“, sagt Kathrin Wrobel mit Sehnsucht in der Stimme.

Wegen Corona war sie lange nicht mehr da, konnte weder das milde Klima an der Orangenblütenküste und die frische mediterrane Küche noch die offene Art der Einheimischen genießen. „Was die Lebensfreude angeht, die können sich die Deutschen von den Spaniern abgucken“, findet sie.

Mit dem oft abwertend gemeinten „Landei“ jedenfalls hat die promovierte Juristin, Schützin und Jägerin nichts gemein. Wobei man sich fragen muss, ob der tumbe Mensch vom Dorf nicht ohnehin nur in den Köpfen arroganter Städter existiert.

„Ich kann auch ‘ne Kuh melken“

Geboren wurde Kathrin Wrobel 1973 in Walsrode und wuchs als die jüngere von zwei Töchtern in Häuslingen auf. Ein Leben wie in Bullerbü, mit Kindern, die im Rudel unterwegs sind, Trecker fahren und auch mal bei der Ernte helfen. „Ich kann auch ‘ne Kuh melken“, fügt sie hinzu.

Gleichwohl sei sie „streng preußisch“ erzogen worden, betont Kathrin Wrobel. Dass sie anderen Menschen überlegt begegne, mit Respekt und Diplomatie, das sei ein Ergebnis dieser Erziehung, meint sie. Genauso wie das „dienen wollen“, wie sie es nennt. Für Kathrin Wrobel, 15 Jahre Bürgermeisterin von Häuslingen, ist es eine einfache Rechnung. „Ich bin gratis zur Schule gegangen. Ich habe gratis studiert.“ Das zeitintensive Ehrenamt ist nun ihre Art, etwas zurückzugeben. Dass es ein politisches Engagement wurde, dazu gab die Mutter Marie-Luise den Anstoß, die auch schon im Häuslinger Gemeinderat aktiv war.

Nach dem Abitur zog es Kathrin Wrobel zunächst nach Berlin, zum Medizinstudium an der berühmten Charité. „Es sollte ‘ne gute Uni sein“, begründet sie den Sprung von der Provinz ins pulsierende Hauptstadtleben.

Beim Kontakt zu sterbenskranken Patienten merkte die junge Frau aber früh, dass ihr innerlich die Distanz fehlte. „Wenn das nix für dich ist, pack deine Sachen und komm nach Hause“, zitiert Kathrin Wrobel ihren Vater Ewald. Die Tochter nahm den Rat an, allerdings nur, um alsbald ein Jurastudium aufzunehmen. Zunächst in Tübingen, dann in Osnabrück, wo Europarecht einen Schwerpunkt bildete.

Der Vater war es, der sich für seine Tochter eine akademische Laufbahn wünschte. Die hätte sich in jungen Jahren ebenso vorstellen können, Papas Elektro-Betrieb samt Ladengeschäft zu übernehmen. Schließlich war sie ja, wenn es zeitlich passte, oft dabei, wenn Ewald Wrobel zu Kunden fuhr. Im Grunde fehle ihr für den Gesellenbrief nur die Berufsschule, scherzt sie.

Geblieben ist ihr aus dieser Zeit das handwerkliche Geschick. Davon zeugen das gläserne Gewächshaus, in dem die Tomaten reifen, und die Terrassenüberdachung. Beides habe sie selber aufgebaut und zusammengeschraubt, berichtet sie stolz.

Starke familiäre Bande

Ebenfalls erhalten hat sich die große Verbundenheit der 48-Jährigen zu ihren Lieben. Der Tod des Vaters vor knapp zwei Jahren – „eine Zäsur“ – habe sie, die Mutter Marie-Luise und Schwester Charlotte noch ein Stück mehr zusammengeschweißt, sagt sie. Stehen die drei Frauen nebeneinander, meint man, die starken familiären Bande fast sehen zu können.

Ihr Vater hätte sich nach der Geburt der ersten Tochter auch sehr über einen Sohn gefreut. „Felix“ hätte er heißen sollen. Stattdessen rief Ewald Wrobel dann und wann Tochter Kathrin so. „Felix“, das bedeutet „der Glückliche“. Und immerhin das hat sich bewahrheitet. Kathrin Wrobel schaut sich um und stellt fest: „Mir gefällt mein Leben so, wie es ist.“

Von Katrin Preuss

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