„Jeder Baum ist anders“

Sven Neumann erstellt ein Baumkataster für die Samtgemeinde Rethem

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Sven Neumann begutachtet einen Baum und kennzeichnet ihn für alle Nutzer des Katasters. 

Rethem - Der Blick wandert über die große Linde vor dem Rethemer Rathaus. Sieht der Baum vital aus? Sven Neumann schätzt die Höhe auf etwa 19 Meter. Die Kronenbreite erfasst der Nienburger mit langen Schritten und Augenmaß. Neumann ist gelernter Forstwirt und hat eine Weiterbildung zum zertifizierten Baumkontrolleur absolviert.

Der 39-Jährige ist seit Sommer für die Samtgemeinde Rethem tätig. Er erstellt und führt für diese das Baumkataster und kontrolliert die Pflanzen auf ihre Verkehrssicherheit. Außerdem ist er als Friedhofswart tätig. „Der Beruf des Forstwirtes modernisiert sich“, sagt Neumann. „Nach 16 Jahren wollte ich was anderes machen, als nur noch auf Maschinen sitzen.“ Schreibtischarbeit gibt es für den Experten übrigens nicht. Er ist bei Wind und Wetter draußen unterwegs.

„Jeder Baum ist anders“, spricht er über seine Motivation. Es sei ein interessantes Aufgabenfeld, in dem man viel lernen könne. „Ich hätte nicht gedacht, dass man über Bäume so viele Sachen erfährt, die ich vorher nicht gewusst habe. Bisher habe ich gewirtschaftet. Jetzt soll der Baum stehen bleiben.“

Die Kontrolle Neumanns erfolgt grundsätzlich vom Boden aus. Eine Leiter darf er nicht benutzen. Eingehendere Untersuchungen müssen von anderen Fachleuten durchgeführt werden.

Neumann wirft bei der Beurteilung zunächst einen Blick auf die Krone und guckt, ob Totholz oder eine Schädigung zu erkennen ist. Weiter beurteilt er anhand des gesamten Erscheinungsbildes die Vitalität. „Hat der Baum viele Äste?“, nennt der Kontrolleur ein Kriterium und notiert am Ende ein Gut, Mittel, Schlecht oder Abgängig. Weiterhin stellt er die Alterungsphase fest.

Ein spezielles Touchpad dient dazu, den beobachteten Zustand der Bäume in der Samtgemeinde festzuhalten.

Stamm und Wurzelbereich untersucht er auf Beschädigungen und Risse, die Wurzeln zusätzlich auf Pilzbefall. Erst in der Weiterbildung habe er gelernt, wie gefährlich beispielsweise der Hallimasch wirklich ist, so Neumann. Auch das Baumumfeld wird in die Beurteilung mit einbezogen. Das Wurzelwachstum könne beispielsweise durch nahe Bebauung beeinträchtigt werden. Sogenannte Stamm- und Wurzel-austriebe nimmt Sven Neumann außerdem mit auf. Denn diese müssen entfernt werden.

Auch gegebenenfalls notwendige Maßnahmen notiert Neumann. Hier kann er die Dringlichkeit von „sofort“ bis „normal“ hinterlegen. Zum Schluss legt er ein Kontrollintervall für jeden einzelnen Baum fest. Dieses kann ein Jahr oder auch drei betragen. Nach einem Sturm oder Schneefall fahre er zusammen mit dem Bauhof bestimmte Bereiche zusätzlich noch einmal ab, um in den Kronen nach Bruch zu gucken, erzählt der Fachmann.

In sein spezielles Touchpad trägt Neumann seine Beobachtungen ein. Und zwar für alle Bäume der Samtgemeinde. Vorrangig erfasst der Fachmann die Exemplare in sogenannten Gefährdungsbereichen, zum Beispiel an Schulen, Kindergärten oder in Parks.

Rathaus-Linde heißt Re001

„Ich suche mir jeweils einen Streckenabschnitt aus, an dem ich anfange“, beschreibt Neumann seinen Arbeitstag. In diesem gehe er Baum für Baum ab und kennzeichne ihn digital. Jeder erhalte ein Buchstabenkürzel für die Ortschaft und eine Nummer. Die Rathaus-Linde heißt zum Beispiel Re001. Sie ist der erste in Rethem erfasste Baum.

Ist das Exemplar komplett aufgenommen und kontrolliert, erscheint es grün auf dem Bildschirm. Ist es noch rot, bedeutet es, dass der Baum lediglich gekennzeichnet wurde.

Die Lindenallee in Bosse hat sich Neumann bereits angesehen. „Dort sind nicht allzu viele zum Fällen freigegeben“, sagt der Fachmann. Er bittet darum, informiert zu werden, bevor irgendjemand an einem Baum herumschneidet oder ihn sogar fällt. „Ich verlasse mich darauf, dass der Baum so da steht, wie von mir eingetragen.“ Auf Privatgrundstücken führe er grundsätzlich keine Kontrollen durch, betont Neumann.

Wer Fragen zu einem bestimmten Baum hat, sollte sich an das Bauamt im Rathaus wenden. Dieses vermittelt den Kontakt zum Baumkontrolleur. 

sal

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