Franziska Ziegler und Stefanie Ruschke retten in Hedern 230 Amphibien das Leben

Im „Krötentaxi“ sicher über die Straße

Der Nabu Heidekreis ist Franziska Ziegler (r.) und Stefanie Ruschke überaus dankbar für ihren ehrenamtlichen Einsatz.
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Der Nabu Heidekreis ist Franziska Ziegler (r.) und Stefanie Ruschke überaus dankbar für ihren ehrenamtlichen Einsatz.

Rund 230 Amphibien haben ihr Leben zwei jungen Frauen zu verdanken. Franziska Ziegler aus Hedern und Stefanie Ruschke aus Rethem stellten entlang der L 157 einen rund 300 Meter langen Krötenfangzaun auf und kontrollierten diesen über fünf Wochen hinweg zweimal täglich. Mit ihrer Hilfe kamen die Tiere sicher zum Laichen auf die andere Straßenseite.

Hedern – Wenn die Temperaturen im Spätwinter über den Gefrierpunkt steigen, der Boden langsam auftaut und sich die Luft in der Nacht auf mindestens 5 Grad Celsius erwärmt, wachen Kröten, Frösche, Unken, Molche und andere Lurcharten aus ihrer Winterruhe auf und kommen in Hochzeitsstimmung. Die nächtlichen Wanderungen von den Überwinterungsquartieren zu den Fortpflanzungsgewässern liegen je nach Artzugehörigkeit zwischen März und Mai und erstrecken sich in Abhängigkeit von den Witterungsbedingungen über einen Zeitraum von mehreren Wochen.

„Dieses spektakuläre Naturschauspiel ist jedoch vielerorts mit hohen Verlusten durch den stetig wachsenden Autoverkehr verbunden“, so Dr. Antje Oldenburg, Pressesprecherin des Naturschutzbundes (Nabu) Heidekreis, in einer Mitteilung. Alljährlich fielen Hundertausende von Amphibien dem Kraftverkehr zum Opfer, so die Expertin.

Als im Februar die ersten zerquetschten Kröten auf der L 157 lagen, wollte Franziska Ziegler aus Hedern dem sinnlosen Leiden nicht mehr länger tatenlos zusehen. Sie beschloss, gemeinsam mit ihrer Freundin Stefanie Ruschke aus Rethem die wandernden Tiere vor dem Verkehrstod zu retten. Gemeinsam mit einigen Aktiven des Nabu Heidekreis wurde am ersten März-Wochenende ein 300 Meter langer Krötenfangzaun zwischen Hedern und Rethem auf der südlichen Straßenseite aufgebaut. Über einen Zeitraum von fünf Wochen kontrollierten ihn die beiden jungen Frauen dann jeden Tag in den frühen Morgen- und Abendstunden. „In der Regel sind wir morgens um 7 Uhr und abends um 8 Uhr am Zaun entlang gegangen, haben im Gras verborgene Pärchen und Einzeltiere eingesammelt und sie gemeinsam mit den in die versenkten Eimer hineingefallenen Erdkröten auf die andere Straßenseite hinübergetragen“, beschreibt die Hedernerin ihren Rettungseinsatz.

An Spitzentagen bis zu 60 Tiere übergesetzt

An den beiden Spitzentagen am 25. und 26. März, an denen jeweils rund 60 Erdkröten die Gefahrenstelle per „Krötentaxi“ sicher passieren konnten, kam ein weiterer Kontrollgang um 23 Uhr hinzu, damit die Tiere nicht stundenlang übereinandergestapelt in den Eimern ausharren mussten. Insgesamt ermöglichten die beiden engagierten Helferinnen es 230 Erdkröten, ihre Wanderung zu den zwischen Straße und Deich liegenden Laichgewässern unbeschadet fortzusetzen.

„Wir haben uns sehr über das bürgerschaftliche Engagement gefreut und bedanken uns herzlich für diesen tollen Einsatz“, so Antje Oldenburg. Auch wenn Erdkröten zu den wenigen Amphibienarten gehörten, die in Niedersachsen derzeit nicht auf der Roten Liste stehen, könne der Weg zu dem Laichgewässer für bis zu 90 Prozent einer Population auf der Straße enden. Damit sei der Autoverkehr – neben dem Verschwinden von Tümpeln, Weihern und Kolken und dem durch Überdüngung und Verschmutzung bedingten schlechten Erhaltungszustand der verbliebenen Laichgewässer – eine wesentliche Gefahrenquelle für die im Wasser und auf dem Land lebenden Tiere. Bundesweit begegne man dieser Gefahr durch das Aufstellen von Amphibienschutzzäunen.

Wer in der nächsten Amphibienwandersaison beim „Krötentaxi Hedern“ oder bei einer Müllsammelaktion in der näheren Umgebung mithelfen möchte, wird gebeten, sich telefonisch bei Franziska Ziegler zu melden, 0151/19625061.

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