Unterschiedliche Auffassungen zur Ursache

Hohe Nitratwerte in Privat-Brunnen

Harald Gülzow (l.) nimmt eine Wasserprobe von einer Brunnennutzerin entgegen. Foto: Lennart Hoster; VSR-Gewässerschutz
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Harald Gülzow (l.) nimmt eine Wasserprobe von einer Brunnennutzerin entgegen.

Rethem – Der Verein VSR-Gewässerschutz hat mehreren Bürgern in der Samtgemeinde Rethem mitgeteilt, dass ihr Brunnenwasser zu viel Nitrat enthält. Die Menschen hatten im Oktober Proben an einem Informationsstand in Rethem abgegeben. Insgesamt wurde das Wasser von 39 privat genutzten Brunnen aus dem Raum Rethem bis Böhme analysiert. Bei sechs Proben wurde der Grenzwert der deutschen Trinkwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter überschritten. Der VSR-Gewässerschutz sieht einen Grund für die hohen Belastungen in der die intensiven Landwirtschaft. Vertreter der Bauern aus dem hiesigen Bereich sehen allerdings die Einzelproben aus Privatgärten als nicht aussagekräftig an.

„Die bisherigen Düngeverordnungen ermöglichten der Agrarindustrie zu wachsen und ihre landwirtschaftlichen Flächen auf Kosten der Umwelt zu überdüngen“, so Susanne Bareiß-Gülzow, Vorsitzende im VSR-Gewässerschutz.

Projektleiter Diplom-Physiker Harald Gülzow fand bei den Untersuchungen 95 Milligramm Nitrat pro Liter in einem privat genutzten Brunnen in Rethem. Weitere mit Nitraten verschmutzte Brunnen stellte der Umweltschützer in Bierde mit 89 Milligramm pro Liter (mg/l), Altenwahlingen mit 64 mg/l, Stöcken mit 73 mg/l, Häuslingen mit 64 mg/l und in Südkampen mit 56 mg/l fest.

Am Informationsstand und bei der telefonischen Beratung hätten sich viele Brunnenbesitzer über die Nitratbelastungen der Region wütend gezeigt, so die Pressemitteilung des Vereins. Ärgerlich sei insbesondere, dass das Wasser nicht zum Befüllen von Gartenteichen geeignet sei. „Es besteht die Gefahr, dass es zur Massenvermehrung von Algen kommt. Abgestorbene Pflanzen können anschließend zu Fischsterben führen.“

Auch beim Gießen des selbst angebauten Gemüses sollte das Brunnenwasser nicht zu einer Nitratanreicherung führen. Brunnenbesitzer könnten eine Anreicherung vermeiden, wenn sie die Nitratbelastung des Brunnenwassers in die Düngeberechnung einbezögen. Hierfür ist es dringend nötig, die Nitratkonzentration im Brunnenwasser zu kennen.

Die gemeinnützige Umweltschutzorganisation hat unter https://www.vsr- gewässerschutz.de/ viele Tipps rund um das Thema Brunnenwasser zusammengestellt.

Eine regionale Vermarktung stelle der VSR zufolge für bäuerliche Betriebe eine gute Chance dar, wieder stärker die Lebensmittelqualität und eine umweltverträgliche Landwirtschaft in den Vordergrund zu stellen. Der VSR-Gewässerschutz ruft alle Menschen auf, bewusster einzukaufen und Einfluss darauf zu nehmen, wie die Landwirtschaft aussieht.

Jochen Oestmann, Vorsitzender des Landvolk-Kreisverbandes Lüneburger Heide, sieht die Messergebnisse als wenig aussagekräftig an. „Eine Frage, die sich stellt ist: Wo befinden sich die Brunnen?“ Gebe es direkt daneben einen Komposthaufen, sei schnell relativ viel Nitrat nachweisbar. Das NLWKN habe zur Probenentnahme Anweisungen auf 16 Seiten vorgegeben. Unter anderem müssten Proben in sterilisierte Flaschen gezogen werden. Das alles werde von den privaten Brunnenbesitzern nicht gefordert. Weiteren Einfluss auf den Nitratgehalt habe die Niederschlagsmenge. Wenn es nach längerer Trockenheit wieder regne, gebe es höhere Nitratwerte, da im Boden mineralisierter Stickstoff ausgewaschen werde. Grundsätzlich sei es wichtig, zu wissen, wie tief die privaten Brunnen seien. So gebe es zum Beispiel zwei Grundwasserleiter in Rethem. „Ich finde es zum jetzigen Zeitpunkt denkbar schlecht, wenn Stimmungsmache betrieben wird“, so Oestmann. „Das ist nicht seriös.“

Ähnlich äußerte sich auf Nachfrage Heinrich von der Kammer, Vorsitzender des Beregnungsverbandes Rethem. Vor einem Jahr sei ein sehr hoher Nitratwert bei einem Brunnen in Bosse festgestellt worden. Die Bevölkerung sei stark beunruhigt gewesen. Es habe sich herausgestellt, dass sich der Brunnen bei einem einzeln liegenden Haus zwischen zwei alten Klärgruben befand. „Erhöhte Werte sind nicht repräsentativ für eine ganze Ortschaft“, stellte er klar. Es handele sich um Einzelproben. Für hohe Nitratwerte genüge es, zum Beispiel im Garten neben einem Brunnen stark mit Stickstoff zu düngen.  sal

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