Hilfe beim Herdenschutz

Nabu unterstützt bei Aufbau von wolfabweisenden Zäunen

Pferde auf einer Weide, davor ein sechsreihiger Elektrozaun.
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Weide mit sechsreihigem Elektrozaun am Dorfrand von Lichtenmoor.

Das Nabu-Herdenschutzteam unterstützt Tierhalter beim Aufbau von wolfabweisenden Weidezäunen. In Lichtenmoor wurden drei Weiden eines Pferdehalters mit einer Gesamtfläche von circa sechs Hektar in drei Einsätzen von je vier bis fünf Personen eingezäunt.

Lichtenmoor – Seit im Frühjahr 2012 die ersten Wolfswelpen auf dem Truppenübungsplatz Munster-Nord geboren wurden, stehen die niedersächsischen Weidetierhalter vor neuen Herausforderungen. Rund 150 Jahre lang hatte sich im wolfsfreien Deutschland niemand ernstlich Gedanken um Herdenschutz vor großen Beutegreifern gemacht. Bewährte Methoden waren in Vergessenheit geraten und mussten wieder erlernt oder vor dem Hintergrund geänderter Haltungsbedingungen und der Entwicklung neuer Technik modifiziert werden .

Nabu-Projekt „Herdenschutz Niedersachsen“ unterstützt Tierhalter

Um Weidetierhaltern in dieser schwierigen Situation mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, hat sich das Nabu-Projekt „Herdenschutz Niedersachsen“ den Schutz von Weidetieren vor dem Wolf zur Aufgabe gemacht. Als Ergänzung zu den finanziellen Förderungsmöglichkeiten durch das Land Niedersachsen werden Weidetierhalter mit einem professionellen Beratungs- und Informationsangebot, Netzwerkarbeit und helfenden Händen geschulter Freiwilliger beim Bau wolfabweisender Zäune unterstützt. Wie Antje Oldenburg, Pressesprecherin des Nabu Heidekreis, berichtet, konnten seit 2017 circa 600 Hektar Weideland in über 6 000 Stunden ehrenamtlicher Arbeit mit hochwertigen, wirkungsvollen Zäunen umgeben werden, die den neuen Anforderungen entsprechen und gleichzeitig als Anschauungsobjekte für benachbarte Tierhaltungen dienen können.

Dabei entfiel etwa die Hälfte der Einsätze auf Schaf-/Ziegenhaltungen, ein Viertel auf Rinder- und ein Fünftel auf Pferdehaltungen, in zwei Fällen kam so genanntes Gatterwild in den Genuss eines wolfabweisenden Geheges.

Auch in Lichtenmoor war das Herdenschutzteam bei einer Pferdehaltung im Einsatz. Die Streusiedlung, die im Zuge der Moorkultivierung in den 1920er-Jahren von landlosen Bauern gegründet wurde, liegt inmitten des gleichnamigen ehemaligen Hochmoorkomplexes und ist umgeben von landwirtschaftlichen Flächen und Moorwäldern. Im Norden schließt sich ein Naturschutzgebiet mit Stillgewässern, feuchten Heiden und Übergangsmooren an und im Südosten wird Moorboden mit Hilfe riesiger Fräsmaschinen abgetragen.

Das Ehepaar, bei dem der Nabu tätig wurde, kam vor 20 Jahren in das 100-Seelen-Dorf. Damals kam in der sächsischen Oberlausitz der erste deutsche Wolfsnachwuchs zur Welt. Heute liegt der alte Bauernhof, den die Eheleute mit zwei Hunden und zehn Pferden bewohnen, im Revier des Rodewalder Rudels, dessen Territorium sich bis in den Heidekreis erstreckt.

Pferde fühlen sich draußen am wohlsten

„Ich bin mit Pferden aufgewachsen“, erzählt der gebürtige Isernhagener, während seine Ehefrau die selbst gezüchteten Hannoveraner von ihren wärmenden Decken befreit. An diesem klaren Morgen stehen alle Pferde auf einer Koppel am Hof, ein Unterstand bietet bei Bedarf Schutz vor dem Wetter, denn die Tiere fühlen sich zu jeder Jahreszeit draußen am wohlsten. Auf der anderen Seite der Reithalle mümmelt ein betagtes Pony in Ruhe sein altersgerechtes Spezialfutter, bevor es wieder zur Herde kommt. Solange die Senioren Appetit haben und sich trotz mancher Alterserscheinungen sichtlich ihres Lebens erfreuen, ist es für den in der Intensivpflege tätigen Hobbyhalter eine Selbstverständlichkeit, sich um das Wohl und Wehe seiner Schützlinge zu sorgen.

Nachdem die Wölfe 2018 begonnen hatten, hin und wieder Rinder auf herkömmlich eingezäunten Weiden anzugreifen und der Raum Nienburg in die Förderkulisse zum Schutz von Rindern und Pferden aufgenommen worden war, stellte das Ehepaar im April 2019 den Antrag auf Bewilligung von Präventionsmaßnahmen beim Wolfsbüro des NLWKN. „Doch lange Zeit passierte erst einmal gar nichts“, erinnert sich der Pferdeliebhaber und bestätigt die Erfahrung, die viele Tierhalter in umliegenden Dörfern gemacht haben. „Erst als die Zuständigkeit Anfang 2020 zur Landwirtschaftskammer wechselte, kam Schwung in die Sache und der Bewilligungsbescheid für die Materialkosten lag innerhalb von zwei Wochen im Briefkasten.“

Gute Vorbereitung reduziert späteren Pflegeaufwand

Den Tipp eines Anbieters von Weidezäunen, sich beim Aufbau vom Nabu-Herdenschutzteam helfen zu lassen, griff das Ehepaar gerne auf. Bevor die Ehrenamtlichen anrücken konnten, mussten jedoch zunächst die alten Zäune entfernt, Baumwurzeln im Boden ausgegraben und Unebenheiten im Gelände geglättet werden. „Eine gute Vorbereitung ist für die Wirksamkeit der Maßnahme entscheidend und reduziert außerdem den späteren Pflegeaufwand“, berichtet der Ehemann.

Er blickt zufrieden auf den 140 Zentimeter hohen Elektrofestzaun, dessen sechs Litzen aus sogenanntem Pferdezaundraht, einem sieben Millimeter starken, mit leitfähigem Kunststoff ummantelten und gut sichtbaren Stahldraht, bestehen.

Wölfe versuchen unter Zaun hindurchzuschlüpfen

Da Wölfe in der Regel versuchen, unter dem Zaun hindurchzuschlüpfen, darf der Abstand des untersten elektrischen Leiters zum Boden 20 Zentimeter nicht überschreiten. Damit der Stromfluss nicht verringert oder gar unterbrochen wird, muss der Zaun während der Wachstumsperiode alle vier Wochen von Bewuchs freigehalten sowie Spannung und Erdung regelmäßig überprüft werden. „Ist der wolfabweisende Weidezaun erst einmal gesetzt, hält sich der zusätzliche Arbeitsaufwand in Grenzen“, fasst der Pferdezüchter seine Erfahrungen zusammen.

Wolfabweisender Elektro-Festzaun im Moor.

Er zeigt sich beeindruckt von der Arbeit des Nabu-Projektleiters Peter Schütte und der ehrenamtlichen Helfer, die seine drei Weiden mit einer Gesamtfläche von circa sechs Hektar in drei Einsätzen mit je vier bis fünf Personen einzäunten.

Er ist zwar überzeugt, dass sich seine Herde erfolgreich gegen Wölfe verteidigen würde, „doch Vorsorge ist grundsätzlich besser als Nachsorge“, weiß der erfahrene Krankenpfleger.

Mehr Informationen zu wirkungsvollen Herdenschutzmaßnahmen sind im Internet unter der Adresse www.herdenschutz-niedersachsen.de zu finden.

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