Heinrich Dröscher ist 90 / Feuerwehrchef, Ratsherr, Sänger und Schützenoberst

,,Quälend war es, aber auch interessant und schön“

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Heinrich Dröscher und sein Schachspiel: Die Gegner werden weniger, da spielt er eben gegen den Computer.

Rethem - Als 20-Jähriger kam er 1945 aus dem Krieg zurück in ein zerstörtes Rethem. Und fing an, wieder aufzubauen: den Hof in der Langen Straße, die Feuerwehr, das Vereinsleben. Über 40 Jahre führte er den Gemischten Chor, war zehn Jahre im Rat der Stadt und Oberst der Rethemer Schützen: Heinrich Dröscher. Jetzt ist er 90 geworden und sagt: „Quälend war es, aber auch interessant und schön.“

Geburtstagsgrüße hatten unter anderem Bürgermeister Frank Leverenz und Verwaltungschef Cort-Brün Voige überbracht. Voige erinnerte daran, dass Dröscher vor über 40 Jahren auch erster Gemeindebrandmeister der neuen Samtgemeinde Rethem war: „Es war damals keine leichte Aufgabe, die bisher selbstständigen, und manchmal sicherlich auch etwas eigenwilligen Ortswehren in der Samtgemeinde zusammenzuführen. Diese Aufgaben haben Sie mit großem persönlichen Einsatz und mit hoher fachlicher Kompetenz angenommen und mit Bravour bewältigt.“

Die Samtgemeinde Rethem habe Heinrich Dröscher viel zu verdanken, sagte Voige in seiner Laudatio. Er schloss mit einem Spruch von Hinrich Wilhelm Kopf, nach dem Krieg erster Ministerpräsident des Landes Niedersachsen: „Stah fast, kiek wiet, und röög di.“ Dieser Satz passe gut dazu, wie Heinrich Dröscher in seinem Leben agiert habe.

Rethem vor 70 Jahren: Die Feuerwehr hatte nur noch sieben einsatzfähige Männer, der Wiederaufbau der Wehr war eine der wichtigen Aufgaben von Heinrich Dröscher. „Erst durch die Integration der Flüchtlinge, die anfangs nicht gewollt war, wurde die Wehr wieder stärker“, berichtet er.

Auch privat ging es wieder aufwärts: Bei Schlachter Mönkemeyer lernte er seine spätere Frau Hildegard kennen und landwirtschaftlich kam es zu einer Betriebsgemeinschaft mit Karl Dieter Oestmann, die viele Jahre andauerte.

1953 feierte die Stadt Rethem ihr 600-jähriges Bestehen und im Hause Dröscher gab es auch privat etwas zu feiern: Hochzeit mit Hildegard. Vier Kinder, Jürgen, Helga, Dörthe und Dieter, gingen aus der Ehe hervor. Mittlerweile kommen neun Enkel und sechs Urenkel hinzu.

Langsam kam auch das Vereinsleben in Gang. Was heute kaum noch jemand weiß: Heinrich Dröscher war auch Vorsitzender eines Reitvereins. Der Verein existierte aber nur drei Jahre, von 1948 bis 1951: „Damals gab es in ganz Rethem nur elf Pferde. Mit denen sind wir aber sogar Turniere geritten.“ 1948 wurde dann der Gemischte Chor gegründet. Über 40 Jahre war Dröscher dort Vorsitzender. Musik und Chorgesang gehören noch immer zu den besonderen Leidenschaften des 90-Jährigen.

„Bei uns zu Hause wurde immer gesungen, sogar im Kuhstall“, erinnert sich Tochter Dörthe.

Auch heute ist das Anhören von Stücken aus seiner umfangreichen Schallplattensammlung eine schöne Entspannung. Und er schreibt viel: Über seine Erlebnisse im Krieg, über die Feuerwehr, die Familienchronik… – „So bleibt man fit im Kopf.“ Und dann wäre da noch das Schachspiel. „Leider werden die Gegner weniger, aber jetzt spielt er eben gegen den Computer“, berichtet Tochter Dörthe.

Weimarer Republik, Hitler, Krieg, Zerstörung und Wiederaufbau hat er erlebt. In Rethem übrigens auch die Einrichtung des Londyparks mit dem Aufbau der Bockwindmühle, an der er beteiligt war. Und da gibt es heute auch Kritik: „Im Londypark läuft es jetzt in die falsche Richtung. Die Mühle war in Ordnung, aber jetzt wird dort nach meiner Meinung einfach zu viel aufgebaut. Ein Park sollte ein Park bleiben. Weniger ist manchmal mehr.“

fra

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