Fünftes internationales Drechsler-Treffen in der Heidmark-Halle

Herz für Holzarbeiten

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Eine der „Urformen“ des Drechselns stellt die Wipp-Drehbank dar: Agnes Zorn weiß sie zu bauen und zu bedienen.

Bad Fallingbostel - Aus ganz Europa reisten sie in die Heide: Am Sonnabend und Sonntag versammelten sich tausende Holzliebhaber zum internationalen Drechsler-Treffen in der Heidmark-Halle Bad Fallingbostel. Es galt, die eigenen Talente und Techniken zu zeigen sowie sich über die gemeinsame Leidenschaft auszutauschen.

Die Drechsler, die sich abseits der Veranstaltung auf der Homepage www.drechslerforum.de treffen, stammen sowohl aus dem Hobby- als auch aus dem Profibereich und decken so viele unterschiedliche Arbeitsbereiche ab, dass sich junge und alte Besucher gar nicht satt sehen konnten. Die neusten Produkte aus Technik und Wirtschaft wurden auf einer kleinen Bühne mit Videobegleitung präsentiert, in einer anderen Ecke konnten die Künstler ihre liebsten Werke von einer Experten-Jury prämieren lassen oder als Publikumsfavorit gewählt werden. Die Objekte in der Halle reichten dabei von riesengroß bis miniklein, von klobig bis filigran und die Technik von brandneu bis uralt.

Zu letzterer Kategorie zählt die Wipp-Drehbank von Hobby-Drechslerin Agnes Zorn, um die sich in der Mitte der Halle ein interessiertes Publikum gebildet hatte. Anders als die übrigen Drechslermaschinen mutet die Wippe mittelalterlich an, funktioniert ohne Strom und besteht aus mehreren Zweigen, Seilen und einem Holzbock. Agnes Zorn trat mit dem Fuß auf ein Pedal aus Geäst, drehte damit eine eingespannte Schale, während sie die Klinge für das Ausschaben in der Hand hielt. „Die Existenz solcher Wippen ist belegt ab dem zwölften Jahrhundert“, verriet Zorn während ihrer Arbeit. Sie hat das Gerät selbst gebaut, einer Abbildung in einem Buch nachempfunden. „Wenn alles glatt geht, brauche ich für eine Schale um die zwei Stunden.“

Schneller geht es natürlich bei einigen der moderneren Maschinen im Raum, mit denen vor den Augen der Zuschauer Kugelschreiber, Christbaumkugeln und Schachfiguren gezaubert wurden. Besonders genau hingucken musste man bei den Miniatur-Figuren von Hermann Straeten, der mit seinen winzigen Uhren und Musikinstrumenten aus Holz bereits neun Guinnessrekorde erzielt hat.

Neben dem Rummel in der Halle erstreckte sich das Drechslertreffen noch bis auf den Parkplatz, wo es nach frisch geräuchertem Fisch duftete. Marika Lohmanns und Marek Berbecs mobile Fischräucherei zauberte auf Bestellung Aal und Forelle aus dem Buchenholz. Die beiden bewiesen mit ihrem Unternehmen, dass Holz auch mit kulinarischer Kunst zu tun haben kann. Nebenan wurde Schnuckenbräu aus einem ehemaligen Feuerwehr-Auto gezapft, im Zelt warteten Kaffee und Kuchen auf müde Rastende.

Am Rande der Veranstaltung ging es schließlich etwas lauter zu: Hermann Zwisler und sein Team von Logosol Deutschland hatten ein mobiles Kettensägewerk aufgebaut und zerkleinerten Baumstämme für Kunden – jedoch nicht irgendwie. Bei dem Verfahren stehe nicht die Effizienz im Vordergrund, sondern ein ansprechendes Schnittbild, erklärte Zwisler, der vor einigen Jahren sein Hobby zum Beruf gemacht hatte. Man könne den Stamm mit dieser Maschine so individuell behandeln, dass sich das Muster im Holz von seiner schönsten Seite zeige, so der 53-jährige. „Wenn man ein besonders gelungenes Stück Holz ansieht, dann ist das, als ob eine hübsche Frau drauf liegt“, lachte er und berichtete von einer aufgeschnittenen Ulme, die zu Hause darauf warte, in einen großartigen Küchentisch verwandelt zu werden. Während Zwisler mit leuchtenden Augen über seine Leidenschaft sprach, zitierte ein Umstehender Theodor Heuss: „Holz ist ein einsilbiges Wort, aber dahinter steckt eine Welt voller Märchen und Wunder.“

Drechslertreffen in Bad Fallingbostel

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