Landschaftsplanerin stellt ihre Ideen für die Dorfregion vor

Friedhöfen „von Bierde bis Wittlohe“ eine Zukunft geben

Grabsteine umgeben von blühender Heide
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Die Nähe zur Heide inspirierte Planerin Christina Stoffers dazu, für den Häuslinger Friedhof Heidegärten vorzuschlagen, in denen sowohl Särge als auch Urnen bestattet werden können.

Wie sollen sich die Friedhöfe in den Ortschaften von Bierde bis Wittlohe entwickeln? Im Rahmen des Dorfregion-Projektes sollen dafür Konzepte entwickelt werden. Die ersten Impulse gab jetzt eine Landschaftsplanerin. Ein Rat von ihr: Man solle die Bedeutung der Friedhöfe als Ort der Kommunikation nicht unterschätzen.

Rethem – Eine veränderte Bestattungskultur weg vom Sarg, hin zur Urne, weg vom Friedhof, hin zum Ruheforst, hat das Gesicht der Begräbnisstätten verändert. „Ein Todesfall in der Gemeinde bedeutet nicht mehr automatisch auch einen Bestattungsfall auf dem heimischen Friedhof“, stellt Landschaftsplanerin Christina Stoffers fest.

Es klaffen oft Lücken, wo Grabstellen aufgegeben wurden

Auch in der Samtgemeinde Rethem und in der Gemeinde Kirchlinteln werden immer mehr Grabstellen aufgegeben oder nicht besetzt, klaffen Lücken, die oftmals von den Mitarbeitern der Gemeinde umständlich und somit kostenintensiv zu pflegen sind.

Die Samtgemeinde und die Gemeinde Kirchlinteln kooperieren über die Dorfentwicklung für die Region „von Bierde bis Wittlohe“ und generieren gemeinsam EU-Fördermittel. Dank dieser Gelder konnten die Akteure der Dorfregion nun die Planerin aus Petershagen beauftragen, für die Friedhöfe in Bierde, Böhme, Altenwahlingen, Groß Häuslingen und Otersen neue Konzepte zu entwickeln. Unter Einbindung der Einwohner.

Randflächen auslaufen lassen und Zentren verdichten

„Für die vielen kleinen Flächen gibt es kein wirkliches Erfolgsrezept“, betont die Expertin, die sich seit zehn Jahren vorrangig dem Planen von Friedhöfen widmet. Unabhängig davon hat sie für die von ihr untersuchten Flächen aber eine Reihe von Verbesserungsvorschlägen, sowohl allgemeine als auch individuelle.

So empfiehlt Christina Stoffers beispielsweise, „Randflächen auslaufen zu lassen und die Zentren zu verdichten“. Wichtig ist ihr auch die Barrierefreiheit, ebene Wege, breit genug, um sie mithilfe eines Rollators zu begehen. Das, so betont sie, könne auch ein Wettbewerbsvorteil gegenüber Bestattungswäldern sein.

Wichtig: Ausreichend Sitzgelegenheiten

Ausreichend Sitzgelegenheiten sieht Stoffers als weiteren wichtigen Baustein, um die Bedeutung der Friedhöfe auch als Orte der Kommunikation zu untermauern. Um ihre kulturhistorische Funktion zu erhalten, plädiert die Planerin für die Schaffung von Plätzen, auf denen historische Grabsteine aufgestellt werden können. Dabei gehe es „nicht nur um die Bewahrung alter Steinmetzkunst, sondern auch um den Erhalt von Namen und Familien“.

Speziell für Altenwahlingen mit dem sehr nachgefragten Ruhehain nebenan kann sich die Planerin Sarggrabfelder für die Erdbestattung vorstellen. Mit ihrer durchgehenden Rasenfläche sind die Felder pflegeleicht. Ein schmaler Streifen am Kopf bietet Platz für einen Stein und individuellen Schmuck.

Heidegärtchen für Häuslingen

Stoffers Vorschlag für Böhme und Bierde sind Urnenbestattungen unter Bäumen, mit der Möglichkeit, die Namen der Verstorbenen auf Plaketten oder auf steinernen Stelen zu hinterlassen.

Ihre Idee für Häuslingen wären Bestattungen von Urnen und von Särgen in Heidegärtchen. „Das ist ein bisschen aufwendiger“, erklärt sie. Die Erfahrung habe sie aber gelehrt, dass Menschen durchaus bereit sind, 500 Euro mehr zu bezahlen, wenn es dafür eine ansprechende Gestaltung gibt. „Dass es nur nach dem Preis geht, stimmt definitiv nicht.“

In Otersen schließlich greift Christina Stoffers ebenfalls auf die Idee von Baumgräbern für Urnen zurück. Flache Stelen mit den Daten der Verstorbenen würden den Ort der Bestattung genau kennzeichnen. Grundsätzlich, so betont die Landschaftsplanerin, sei aber jeder Vorschlag auf jedem der fünf Friedhöfe umsetzbar.

Bei den Versammlungen war richtig was los

Die Bürgerschaft zeigte sich sehr interessiert an den Ergebnissen, die die Planerin bei zwei Versammlungen präsentierte. „Da war richtig was los“, sagt sie anerkennend. Sie weiß: „Friedhof ist ein sensibles Thema.“

Etwaige Bedenken, dass Umgestaltungen auch Umbettungen zur Folge haben, zerstreut die Expertin. Auch die Schließung eines Friedhofs, trotz geringer Bestattungszahlen im einstelligen Bereich, muss niemand befürchten. Keine der beteiligten Gemeinden sehe Derartiges vor. Zu groß sei die kulturelle und soziale Bedeutung für die Dorfbewohner. Zudem sei eine solche Aufgabe unangenehm und schwierig. „Wenn es schnell geht, dauert es 50 Jahre“, erinnert Stoffers an bereits gekaufte Grabstellen und damit verbundene Liegefristen, die eingehalten werden müssen.

Die Konzepte von Christina Stoffers erfüllen mehrere Zwecke. Die Pflege der freien Flächen muss einfach sein, damit sie die Gemeinden wenig kostet. Rasengräber mit eingelassenen Grabplatten, wie sie vor 20 Jahren aufkamen, seien aber nicht die Lösung. „Da können die Leute dann nichts mehr hinstellen“, erklärt die Planerin und erinnert daran, dass Friedhöfe eben Orte der Trauer und des Gedenkens sind.

Grüne Oasen fördern Biodiversität

Als grüne Oasen förderten sie zudem die Biodiversität, angelegt als Park dienten sie der Erholung. Und so sollen ihre Entwürfe einerseits die Wirtschaftlichkeit berücksichtigen und andererseits die Attraktivität steigern. Auch mit dem Gedanken, dass ein schön gestalteter Friedhof dazu führt, dass er einem anderen Ort der Bestattung vorgezogen wird.

Im nächsten Schritt wird Christina Stoffers ihre Entwürfe den politischen Gremien vorstellen, die dann über die Umsetzung entscheiden. Für die Mitarbeiter der beteiligten Gemeinden ist sie schon einmal voll des Lobes: „Sie machen sich viele Gedanken und wollen den Menschen, so gut es geht, entgegen kommen“, stellt die Petershagenerin fest. „Das ist wichtig, um Friedhöfen eine Zukunft zu geben.“

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