Richter entlässt Angeklagte aus mehrmonatiger Untersuchungshaft / Keine belastbaren Aussagen

Freispruch für zwei Brüder

Verden-Walsrode – Daumen hoch Richtung Publikum nach Verkündung des Freispruchs und im Anschluss an die Urteilsverkündung Applaus. Die Freude zumindest bei den beiden Brüdern aus Walsrode und Rethem, die sich über zehn Monate an 30 Verhandlungstagen vor dem Landgericht Verden verantworten mussten, war gestern unübersehbar. Keine Regung zeigte dagegen der dritte Angeklagte aus Hodenhagen. Zwar wurde auch er freigesprochen, doch ihm droht nun ein Verfahren wegen Freiheitsberaubung.

Mit seinen belastenden Aussagen bei der Polizei, im Prozess hat er geschwiegen, hatte er den Brüdern 14 und 8 Monate Untersuchungshaft und die Anklage eingebrockt. Bei dem einschlägig vorbestraften 38 Jahre alten Walsroder lautete diese auf Hehlerei und unerlaubtes Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in 42 Fällen. Der Oberstaatsanwalt hatte dafür vergangene Woche fünf Jahre Haft beantragt und für den 24-Jährigen, wegen Beihilfe zu diesen Taten, zwei Jahre auf Bewährung.

Bei dem Rethemer hatte der Oberstaatsanwalt eine Geldstrafe in Höhe von 1200 Euro wegen Bedrohung und Beihilfe zur Hehlerei gefordert. Verurteilt wurde der 35-Jährige zu 750 Euro Geldstrafe wegen Unterschlagung von Kameras. Die waren nachweislich gestohlen. Der 35-Jährige hatte im Prozess ausgesagt, dass er diese gefunden habe und verkaufen wollte.

„Es ging nicht um Sieg oder Niederlage, sondern die Feststellung individueller Schuld“, betonte der Vorsitzende Richter Daniel Hauschildt zu Beginn der Urteilsverkündung und bezog sich auf die Plädoyers vergangener Woche. Bei denen ein „Übermaß an Testosteron zu verzeichnen war“, so der Vorsitzende. Punkt für Punkt arbeitete er die Anklage ab. „Sind Betäubungsmittel gefunden worden? Gibt es andere Beweismittel? Gibt es Aussagen anderer Zeugen, die wir verwerten können?“ Jede Frage beantwortete er selbst mit einem betonten „Nein“.

Genauso betonte er, dass der Ermittlungsführer der Polizei keine unerlaubten Vernehmungsmethoden angewandt habe. Dessen Angaben in dem Prozess zu den früheren Aussagen des Hodenhageners bezeichnete er als „glaubhaft“ . Weil der 24-Jährige in dem Prozess geschwiegen hat, sei der Ermittler aber nur ein „Zeuge vom Hörensagen“. Dass die früheren Aussagen des 24-Jährigen verwertbar sind, führe aber nicht dazu, dass alles richtig ist, was dieser bei der Polizei ausgesagt hat, so Hauschildt.

Laut dem Vorsitzenden waren 196 Werkzeuge und ähnliches in der Garage des Rethemers, bei dem Angeklagten in Walsrode und in der Bar eines weiteren Bruders sichergestellt worden. Doch nur vier Prozent hätten einer „deliktischer Herkunft“ zugeordnet werden können. „Wir glauben, in der Gesamtwürdigung reicht das nicht.“

„Wir bedauern als Kammer die Untersuchungshaft und deren Länge“, wandte sich der Vorsitzende am Ende an die Brüder. Erst Mitte August war der 38-Jährige aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Die Brüder werden für die Untersuchungshaft und die Hausdurchsuchungen finanziell entschädigt.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

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