Frei für Beamte und Gefangene

Serie: Die Geschichte der Rethemer Brücken - Zweiter Teil

Schnappschuss: Neben der alten Holzbrücke beginnen Arbeiter 1928 mit dem Bau der neuen Bogenbrücke.

Rethem - Von Fred Raczkowski. Es ist ein Bild, das fast jeder Rethemer kennt: Der Merian-Stich aus dem Jahre 1654 zeigt die wohl bekannteste historische Darstellung einer Allerbrücke in Rethem. Dabei handelt es sich jedoch um bereits die dritte der neun Brücken, die erste dürfte schon um 1300 gebaut worden sein. Um diese Anfänge der Brückenbauzeit geht es im zweiten Teil der Artikelfolge aus Anlass der geplanten Neubauten.

„Die wohl erste Brücke wurde 1389 erstmals urkundlich erwähnt“, weiß Hobby-Historiker August Jahns. „Das im Merian-Stich von 1654 abgebildete Bauwerk wurde die Lange Brücke genannt.“ Vor allem in kriegerischen Auseinandersetzungen wurden die hölzernen Brückenbauwerke später immer wieder zerstört und neu aufgebaut. Harte Zeiten auch für Diebe: „Für sie stand seit 1655 auf der Allerbrücke ein Schandkorb, durch den die ertappten Übeltäter in den Fluss geworfen werden sollten“, berichtet Jahns.

Um 1799 war wieder mal eine der Holzbrücken baufällig geworden. Unter Baumeister Georg Friedrich Schlüter wurde in einer Bauzeit von vier Jahren die „Neue große Allerbrücke“ errichtet und zwar mit einem Durchlass für Schiffe mit einer Breite von 4,30 Metern. Im Jahre 1889 wurde die Durchfahrt auf 10,3 Meter verbreitert.

Die „Neue große Allerbrücke“ scheint ein recht solides Bauwerk gewesen zu sein, denn sie stand bis 1928. In diesem Jahr wurde sie durch die erste massive, auf drei Pfeilern stehende Bogenbrücke ersetzt. Dieses Brückenbauwerk mit einer Spannweite von 44 Metern wurde in den letzten Kriegswochen im April 1945 gesprengt und 1957 durch die heutige Brücke ersetzt.

Aus dem Jahre 1654 stammt dieser bekannte Merian-Stich. Er zeigt die dritte Brücke über die Aller bei Rethem. Sie wurde die „Lange Brücke“ genannt.

Wer in früheren Jahrhunderten mit Pferd und Wagen die Aller bei Rethem überquert hatte und auf dem „Passagedamm“ weiter in Richtung Walsrode wollte, musste schon bald vor dem nächsten Hindernis anhalten: Nun musste der 13 Meter tiefe Rethemer See mit einer Wagenfähre überquert werden. Als erster Fährmann dort wird 1799 Christian Thies Heinrich Bartels genannt.

Um 1825 wird ein kleines Fährhaus errichtet, und das Amt Rethem gibt eine Fährgeld-Taxe heraus. Beispiel: Ein Fußgänger zahlte zwei Pfennige, für ein Pferd mussten neun Pfennige für die Überfahrt entrichtet werden. Aber nicht alle mussten zahlen. Vom Fährgeld befreit waren zum Beispiel „die Beamten zu Rethem, samt deren Leute und Sachen ... die Unterbeamten und Geschworenen des Amts Rethem ... “ Die Beamten hatten es besser, aber immerhin wurden auch andere Personen vom Fährgeld befreit, „gefänglich transportierte Personen“ zum Beispiel.

1896 beschloss der Fallingbosteler Kreistag schließlich den Bau einer Brücke über den Fährsee. Gebaut wurde in den Jahren 1897/98. Die erste eiserne Bogenbrücke über den Fährsee war damals ein viel bewundertes Bauwerk. Auch diese Brücke wurde bei den Kämpfen um Rethem im April 1945 gesprengt. Danach rollte der Verkehr über eine von britischen Pionieren errichtete hölzerne Behelfsbrücke. Nach zehnmonatiger Bauzeit wurde die heutige Betonbrücke im Januar 1956 eingeweiht.

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