Samtgemeinde und Mitgliedskommunen brauchen Brückenkataster

Es hapert an der Buchführung

Blick auf Brücke, rechts und links Geländer, im Vordergrund ein Infokasten und ein Verkehrsschild
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Bauwerke wie hier die Alpebrücke Wiedenburgstraße, in Besitz der Stadt Rethem, müssen regelmäßig kontrolliert werden. Bei dieser Brücke ist neben der jährlichen Sichtkontrolle alles sechs Jahre eine Hauptprüfung erforderlich.

Rethem – Da gibt es kein Vertun. Die Samtgemeinde Rethem und ihre Mitgliedskommunen benötigen ein Brückenkataster. Es gilt, die prüfungsrelevanten Bauwerke, Brücken genauso wie sogenannte Durchlässe aufzulisten und zu kartieren. Vor allem aber geht es darum, den baulichen Zustand zu bewerten, regelmäßig zu überprüfen und dies dann auch zu dokumentieren.

Das ist wichtig, damit die Gemeinden nachweisen können, dass sie ihrer Verkehrssicherungspflicht nachkommen.

Grundsatzbeschluss des Samtgemeinderates vor vier Jahren

Bereits vor knapp vier Jahren fasste der Samtgemeinderat einen Grundsatzbeschluss. Ein Ingenieurbüro sollte mit der Erstellung des Brückenkatasters beauftragt werden. Doch eine entsprechende Ausschreibung ging nie raus. „Aufgrund der Arbeitsbelastung im Bauamt konnte dieser Beschluss bisher noch nicht umgesetzt werden“, heißt es in der Drucksache, die den zuständigen Gremien aktuell vorgelegt wurde.

Daumen drücken, dass Angebote kommen

Denn nun soll endlich ein Fachmann gefunden werden, der sich des Katasters annimmt und vor allem da, wo nötig, die Brücken regelmäßig überprüft.

Gemeinderat Böhme muss noch zustimmen

Es fehlt noch das grüne Licht vom Gemeinderat Böhme. Stimmt der bei seiner Sitzung am 22. Juli zu, kann Bauamtsleiter Frank Blume die Ausschreibung abschicken. Dann heißt es Daumendrücken, dass auch Angebote hereinkommen. Denn die Ingenieure, die die Brücken prüfen, seien dieselben, die dann auch die gegebenenfalls nötigen Sanierungen oder Neubauten begleiten, erklärt Blume. Und diese Experten haben aktuell angesichts der vielen alten Brücken bundesweit gut zu tun.

Liste aller Bauwerke existiert bereits

Immerhin: Eine Liste aller Bauwerke existiert bereits. Insgesamt 89 Brücken und vor allem Rohrdurchlässe sind dort aufgeführt. Nicht alle sind Eigentum einer Kommune. Deichverbände, das Land oder gar Privatleute sind unter den Besitzern zu finden.

Auch sind die Bauwerke inzwischen kartiert. Rote Punkte markieren ihre jeweilige Lage. So lassen sich auch vom Laien schnell die Spitzenreiter unter den Ortschaften ausmachen: Rund um Stöcken und Rethem Moor wird der Kraft- und Radverkehr mehr als 30 Mal über Gräben geführt, die die landwirtschaftlichen Flächen dort durchziehen.

Jährliche Sichtkontrollen durch den Bauhof

In der Vergangenheit haben Mitarbeiter des Bauhofes regelmäßig einen Blick auf die Bauwerke geworfen. Im wahrsten Sinne des Wortes, handelt es sich dabei doch lediglich um jährliche Sichtkontrollen, bei denen nach Rissen geschaut oder überprüft wird, ob die Geländer noch fest sitzen. „Dabei ist nichts Gravierendes aufgefallen“, berichtet Samtgemeindebürgermeister Cort-Brün Voige.

Für Brücken wie zum Beispiel in der Wiedenburgstraße in Rethem, die Alpebrücke im Bösselweg oder über den Wiehegraben in Häuslingen sind alle sechs Jahren Hauptprüfungen nach DIN 1076 erforderlich. Hier ist dann der Fachmann gefragt. Er muss alle, also auch schwer zugängliche Bauteile ins Visier nehmen, um so auch versteckte Mängel aufspüren zu können.

Brücken im Verlauf der B 209 fallen nicht unter das Brückenkataster

Die drei Brücken zwischen der Stadt Rethem und dem Campingplatz Rethemer Fähre, die die B 209 über die Aller führen, fallen übrigens nicht unter das geplante Brückenkataster. Für die Bundesstraße ist, wie der Name sagt, der Bund zuständig. Der wiederum hat der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr den Auftrag erteilt, deren Ersatz zu planen.

Ersatz der Allerbrücken wohl Mitte der 20er-Jahre

Denn im Geschäftsbereich Verden waren sich die Fachleute schon im November 2018 einig, dass alle drei Bauwerke, errichtet Ende der 1950er-Jahre, abgängig sind und erneuert werden müssen. Daran hat sich nichts geändert. Nur wann der Ersatz kommt, dazu konnte der zuständige Planer Tim Lührsen keine Aussage treffen. „Ich gehe aktuell noch von einem Bau Mitte der 20er-Jahre aus“, sagte er auf Nachfrage.

Zurzeit seien die Fachleute der Landesbehörde damit befasst zu planen, wie der Verkehr ungestört weiter fließen kann, wenn die Maßnahme beginnt. „Wir versuchen, das so verträglich wie möglich zu gestalten“, sagte Lührsen.

Keine neue Brücke neben die vorhandene

Neubauten neben die vorhandenen zu setzen, sie anzuschließen und dann die alten Brücken abzureißen, das ist für Rethem, anders als bei der Verdener Nordbrücke, aber keine Option. Denn dafür sind die Flächen links und rechts der Aller aus ökologischer Sicht zu wertvoll.

Möglicherweise Behelfsbrücken

Er gehe davon aus, dass Behelfsbrücken zum Einsatz kommen, sagte Lührsen. Solche mobilen Konstruktionen nennt der Bund mehrfach sein Eigen. In einzelne Teile zerlegt, werden sie deutschlandweit montiert, vor allem dann, wenn größere Baumaßnahmen anstehen. Und die gibt es derzeit reichlich.

So spielt in die Überlegungen, wann die neue Brücken gebaut werden könne, auch die Frage hinein, wann die Behelfskonstruktionen zur Verfügung stehen.

Zum Glück ist aktuell keine Eile geboten. Zwar tickt die Uhr, die sogenannten Reststandzeiten laufen ab. DieBauwerke unterliegen aber einer engmaschigen Kontrolle. Und die, so Tim Lührsen, habe bislang stets dasselbe Ergebnis gehabt: „Die Brücken sind so, wie sie sind, tragfähig.“

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