Baubestandsuntersuchung 

Empfehlung für das Rethemer Rathaus: Totalsanierung

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Cort-Brün Voige im November 2015 vor dem Tresor, der für viele Risse verantwortlich ist.

Rethem - Die Rethemer Politiker tun sich schwer mit Entscheidungen, die die Sanierung des historischen Rathauses und den Standort der Verwaltung betreffen. Das wurde am Mittwochabend während der Sitzung des Bau- und Friedhofsausschusses der Samtgemeinde deutlich.

Thomas Jäh von der Planungsgruppe Niemeyer stellte die Ergebnisse der Baubestandsuntersuchung des Rathauses vor. Er betonte, dass es sich nicht um ein Gutachten oder Sanierungskonzept handele. Es gehe um Auffälligkeiten und Beachtenswertes als Grundlage für eine möglicherweise kommende Planung.

Jäh sprach Problematiken wie Rissbildungen, mehrere, nicht aufeinander abgestimmte Umbaumaßnahmen, Schadstoffe im Treppenhaus und im Dachstuhl sowie den Tresor an, der für Risse verantwortlich sei. Der Fachmann warnte, dass sobald ein Bauantrag gestellt werde, aktuelle Vorschriften, zum Beispiel zum Brandschutz, eingehalten werden müssten. Derzeit gelte Bestandsschutz.

„Meine Empfehlung ist eine Totalsanierung“, lautete Jähs Fazit. Zwar sei es möglich, das Gebäude optisch in einen ansprechenden Zustand zu versetzen. Doch ohne grundlegende Maßnahmen tauchten Probleme wie Risse immer wieder auf. Wichtig sei ein Bodengutachten, so der Experte. Er empfahl, ein kleines Paket für die Leistungsphasen eins und zwei zu schnüren. Seine Untersuchungen deckten die Phase eins bereits fast ab.

Unzumutbare Arbeitsbedingungen

In der anschließenden Diskussion standen die Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter und die Sanierungskosten im Vordergrund. Unstrittig war lediglich, dass die Arbeitsbedingungen teilweise nicht zumutbar sind.

Wolfgang Leseberg, SPD, schlug vor, einen Teil der Büros dauerhaft in einem anderen Gebäude unterzubringen, um Kosten zu sparen. Er nannte das von Lührsche und Behrsche Gebäude, eventuell auch das ehemalige Woltersche Haus. Bevor irgendetwas entschieden werde, sei es wichtig, die Kosten zu kennen, um gegebenenfalls Abstriche machen zu können. Grundsätzlich sei auch die Frage zu stellen, wie langfristig die Samtgemeinde plane.

Verwaltungschef Cort-Brün Voige forderte angemessene Bedingungen für Beschäftigte und Kunden. Die bauliche Situation und die Arbeitsplätze seien getrennt zu sehen. Er sagte, dass im Fall der Nutzung des Gebäudes durch die Verwaltung keine nennenswerten Zuschüsse für die Sanierung zu erwarten seien. Förderfähig sei allerdings ein leer stehendes Gebäude, das einer neuen Nutzung zugeführt werde. Auch er halte es für richtig, die Leistungsphasen eins und zwei anzugehen.

„Wir werden auf jeden Fall in den nächsten Tagen die Gewerbeaufsicht ansprechen“, so Voige. Themen seien Arbeitssicherheit, Datenschutz und mehr. „Es kann nicht sein, dass wir noch Jahre über das Thema reden.“ Carl-Diedrich Radtke, der sich bei der Unterschriftenaktion zum Verbleib der Verwaltung im Rathaus engagiert hatte, wollte wissen, warum Voige jetzt zeitlich Druck macht. Schlimmstenfalls sperre das Gewerbeaufsichtsamt das Rathaus. Dann müsse womöglich eine teure Zwischenlösung gesucht werden, so Radtke.

Torsten Gudehus, CDU, sagte, dass die Ratsmitglieder jahrelang eine Entscheidung hinausgezögert hätten. Die Probleme seien oft genug angesprochen worden.

Ein Blick in eines der engen Büros. 

Ein aufgebrachter Karsten Feldmann, der die Unterschriftenaktion mit auf den Weg gebracht hatte, warf Voige vor, durch die Hintertür wieder zur alten Lösung kommen zu wollen – ins Sparkassengebäude. Dies wies der Verwaltungschef von sich. Die Sicherheit der Mitarbeiter gehe vor.

Die Ausschussmitglieder sprachen sich dafür aus, die Leistungsphasen eins und zwei sowie erforderliche Gutachten in Auftrag zu geben.

Anschließend ging es im Ausschuss darum, wo die Verwaltung im Falle einer Sanierung untergebracht wird. Vier Varianten hatte die Verwaltung vorgeschlagen, darunter der Ausbau des Obergeschosses im Kindergarten Rethem, das Aufstellen von Containern auf der Freifläche Ecke Lange Straße/Wiedenburgstraße, die Anmietung von Gebäuden der Firma LPS in Groß Häuslingen oder im Burghof sowie im von Behrschen Gebäude in Rethem.

Stephanie Weber, SPD, wollte wissen, warum jetzt viel Energie für eine Übergangslösung verwendet werde, wenn unklar sei, ob es eine Rathaussanierung gebe. Heinz Bäßmann, CDU, antwortete, dass sie sich irgendwo mal entscheiden müssten. Und Voige ergänzte, dass es einen Ratsbeschluss gebe, dass die Verwaltung im Rathaus bleibt. Erst wenn es eine Entscheidung für eine Variante gebe, sei es möglich, Gespräche zu führen und Kosten zu ermitteln.

Leseberg wollte allerdings zuerst die Kosten wissen. Ein sechsstelliger Betrag komme bei allen Varianten heraus, sagte er. Die SPD-Fraktion beantragte, die günstigste zu nehmen. Arnd Helberg, SPD, regte zudem an, das Obergeschoss der Arche auszubauen und die Räume anschließend zu vermieten. Mit den Stimmen der CDU, die SPD enthielt sich, folgte der Ausschuss der Beschlussempfehlung der Verwaltung, übergangsweise in den Burghof und das von Behrsche Gebäude zu ziehen. Sofern kein annehmbarer Mietpreis ausgehandelt werden könne, sollten weitere Varianten geprüft werden. 

sal

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