Emotionen und Klärungsbedarf

CDU-Infoveranstaltung zum Verordnungsentwurf der Unterschutzstellung

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Volles Haus im Burghof, als es um den Verordnungsentwurf für die Unterschutzstellung des Aller-Leine-Tales ging.

Rethem - Zeitweilig entstand am Dienstagabend im Rethemer Burghof der Eindruck, die Untere Naturschutzbehörde sei eine Art „Prügelknabe“. Es ging um die Verordnung für eine Unterschutzstellung des Aller-Leine-Tales. Eingeladen hatte die CDU-Kreistagsfraktion.

Kein Platz im Saal blieb frei, als das Thema diskutiert wurde. Die Besucher kamen aus allen Bevölkerungsschichten. Jung wie Alt hatten eigentlich nur eine Meinung: „Die jetzt vorgelegte Verordnung geht so nicht.“ Da müsse einiges verändert werden. „So funktioniert Naturschutz nicht, so werden wir auch keine blühenden Wiesen mehr erhalten“, sagte ein Versammlungsteilnehmer aus Kirchwahlingen.

Hermann Norden eröffnete die Veranstaltung und wies darauf hin, dass die Vertreter der Partei die Bedenken und die Eingaben der Bürger mit in die Gespräche mit den anderen Kreistagsfraktionen nehmen würden. Er machte Mut, sich zu äußern und sagte die Unterstützung der Fraktion zu. „Wir werden eine Verordnung haben müssen“, schloss er sich dem CDU-Kreistagsvorsitzenden Friedrich-Otto Ripke an. Der selber betroffene Landwirt und Politiker aus Eilte kündigte an, Flächen aus seinem Gebiet als Naturschutzgebiet anzubieten: „Um zu zeigen, dass auch die Landwirtschaft kooperativ ist.“

Der CDU-Samtgemeindeverband Rethem überreichte Ripke ein „Positionspapier“, in dem sich die örtlichen Politiker deutlich vom vorgelegten Verordnungsentwurf distanzieren. Warum werde nicht auf einen anderen Vorschlag eingegangen? Es müsse, so die Rethemer CDU, ein „Mindestentwurf“ her.

Samtgemeindebürgermeister Cord-Brün Voige regte sich über das drohende Betretungsverbot auf und bezeichnete es als „skurril“. „Als ich die Verordnung sah, war ich schockiert.“ Wie sollten Badestellen erreicht werden, wenn der Weg dorthin durch die Ausweisung eines Naturschutzgebietes versperrt werde? Der Teich im Londy-Park solle ebenfalls unter Schutz gestellt werden. Wie sollten die Wegeführungen in Zukunft verlaufen? Hier sei kräftig nachzuarbeiten.

Renate Rodewald, Vorsitzende des CDU-Samtgemeindeverbandes: „Wir lehnen diesen Entwurf ab.“

Ripke reagierte prompt und deutlich: „Wir haben diesen Verordnungstext bereits entdeckt. Es sind erste Gespräche mit der SPD und den Grünen geführt worden, die uns ihre Unterstützung zugesagt haben, damit es hier nicht zu einem Betretungsverbot kommt.“

Ein Vorwurf an die Untere Naturschutzbehörde lautete, dass alte Kartierungen verwendet worden seien. Einige Verläufe der Aller seien längst überholt. Aber auch die Feststellung, die bei den aktuellen Diskussionen immer wieder zu hören ist, dass die Landwirte keine Entschädigungszahlungen wollen, „sondern Futter für unser Milchvieh“. Es ging um Einbußen beim Eigentum, um Besitzverhältnisse und vieles mehr. Die anwesenden Kreispolitiker erhielten neue wichtige Hinweise, die sie in ihren Ausschuss beim Heidekreis mitnehmen werden. Norden: „Wir werden der Unteren Naturschutzbehörde viele Fragen stellen.“ Es sei noch viel zu tun.

Einig waren sich die Teilnehmer in Rethem darin, dass Deichschutz über Naturschutz geht. Das schreibe auch das Gesetz fest. Ein Teilnehmer wies darauf hin, dass bei Veränderungen, gerade bei der Pflege der Deiche, Wasserströmungen verändert würden. „Und wir alle wollen nicht, dass die Hainholzstraße einmal wieder überflutet wird.“

Die CDU-Politiker ermutigten die Besucher, die Möglichkeit von Einwendungen wahrzunehmen. „Holen Sie sich notfalls Rechtsbeistand“, empfahl Ripke. Der Tenor des Treffens: der Verordnungsentwurf soll von den Kreistagabgeordneten und der Verwaltung noch einmal in die Hand genommen und durchgearbeitet werden. Die Bevölkerung der Region hat es verdient, dass ihre Belange mehr Gehör finden.  

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