Elisabeth Witzke berichtet über das Leben ihres Vaters Wilhelm Wehland

Trauer nicht das Schwerste

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Elisabeth Witzke erläutert , wo ihr Vater als Soldat eingesetzt wurde. Links im Bild Lehrerin Christiane Schmid.

Rethem - „Was wurde aus dem Hof?“, „Was hat Hitler den Landwirten versprochen?“, „Wie haben Sie sich gefühlt, als Ihr Vater nicht zurückkam?“ Diese und andere Fragen stellten Rethemer Oberschüler am Donnerstag an Elisabeth Witzke. Die 76-Jährige wuchs in Rethem auf und erzählte über das Schicksal ihres Vaters Wilhelm Wehland. Der Landwirt wurde 1945 als vermisst gemeldet und später für tot erklärt.

Der Besuch der in Bremen lebenden Seniorin diente der Vorbereitung des Volkstrauertages in Rethem, der seit Jahren von Schülern unter der Leitung von Christiane Schmid mitgestaltet wird.

Elisabeth Witzke bedankte sich im Namen ihrer Geschwister bei den Schülern, dass sie sich des Themas annehmen. „Ich würde es schön finden, wenn ihr nicht nur der deutschen Soldaten gedenkt, sondern allen, die in den beiden Weltkriegen Schlimmes erlebt haben.“ Das gelte auch für die Soldaten anderer Länder. Heutige Kriegsschauplätze sollten sie ebenfalls vor Augen haben, mahnte die 76-Jährige.

Aufmerksam verfolgten die Jugendlichen die Schilderungen von Elisabeth Witzke.

Die Seniorin beschrieb den Werdegang ihrer Familie und ihre Kindheit. Großvater und Vater hätten den Hof in der Junkernstraße betrieben. Leider habe sie keine konkreten Erinnerungen an ihren Vater. „Ich denke, dass alles so schlimm war, dass ich es zurückgedrängt habe.“ Sie sei im Juni 1939 geboren worden, vier Monate später habe der Krieg begonnen.

Als Jugendliche habe sie Briefe gefunden, die sich ihre Eltern geschickt hatten. Darunter seien Liebesbriefe gewesen, die sie gelesen habe, so Elisabeth Witzke. Sie habe darin ihren Vater als ernsten und verantwortungsbewussten Mann kennen gelernt. Wilhelm Wehland habe den ungünstig liegenden Hof Ende der 20er-Jahre übernommen. Es sei eine schwierige Zeit gewesen, berichtete Elisabeth Witzke. In der Weltwirtschaftskrise sei es den Bauern nicht gut gegangen. Ihre Eltern hätten die Nationalsozialistische Partei gewählt – in der Hoffnung, dass unter Hitler alles besser wird.

1941 sei Wilhelm Wehland eingezogen worden. Seinen letzten Urlaub habe er von Dezember 1944 bis zum 20. Januar 1945 in Rethem verbracht, da sei sie fünfeinhalb Jahre alt gewesen, so Elisabeth Witzke. Er sei vorher schwer verwundet worden und Wilhelms Bruder Erich habe ihn gebeten, mit der Begründung zu schwach zu sein, zuhause zu bleiben. Doch Wilhelm habe gesagt, dass er seine Kameraden nicht im Stich lassen könne. Und in einem späteren Brief schrieb er: „Meiner Pflicht kann ich mich nicht entziehen.“

Zeitzeugin trifft

Rethemer Oberschüler

Letztes Lebenszeichen von Wilhelm Wehland war ein Brief vom 26. März 1945. Nur einen Tag später wurde er als vermisst gemeldet. „Mit großer Wahrscheinlichkeit ist er in Polen ums Leben gekommen.“ Und obwohl sich ihre Mutter und Großmutter große Hoffnungen gemacht hätten, habe niemand mehr etwas von Wilhelm Wehland gehört.

Mit ihren Geschwistern habe sie 1995 die Gedenkstätte in Seelow, Polen, besucht. Dort seien 12000 deutsche und 33000 russische Soldaten ums Leben gekommen. „Es war verdammt schwer“, erinnerte sich Elisabeth Witzke. Die Trauer sei das eine. Noch schwerer für sie sei es gewesen, dass ihr Vater es als seine Pflicht angesehen habe, in den Krieg zu gehen und sein Leben zu opfern. Seine Haltung könne und wolle sie nicht beurteilen. Verurteilen könne sie ihn nicht. „Wir haben heute die Möglichkeit, uns vielfältig zu informieren.“ Das habe es damals nicht gegeben. Sie habe auch ihre Mutter gefragt, wie sie die Nationalsozialisten habe wählen können. „Ich war schockiert.“ Mittlerweile sei ihr klar, dass sie sich nicht in die damalige Situation hineinversetzen könne.

„Für meinen Vater hat es nie eine Gedenk- oder Trauerfeier gegeben, keinen Ort, an den wir hätten gehen können“, sagte Elisabeth Witzke. „Es ist bewegend, dass ihr an unseren Vater erinnern wollt.“

sal

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