Einstimmige Mehrheit im Rat

Eine Tagespflege für Häuslingen

Senioren am Tisch
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Gemeinsam den Tag verbringen und abends wieder nach Hause: Eine Tagespflege erlaubt es Senioren, möglichst lange bei der Familie zu bleiben, und bietet pflegenden Angehörigen eine Pause.

Häuslingen – Es liege ihr selber „sehr am Herzen“, schreibt Häuslingens Bürgermeisterin Dr. Kathrin Wrobel über das Projekt Tagespflege, das sie unter dem Titel „Wi bliewt tohuus“ für die Gemeinde anschieben und letztlich auch umsetzen möchte. Der Gemeinderat folgt ihr schon mal. Einstimmig votierte das Gremium auf seiner Sitzung am Mittwochabend für den Vorschlag.

Ein Ort für die zeitweise Betreuung pflegebedürftiger Personen

Der Wunsch, in Häuslingen einen Ort zu schaffen, an dem „pflegebedürftige Personen oder Personen, die allein nicht mehr zurechtkommen, temporär (stundenweise und tageweise) durch entsprechend ausgebildete Kräfte betreut werden“, so formuliert es Wrobel in der Beschlussvorlage für den Gemeinderat, er ist persönlichen Erfahrungen der Juristin entsprungen. Ihr eigener Vater habe an Alzheimer gelitten, sieben lange Jahre. „Er war physisch top gesund“, sagt Wrobel. Das Gehirn aber sei sehr krank gewesen.

Verlässliche Hol- und Bringzeiten wichtig

Tochter und Mutter kümmerten sich um den Senior. Er war aber auch Gast der Tagespflege, die der Paritätische Verein Heidekreis in Bomlitz betreibt. Eine Entlastung für die Angehörigen, zweifellos. Die Wrobels haben jedoch die Erfahrung gemacht, dass der von der Bomlitzer Tagespflege angebotene Fahrdienst seine Hol- und Bringzeiten aufgrund des großen Einzugsgebietes kaum genau einhalten konnte. „Insbesondere für berufstätige Angehörige ist dies eine sehr missliche Situation“, meint die Bürgermeisterin.

Dass sie eine solche ergänzende Pflegeeinrichtung gerne in ihrer Heimatgemeinde etablieren möchte, hat aber noch andere, gewichtigere Gründe.

Tagespflege als Standortfaktor

So sieht Wrobel in einer Tagespflege eine Art Standortfaktor, der für eine zunehmende Zahl Menschen bei der Wahl des Wohnortes eine Rolle spielt, neben den Betreuungsangeboten für die Kinder. Häuslingen verfügt über eine Kita, Krippe und Schulen in Rethem sind nur wenige Kilometer entfernt. Bei der professionellen Betreuung von Pflegebedürftigen hat Wrobel aber eine Versorgungslücke ausgemacht. Sie sei „im weiten Umkreis nicht vorhanden“.

Senioren möchten gewohnte Umgebung behalten

Außerdem hält die Bürgermeisterin Wrobel es mit dem Sprichwort von alten Bäumen, die man nicht mehr verpflanzt. Es habe sich vielfach gezeigt, dass Senioren ihre gewohnte Umgebung vermissen. Wrobel: „Das wirkt sich auch auf den psychischen Zustand aus.“ Daher wolle sie erreichen, dass die Menschen trotz Altersbeschwerden oder Pflegebedürftigkeit in Häuslingen wohnen bleiben könnten. „Dort, wo sie oft noch geboren und aufgewachsen sind, geheiratet und ihre Familien gegründet haben, in ihrem Zuhause.“

Suche nach potenziellem Standort

Einen potenziellen Standort gibt es in Häuslingen bislang nicht. „Wir sind noch auf der Suche“, sagt Wrobel. Wie das Gebäude beschaffen sein sollte, darüber hat sie sich freilich schon so ihre Gedanken gemacht.

Aufenthaltsräume und offene Mensa

Demnach sollte das Haus Raum bieten für Aufenthaltsräume sowohl für Gäste als auch für Mitarbeiter, einen Ruheraum, Büro, Küche und eine offene Mensa. Hier, so die Idee, würden nicht nur die Betreuten essen, sondern auch andere Senioren, die nach Anmeldung vorbeikommen und dann vielleicht noch auf einen Klönschnack blieben.

Die Demenz-Erkrankung habe sich bei ihrem Vater unter anderem in einem ausgesprochen großen Bewegungsdrang niedergeschlagen, berichtet Kathrin Wrobel weiter. Bis zu 25 Kilometer habe er, der „immer ein supersportlicher Mensch“ gewesen sei, täglich zurückgelegt.

Ausreichend großes Freigelände

Diese Rastlosigkeit ist relativ typisch für den Verlauf der Alzheimer-Krankheit. Sollte eine Tagespflege in Häuslingen also auch für davon Betroffene nutzbar sein, müsste sie über einen Garten, ein ausreichend großes Freigelände verfügen.

Betreiber signalisieren Interesse

„Ein entsprechendes Grundstück zu finden, gestaltet sich wohl als die schwierigste Herausforderung“, schreibt Kathrin Wrobel in der Unterlage für den Rat. Grundsätzlich ist für sie sowohl ein Neubau als auch die Nutzung eines bestehenden Gebäudes denkbar. Erste Gespräche mit potenziellen Betreibern der Tagespflegeeinrichtung habe sie bereits geführt, berichtet Wrobel. Und die hätten durchaus Interesse an dem Projekt gezeigt.

Gründung einer Arbeitsgemeinschaft

Jetzt gehe es aber zunächst um den Grundsatzbeschluss, um Geld für die weitere Planung – 5000 bis 8000 Euro – noch in den diesjährigen Haushalt einstellen zu können. Kosten, die über Mittel der Dorferneuerung auch bezuschusst werden könnten, betont Wrobel. Gleichzeitig verständigte sich der Gemeinderat auf die Gründung einer Arbeitsgemeinschaft. Sie solle unter anderem die Suche nach einem passenden Grundstück oder Gebäude aufnehmen, oder zumindest die Modalitäten ausloten.

Einrichtung mit 15 bis 20 Plätzen

Eine Einrichtung, die 15 bis 20 Plätze vorhält, in dieser Größenordnung denkt die Bürgermeisterin. Dass die Tagespflege nicht allein von der die 900 Einwohner starken Gemeinde Häuslingen gefüllt werden kann, ist ihr klar. Auch Menschen aus Nachbarkommunen sollen kommen können. „Das ist keine exklusive Veranstaltung.“

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