Ina und Andreas Beckefeld betreiben Tierhilfe „Moskito“ in Rethem

Ein großes Herz für Hunde

Gleich im Dutzend ist neuer Hundenachwuchs in Rethem angekommen. Übereinander purzelnd und sich spielerisch raufend, erobern die Kleinen ihr Terrain. 
Fotos: Niemann
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Gleich im Dutzend ist neuer Hundenachwuchs in Rethem angekommen. Übereinander purzelnd und sich spielerisch raufend, erobern die Kleinen ihr Terrain.

Rethem – Der alte Artus kommt auf krummen Beinchen in den Garten gewackelt. Dort peilt er die Lage und trollt sich gleich wieder in Richtung Wohnhaus, wo er sich in seinem Körbchen zusammenrollt. Der Mischling scheint bei Ina und Andreas Beckefeld das große Los gezogen zu haben; der betagte Hundeherr ist bereits 20 Jahre alt. Wie schon die inzwischen verstorbene Kimba – im Jahr 2003 das Hochzeitsgeschenk mit Fellnase – wurde Artus ganz bewusst für die eigene Familie angeschafft.

Anders als die unzähligen Vierbeiner, die das Rethemer Ehepaar mithilfe von Gleichgesinnten seit vielen Jahren in seiner als tierheimähnlich anerkannten Einrichtung „Tierhilfe Moskito“ aufnimmt und vermittelt. Die Besonderheit: Sie nehmen auch trächtige Hündinnen auf und scheuen vor aufwändigen und arbeitsintensiven Handaufzuchten nicht zurück.

2010 haben Beckefelds erstmals Welpen von Hand aufgezogen, deren Mutter bei der Geburt verstorben war. Und dann ging es los. „Tierheime und Organisationen begannen, bei uns um Unterstützung nachzufragen. Bis heute.“ Ina und Andreas Beckefeld teilen nicht nur Haus und Garten an der Rodewalder Straße, sondern ihr gesamtes Leben mit den Tieren. Zurzeit tummeln und raufen sich auf ihrem Grundstück zwölf Welpen und Junghunde, Neuankömmlinge, die Ina Beckefeld gerade in Bayern übernommen hat. „Die Tiere stammen aus dem kroatischen Tierasyl Spas Varazdin, mit dem wir sehr eng kooperieren“, erzählt sie. Zwar werde das Projekt in erster Linie unterstützt, aber auch Tiere anderer Organisationen und Initiativen und aus Deutschland würden nicht vergessen.

Aus Besuchersicht ist es erstaunlich, wie ruhig die Tiere nebeneinander leben. Nur ab und zu ist ein Bellen zu hören. Der Hundenachwuchs spielt und tollt umher und schaut neugierig, wer sich da außerhalb des Welpenareals zu schaffen macht. Ina Beckefeld kennt die Jungtiere bereits alle beim Namen und führt mit Akribie Buch über jeden ihrer Mitbewohner. Impfungen, Wurmkuren oder gegebenenfalls auch Krankheiten werden genau notiert.

Ina und Andreas Beckefeld mit Senior Artus, der 20 Lebensjahre erreicht hat.

„Unser Ziel ist es natürlich, die Tiere bald an neue Besitzer zu vermitteln“, erzählt Ina Beckefeld. Wer auf der Homepage der Hundehilfe Moskito stöbert, sieht, dass das gut gelingt. „Welpen werden am schnellsten vermittelt. Das dauert durchschnittlich nur zwei bis acht Wochen. Für erwachsene Hunde findet sich in der Regel nach vier bis sechs Monaten ein neuer Besitzer, während es bei alten Hunden auch Jahre dauern kann. Erst kürzlich haben wir einen Hund vermittelt, der drei Jahre bei uns gelebt hat.“ Und hin und wieder komme es auch vor, dass eines der Tiere bei ihnen bleibe.

Dass die Hunde nicht nur viel Arbeit machen, sondern viel Geld kosten – Zuschüsse von Stadt oder Landkreis gibt es nicht – verhehlt das Ehepaar nicht. „Wir lieben nun einmal die Tiere“, lautet schlicht die Antwort auf die Frage, warum es sich diese Belastung antut. Seit Jahren haben die Beckefelds keinen Urlaub mehr gemacht. In den Ferien verreisen nur die Kinder, während sich die Eltern auf Tagesausflüge an die Ostsee beschränken, zu denen immer ein Teil des Rudels mitgenommen wird.

Unglücklich wirkt das Paar aber nicht, im Gegenteil. „Wir sind glücklich, wenn wir erleben, dass es hier den Tieren gut geht. Selbst wenn man hin und wieder an seine Grenzen stößt.“

Ohne Hilfe ist die selbstlose Aufgabe nicht zu bewältigen. „Wir werden von mehreren engagierten Menschen unterstützt“, sagt Ina Beckefeld, die hauptberuflich als Krankenschwester arbeitet. Manche Helfer kämen täglich, andere unterstützen das Projekt durch Pflegestellen oder bei der Vermittlung. Die Tierhilfe wie ein Unternehmen zu führen, das schwarze Zahlen schreibt, sei Utopie, sagt die Tierschützerin, die die Kosten primär aus der Schutzgebühr stemmt, die die Tierhilfe für die Vermittlung nimmt. „Wir sind am Ende eines Monats froh, wenn sich Ein- und Ausgaben die Waage halten. Doch immer wieder buttern wir privates Geld zu.“ Und als wenn es nicht genug Arbeit gäbe, nimmt das Ehepaar tierische Gäste in Pension. Außerdem bildet sich Ina Beckefeld in Sachen Ernährungsberatung für Tiere fort, um das Wissen als Dienstleistung anzubieten.  nie

Kontakt: Die „Tierhilfe Moskito“ stellt sich und ihre vierbeinigen Schützlinge im Internet auf der Facebook-Seite unter „Tierhilfe-Moskito“ vor. Interessenten können sich auch unter der E-Mail-Adresse ina.beckefeld@tierhilfemoskito.de sowie telefonisch unter der Handynummer 0177/6492028 an die Tierschützerin wenden.

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