„Eigentlich ein geiler Job“

Hofgespräch in Wohlendorf mit Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast

Beim Hofgespräch (v.l.): Simon Kopmann, Renate Rodewald, Gudrun Pieper und Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast.

Wohlendorf - Simon Kopmann, Milchbauer aus Wohlendorf, ist mit seiner Berufswahl zufrieden: „Das ist doch eigentlich ein geiler Job.“ Wenn da nicht die ständige Kritik an seinem Berufsstand wäre: von Umweltvergiftung bis Massentierhaltung. Die Wertschätzung der Landwirtschaft war eines der Themen beim Hofgespräch mit Ministerin Barbara Otte-Kinast.

Dazu hatten für Mittwochabend die CDU-Landtagsabgeordnete Gudrun Pieper und Renate Rodewald, Vorsitzende des CDU-Samtgemeindeverbandes Rethem, auf den Hof der Familie Kopmann eingeladen. Die Ministerin hatte die Wohlendorfer Betriebsinhaber schon bei einer ihrer ersten Amtshandlungen kennen gelernt, der Übergabe des Milchland-Preises 2017. Eine solche Auszeichnung hatte der Betrieb schon 2014 erhalten.

Die Veranstalter freuten sich am Mittwoch über Besucher aus dem ganzen Heidekreis, von Munster und Wietzendorf bis Schwarmstedt. Renate Rodewald: „So viel Interesse, das macht schon Spaß.“ Gudrun Pieper: „Schön, auch mal einen authentischen Veranstaltungsort zu haben.“

Nachdem Simon Kopmann seinen 180-Hektar-Betrieb mit überwiegend Grünland und mittlerweile 330 Kühen vorgestellt hatte, folgte eine rege Diskussion mit der Ministerin, die den Besuchern auch einen kleinen Einblick in ihren Arbeitsalltag gewährte. Der Job, den die Fachfrau aus der Landwirtschaft seit November ausübt, erfordert Otte-Kinast zufolge einen täglichen Arbeitseinsatz von 15 bis 18 Stunden. „Für mich ist das jetzt ein ganz anderes Leben“, sagte sie. Wenn eine Ministerin aus der Praxis komme, dann seien die Erwartungen natürlich riesengroß. Und die könne sie nun mal nicht alle erfüllen.

Die Besucher saßen an langen Bänken. Vorne: Die Walsroder CDU-Chefin Uta Paschke-Albeshausen im Gespräch mit Ernst-Walter Vollmer, stellvertretender Vorsitzender des Rethemer CDU-Samtgemeindeverbandes. - Fotos: Fred Raczkowski

Wie groß die Erwartungen aus der Landwirtschaft sind, zeigte sich beim Hofgespräch. Vor allem die Ausweisung der FFH-Gebiete, mit denen große Flächen unter Natur- oder Landschaftsschutz gestellt werden sollen, erregt nach wie vor die Gemüter. „Hier gibt es kein Vertrauen in unsere Ämter und Behörden mehr“, war mehrfach zu hören. Auch der Ministerin ist klar: „Da brennt die Luft in den Flächengemeinden.“ In vielen Landkreisen werde die Ausweisung der Flächen deutlich übertrieben: „Da ist dann wirklich keine Landwirtschaft mehr möglich.“

Wie die fehlende Wertschätzung der Landwirtschaft in der Öffentlichkeit ausgeglichen werden könnte, dafür hat auch Otte-Kinast kein Patentrezept. Da wird dem Bauern auch schon mal der Stinkefinger gezeigt, wenn er mit dem Trecker unterwegs ist, wusste Simon Kopmann zu berichten. Rat der Ministerin: Sich auch mal Zeit nehmen und mit den Leuten am Feldrand reden, sie vielleicht mal auf dem Trecker mitnehmen. Otte-Kinast: „Mein Job ist es, gut über die Landwirtschaft zu sprechen.“

Große Unsicherheiten in der Zukunftsplanung und eine ausufernde Bürokratie gehörten zu den Ärgernissen, die ebenfalls angesprochen wurden. Beispiel: Rita Oestmann ist im Rethemer Familienbetrieb für die Meldung des Wirtschaftsdüngers zuständig. Ein kompliziertes Verfahren. Nur ein einziges Mal habe sie einen Haken an der falschen Stelle gesetzt und schon seien 125 Euro Bußgeld fällig gewesen.

Viel Beifall gab es für die Aufforderung, die CDU müsse in diesen Fragen einfach „lauter werden.“ Dem stimmte die Ministerin zu, die seit ihrem Amtsantritt viel Kritik einstecken musste – auch aus den eigenen Reihen. Zu ihren politischen Zielen meinte Otte-Kinast abschließend: „Wenn Kinder im Schulbus sagen, meine Mama ist Bäuerin und ich bin stolz auf sie, dann habe ich meinen Job gut gemacht.“ 

fra

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