DRK-Helfer im Flüchtlingscamp Fallingbostel-Ost auch an Festtagen im Dienst

24 Stunden einsatzbereit

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Auf der Weihnachtsfeier kamen sich Helfer mit und ohne Migrationshintergrund näher.

Bad Fallingbostel - Die vielen freiwilligen Helfer im Flüchtlingscamp Fallingbostel-Ost hatten in den vergangenen Wochen und Monaten viel zu tun. Teilweise haben sie bis an ihre Grenzen gearbeitet, um die dem Camp zugewiesenen Flüchtlingen willkommen zu heißen. In ihrer Hand lag es, den Menschen nach den teils traumatischen Fluchterlebnissen menschliche Begleitung und die Versorgung mit dem Nötigsten zukommen zu lassen.

Reiner Heming, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes, und sein Leitungsteam mit Mirco Schröder, Ralf Wiechers und Dennis Protz wissen, wovon sie reden, wenn sie von ihrem Alltag in dem Erstaufnahmelager berichten. Und jetzt steht Weihnachten vor der Tür. Was machen da die Helfer? Haben sie auch Zeit für sich und ihre Familien?

Der DRK-Chef und seine Mitarbeiter kennen das: Gerade noch hat man die Hoffnung gehabt, durchatmen zu können, sich privat etwas vorzunehmen, dann kommt unverhofft die nächste Meldung vom Land Niedersachsen: Wieder kommen Flüchtlinge. „Wir sind auf alles vorbereitet. Das gilt auch für die Feiertage, wenn weitere Menschen zu uns kommen sollten“, sagt Rainer Heming.

Man sei ja sowieso da, um die Menschen im Camp ordentlich zu versorgen, so der DRK-Chef. Seine Mitstreiter im Leitungsteam nicken zustimmend. Auf Seiten der Angehörigen der Helfer wäre im „Fall der Fälle“ mal wieder viel Verständnis für die humanitäre Arbeit des Deutschen Roten Kreuzes gefragt.

Warum macht man diese Arbeit überhaupt? Die Antwort kommt spontan und unmissverständlich. „Wenn man beim DRK ist, dann will, dann muss man helfen“, so Rainer Heming.

Man habe in den vergangenen Monaten im Umgang mit den Menschen im Camp viel gelernt, sind sich Heming und Schröder einig. Der DRK-Leiter: „Man spürt zunächst mal bei der überwiegenden Zahl der aufgenommenen Menschen eine große Dankbarkeit. Und zunehmend bekommt man Kontakte zu den Menschen, erfährt viel über ihre größtenteils schrecklichen Fluchterlebnisse. Im Umgang miteinander wird deutlich, was es bedeutet, aus seiner Heimat fliehen zu müssen, Angst um Frau und Kinder zu haben.“

Bald wachse auch das gegenseitige Vertrauen, so Schröder, und die Flüchtlinge würden offener und herzlicher gegenüber Helfern. Auch den etwas ungeduldigen Flüchtlingen – „eine kleine Minderheit“, betont Heming – begegne man mit Geduld und Verständnis.

„Wir sorgen dafür, dass Familien nicht auseinander gerissen werden und die Kinderbetreuung, Deutschunterricht und Freizeitbeschäftigungen“, unterstreichen Schröder und Heming. „All unsere Maßnahmen sorgen für ein relativ entspanntes Leben im Camp-Ost“, sind sie überzeugt.

Besonders die syrischen Flüchtlinge seien wahre Familienmenschen. Ihre Offenherzigkeit sei auffällig. Etliche seinen traurig, wenn sie aus dem Camp heraus müssen und einer neuen Kommune zugewiesen würden. So mancher Flüchtling habe den Wunsch geäußert, den Ausgang seines Asylverfahrens im Camp Bad Fallingbostel abwarten zu dürfen.

Die Arbeit mit den Menschen aus fremden Kulturen sei bereichernd, bestätigt Schröder. Man erlebe sehr viel Dankbarkeit und menschliche Wärme als Lohn.

Über eine ähnliche Erfahrung weiß der pensionierte Lehrer Günther Pankoke aus Bad Fallingbostel zu berichten. Er ist einer der freiwilligen Deutschlehrer im Camp. Im Zuge des mehrwöchigen Sprachunterrichts entstünden Kontakte, so der ehemalige Schulleiter. „Die Menschen wachsen einem ans Herz.“

Als kürzlich eine größere Gruppe seiner Schüler aus dem Camp heraus einer Kommune zugewiesen worden sei, habe er sie zum Abschied zu einem Kaffee in sein Haus eingeladen. Das sei eine wunderbare Erfahrung gewesen.

Inzwischen hat das Deutsche Rote Kreuz 60 Mitarbeiter mit Migrationshintergrund für die Arbeit im Camp Bad Fallingbostel Ost eingestellt. Sie leben zum Teil schon länger in Deutschland und sind als Übersetzer und Lehrer wertvolle Hilfen.

Kürzlich habe man diese neuen Mitarbeiter von einer ganz anderen, sehr menschlichen Seite kennen gelernt, berichten Rainer Heming und Mirco Schröder, denn 50 von ihnen seien der Einladung zu einer DRK-Weihnachtsfeier im Hotel Forellenhof gefolgt.

Es sei eine sehr offene, harmonische, alkoholfreie Feier gewesen, so Heming. Man sei sich dabei menschlich noch näher gekommen. Das werde sich sicher auf die tägliche Arbeit im Camp auswirken.

hf

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