Nach mehr als 31 Jahren:

Kita Häuslingen: Annedore Blank geht in den Ruhestand

Annedore Blank sitzt mit Hund Odi im Garten.
+
Annedore Blank mit Hund Odi im Garten. Auch hier will sie im Ruhestand mehr Zeit verbringen.

31 Jahre hat sich Annedore Blank liebevoll um den Häuslinger Nachwuchs gekümmert. Jetzt geht sie in den Ruhestand.

  • Den Abschied hätten sich wohl alle anders vorgestellt.
  • Die Kindergärtnerin ist bereits seit sieben Monaten zuhause.
  • Die Kinder vermisst sie schon jetzt.

Häuslingen – „Man kann ja gar keinen Abschied feiern“, sagt Ingrid Ohlmeier und dabei schwingt viel Bedauern mit. Gern würde die Leiterin des Kindergartens Häuslingen Annedore Blank mit einem schönen Fest zum 1. März in den Ruhestand schicken. Nun bleibt nur der Tipp an die Presse, damit der langjährige Einsatz der Kollegin wenigstens so gewürdigt werden kann.

Aus dem Spielkreis wurde der Kindergarten

Zum 1. September 1989 stellte die Gemeinde die gebürtige Häuslingerin ein. Erste Erfahrungen in Sachen Betreuung hatte die dreifache Mutter zuvor schon im Spielkreis gesammelt, der in einem Gebäude auf dem Sportplatz untergebracht war. Aus dem Spielkreis wurde später der Kindergarten; von der wenig geeigneten Unterkunft ging es zunächst in ein kleines Häuschen an der Ecke Mühlenweg, ehe vor 16 Jahren das jetzige, kindergartengerechte Domizil an der Bahnhofstraße bezogen werden konnte. Immer dabei: Annedore Blank, mehr als 31 Jahre lang.

„Ich wollte eigentlich schon immer was in Richtung Kinder machen“, berichtet die 63-Jährige. Nach Abschluss der Schule in Rethem absolvierte sie dann jedoch in Walsrode eine Ausbildung zur Damenschneiderin.

Ihren jüngsten Sohn konnte sie quasi hauptamtlich betreuen

Zehn Jahre blieb sie in dem Beruf, ehe Heirat und die Geburten der drei Kinder sie zunächst daheim bleiben ließen. Dann aber suchte die Gemeinde Häuslingen eine Krankheitsvertretung für den Spielkreis und Annedore Blank griff zu. Der praktische Nebeneffekt: Der jüngste Sohn der Blanks war gerade im Kindergartenalter. Den konnte seine Mama nun quasi hauptamtlich betreuen.

Berufsbegleitend besuchte die Quereinsteigerin diverse Schulungen, legte nach drei Jahren vor der Bezirksregierung Lüneburg ihre Prüfung ab. Seitdem ist sie Spielkreisgruppenleiterin und als sogenannte Zweitkraft in dem kleinen, familiären Häuslinger Kindergarten tätig.

Sie hätte sich gerne richtig verabschiedet

„Ich fand das eine schöne Aufgabe“, sagt sie mit Wehmut in der Stimme. Zwar beginnt ihr Ruhestand offiziell erst in wenigen Tagen. Aufgrund einer Erkrankung gehört sie aber einer Risikogruppe an und ist daher bereits seit sieben Monaten zu Hause. „Es fehlt. Der Umgang mit den Kindern fehlt“, beschreibt sie ihre Gefühle. Und sie bedauert, dass sie sich nicht richtig verabschieden konnte.

Die Häuslingerin hängt sehr an ihrem Beruf. Das machen ihre Worte deutlich.

Obwohl in den zurückliegenden drei Jahrzehnten doch vieles anders geworden ist. Die Bürokratie habe zugenommen, weil so vieles aus dem Kita-Alltag dokumentiert werden müsse. Und auch die Kinder seien anders. „In Sachen Technik machen sie uns was vor.“ Dafür seien die Mädchen und Jungen früher selbstständiger gewesen, findet Annedore Blank.

„Es gibt nichts Schöneres als das Strahlen in den Augen der Kinder.

Annedore Blank

Aber eins ist geblieben: „Es gibt nichts Schöneres als das Strahlen in den Augen der Kinder“, schwärmt sie. Die Kleinen seien offen und ehrlich. „Auch sehr direkt“, fügt sie hinzu. „Aber das ist es, was ich liebe.“

Die vielen Mädchen und Jungen, die in den drei Jahrzehnten in Annedore Blanks Obhut waren, müssen diese Zuwendung gespürt haben. Sonst hätten sie und ihre Familien ihr kaum Briefe zum vergangenen Weihnachtsfest geschickt. „Manchmal liegt auch ein selbst gemaltes Bild im Postkasten“, erzählt sie.

Mittlerweile ist die erste Generation, die von Annedore Blank betreut wurde, groß und hat selber Nachwuchs – der dann oft ebenfalls den Häuslinger Kindergarten besucht(e). „Man hat doch ganz schön viele Leute kennengelernt“, sagt Annedore Blank ein wenig staunend.

Fasching war nicht so ihr Ding

Wie viele werden sich wohl erinnern an die Frau, die mit ihnen in der Puppenecke auch schon mal die Rolle des Babys übernahm, die mit ihnen auf dem Teppich lag und mit Lego baute, im Sandkasten matschte oder mit ihnen in Wimmelbüchern stöberte? Die bei Nachtwanderungen wusste, wo es Glühwürmchen zu beobachten gibt. Und die beim Fasching jedes Jahr gute Miene machte, obwohl sie es gar nicht mag, sich zu verkleiden, wie sie lachend verrät.

Es sind sicher einige. Denn schon häufig stand plötzlich ein Erwachsener vor Annelore Blank und fragte: „Ey, kennste mich nicht mehr?“, weil er in ihr seine ehemalige Betreuerin erkannt hatte. Oder die Tagesmutter. Denn nach dem Feierabend nahm sich die Häuslingerin oft noch „Arbeit“ mit nach Hause. Sie kümmerte sie um Kinder, deren Mütter und Väter über die Öffnungszeiten der Kitas hinaus arbeiten mussten.

Dreifache Großmutter hat jetzt andere Pläne

Weil ihr die Kinder so fehlten, kann sich Annelore Blank vorstellen, auch im Ruhestand noch dann und wann als Tagesmutter einzuspringen. Ansonsten hat die dreifache Großmutter aber erst einmal andere Pläne, die freilich erst nach Ende der Pandemie umzusetzen sind.

„Ich habe mir vorgenommen, mein Englisch aufzufrischen“, berichtet die 63-Jährige. „Und uns fehlt das Meer“, spricht sie aus, was auch ihr Ehemann denkt. Spaziergänge an der Ostsee, „sich so richtig durchpusten lassen“, das wäre jetzt genau das Richtige.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Antifa-Demo gegen rechte Gewalt zieht durch Syke

Antifa-Demo gegen rechte Gewalt zieht durch Syke

Blutiger Dornfelder: ein Krimi-Rotwein-Paket zum Genießen

Blutiger Dornfelder: ein Krimi-Rotwein-Paket zum Genießen

Trauerfeier für Prinz Philip am kommenden Samstag

Trauerfeier für Prinz Philip am kommenden Samstag

Große Anteilnahme am Tod Prinz Philips

Große Anteilnahme am Tod Prinz Philips

Meistgelesene Artikel

Bisher keine positiven Befunde

Bisher keine positiven Befunde

Bisher keine positiven Befunde

Inzidenzwert bei bei 115,9

Inzidenzwert bei bei 115,9
„Wir sind in absoluter Feierlaune“

„Wir sind in absoluter Feierlaune“

„Wir sind in absoluter Feierlaune“
Heidekreis: Zwei Impfstrecken geschlossen

Heidekreis: Zwei Impfstrecken geschlossen

Heidekreis: Zwei Impfstrecken geschlossen

Kommentare