Von der ersten Idee bis zur Erfolgsstory: Frank Leverenz blickt auf 15 Jahre Burghof zurück

„Das war ja nicht ich, das waren wir“

Abgesehen von der aktuellen Corona-Zwangspause soll der Burghof auch künftig ein erfolgreiches Kulturzentrum sein. Für Rethem und für die ganze Region. 
Archivfoto: Elling
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Abgesehen von der aktuellen Corona-Zwangspause soll der Burghof auch künftig ein erfolgreiches Kulturzentrum sein. Für Rethem und für die ganze Region. Archivfoto: Elling

Rethem – Fast zehn Jahre war Rethems Bürgermeister Frank Leverenz Vorsitzender des Burghof-Vereins. Jetzt sollen andere ran. Für die Verdener Aller-Zeitung erinnert sich der 61-Jährige, wie damals alles angefangen hat.

Man hat mittlerweile fast das Gefühl, der Burghof war schon immer da. Aber das stimmt natürlich nicht. Gerade einmal 15 Jahre ist er alt. Wissen Sie noch, wer damals zuerst die Idee hatte?

Leverenz: Ursprünglich ist das Peter Rabe gewesen. Ich selbst bin seit 1996 im Rat. Schon da hat er immer wieder gesagt: „Wir brauchen ein Kulturzentrum.“ Mein Vorgänger im Amt, Dieter Oestmann, hat diese Idee vertieft, versucht, Fördergelder einzuwerben. Anfang der 2000er-Jahre fiel dann die Entscheidung für den Bau.

Waren die Rethemer begeistert von der Idee?

Leverenz: Nein. Hätte man damals zur Volksabstimmung gerufen, wären wahrscheinlich 90 Prozent dagegen gewesen. Ein Vorwurf an die Politik war, dass wir uns zuerst um das Gebäude bemüht haben und erst später um das Konzept. Klar hatten wir von Anfang an grobe Ideen: Konzerte sollten stattfinden, Cafébetrieb, Sitzungen… Aber die Details insbesondere darüber, wer das Ganze eigentlich betreiben soll, standen tatsächlich nicht fest. Heute würde man da wohl anders rangehen: Erst das Konzept, dann das Gebäude.

2004 startete der Bau des Burghofes. Mehr als drei Millionen hat er gekostet, 1,6 Millionen davon musste die Stadt selbst finanzieren und hat dafür Kredite aufgenommen. 2005 war die Einweihung, damals noch unter Samtgemeindebürgermeister Rainer Schmuck. Da musste dann aber wirklich ein Verein her, oder?

Leverenz: Ja, der ist quasi zeitgleich entstanden. Ich erinnere mich noch an die Gründungsversammlung 2005 in Helms Hotel. Der Saal war rappelvoll, die Euphorie groß. Als es um die Frage nach dem Vorsitz ging, haben dann aber alle zu Boden geschaut. Walter von Döhlen hat sich zum Glück bereit erklärt. Er war Frühpensionär und sehr engagiert. Aus meiner Sicht hat er das richtig gut gemacht, aber da war einfach das Problem: Er hat versucht, sich sowohl um den kulturellen als auch den betriebswirtschaftlichen Teil zu kümmern. Er ist dann vielleicht an seinen eigenen hohen Ansprüchen gescheitert.

2011 hat sich der Verein überworfen, und Sie sind in Bresche gesprungen. Wahrscheinlich auch, um den Verein zu retten. Wie kam es damals dazu?

Leverenz: Ich will den alten Ärger nicht wieder aufwärmen, Schuldzuweisungen bringen niemanden weiter. Jedenfalls gab es damals ja noch das Konstrukt, dass die Stadt drei Delegierte entsendet hat, die automatisch mit im Vorstand waren. Als der Streit im Verein eskalierte, war ich Delegierter. Und als der Verein plötzlich ohne Vorstand da stand, habe ich mich bereit erklärt, den Vorsitz zu übernehmen.

Nahezu zeitgleich sind Sie auch in Ihr anderes großes Ehrenamt gewählt worden und Bürgermeister geworden. Warum haben Sie sich den Burghofverein zusätzlich ans Bein gebunden?

Leverenz: Gute Frage. Ich habe mir gedacht: Du hast die Entscheidung für den Burghof damals politisch mitgetroffen, du gehst diesen Weg weiter, und wenn es sein muss, auch vorweg. Klar: Ich hab von Kultur so viel Ahnung wie ein Bulle vom Milchgeben, also: Null. Betriebsführung kann ich zwar, das konnte ich aber zeitlich gar nicht leisten. Also fiel die Entscheidung, die Arbeit auf mehrere Schultern zu verteilen. Dass wir Gudrun Fischer-Santelmann als Kulturkoroordinatorin gewinnen konnten, war ein großes Glück. Albrecht Hogreve wurde 2012 Geschäftsführer für den betriebswirtschaftlichen Teil. Und dann waren da ja noch Edwin Daube, Karl-Heinz Dunker, Helga Meyer und Ingo Lauchstädt. Dieses Team hat ganz viel erreicht. Wir haben uns einmal im Monat zusammengesetzt und uns die Köppe heißgeredet. Klar, haben wir uns auch mal gestritten. Aber wir hatten das gleiche Ziel: den Burghof nach vorne zu bringen.

Es gab aber auch viele Probleme.

Leverenz: Man muss da auch ehrlich und selbstkritisch sein: Als wir damals den Burghof ins Leben gerufen haben, hätten wir uns seitens der Politik Gedanken über das Thema Lärmbelästigung machen müssen. Aber mittlerweile gibt es ja ganz klare Regeln, die einzuhalten sind. Das ist für alle Seiten gut und war eben eine Entscheidung, die getroffen werden musste. Die Sache mit der ständig kaputten Heizung war natürlich ärgerlich. Ich weiß noch, wie unser Geschäftsführer mehr als einmal kurzfristig vor einer Veranstaltung in den Baumarkt fahren musste, um Heizlüfter zu besorgen. Aber da muss man sagen: Dafür konnte ja niemand etwas. Und auch dieses Problem ist ja mittlerweile gelöst.

Neben vielen erfolgreichen kulturellen Veranstaltungen wurde in dieser Zeit auch die legendäre Silvesterparty geboren…

Leverenz: Ja, die haben Jens-Uwe Meyer und ich ins Leben gerufen. An dieser Veranstaltung sieht man auch, wie toll Ehrenamt sein kann. Denn es war natürlich immer mit viel Arbeit verbunden, vom Aufbau der Hütten bis zu den Reinigungsarbeiten an Neujahr. Dafür waren immer ungefähr 20 Helfer notwendig. Das hat immer toll funktioniert und wir haben es immer geschafft, einen Überschuss zu erwirtschaften. In diesem Jahr hätten wir die zehnte Party gefeiert. Natürlich wird die aufgrund der Pandemie nicht stattfinden können, das wäre einfach unrealistisch, zu glauben, da die Sicherheitsbestimmungen einhalten zu können. Das muss man akzeptieren, aber traurig ist es schon.

Nach und nach hat der Burghof immer mehr Akzeptanz gefunden und sich dann auch tatsächlich als Kulturzentrum etabliert. Haben Sie immer schon gewusst, dass es so kommen würde?

Leverenz: Nein, gewusst hat das keiner. Glaube und Hoffnung waren da, ja. Besonders mit diesem Team, das maßgeblich für den Erfolg war. Das war ja nicht ich, das waren wir. Auf alle war immer Verlass, wenn Not am Mann war. Und was haben wir Stühle geschleppt, von oben nach unten und zurück! Alle haben viel Freizeit geopfert. Und dann kam ja auch die Verbindung zu den Landfrauen zustande: Ihr wunderbares Café hat erheblich dazu beigetragen, dass dann auch die Rethemer selbst in den Burghof gekommen sind. Man hat regelrecht gespürt, die Leute japsten nach so einer Möglichkeit, hier einfach mal schön Kaffee trinken zu können und ein Stück Torte zu essen. Und außerhalb Rethems ja sowieso: Ich komme beruflich viel rum und werde immer wieder gefragt: Was habt ihr da Tolles geschafft?

Aber warum haben Sie den Vorsitz dann abgegeben?

Leverenz: Einfach, weil es mir etwas zu viel wurde neben meinem Geschäft und meinem anderen Ehrenamt. Ich würde gern auch über den Ablauf meiner Amtszeit im Herbst 2021 hinaus Bürgermeister bleiben und hoffe, gewählt zu werden. Meine Frau unterstützt mich zwar sehr und fängt unheimlich viel ab – ich wüsste gar nicht, wie ich das alles ohne sie schaffen würde – aber ich will jetzt auch den Weg frei machen für andere. Mit Ute Dunker als neue Vorsitzende konnte ich diesen Schritt mit einem besseren Gefühl machen. Der Verein ist in guten Händen. Ich bin mir sicher, dieser Vorstand wird einiges anders machen. Aber neue Leute haben neue Ideen und das soll auch so sein.

Rückblickend: Würden Sie politisch noch einmal für den Bau des Burghofes stimmen?

Leverenz: In aller Deutlichkeit: Ja. Unbedingt. Aus heutiger Sicht war das die richtige Entscheidung. Es war eine Entscheidung für Rethem.

Von Reike Raczkowski

Übergibt den Burghofverein ganz entspannt in die Hände des neuen Vorstandes: Frank Leverenz.

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