Pro und Contra Windkraft / Thema Energiewende im Rethemer Burghof

„Einige reich, andere Opfer“

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Unter den Zuhörern befanden sich, neben Interessenten aus der Region, auch Journalisten aus Großbritannien, den Niederlanden und Skandinavien, die auf einer Informationsfahrt durch Norddeutschland nach Rethem kamen.

Rethem - Was bringt die Energiewende den Bürgern? Um dieses Thema ging es auf einer öffentlichen Podiumsdiskussion am Montagabend im Burghof. Sie war Bestandteil des Reiseprogramms einer internationalen Journalistengruppe, die sich in Norddeutschland über das Thema informiert. Pro und kontra Windkraft wurde besonders kontrovers diskutiert.

Das lag vor allem an Christian Gresens, stellvertretender Vorsitzender des Vereins Vernunftkraft, ein Zusammenschluss von Bürgerinitiativen, der sich vehement gegen einen zu schnellen weiteren Ausbau von Windparks einsetzt. Nach Angaben von Gresens seien es bereits 520 Bürgerinitiativen, die den Stopp des weiteren Ausbaus forderten.

Zu viele Menschen leiden nach Meinung von Gresens unter den Folgen der Anlagen, während andere schnell reich würden. Gresens: „Die Bürger werden vom Kapital einfach überrollt, wir wollen sie schützen.“ In anderen Ländern seien viel größere Abstände zu Windkraftanlagen vorgeschrieben. Das Thema Infraschall sei zudem noch zu wenig erforscht. Darunter versteht man kaum hörbare Luftschwingungen, die auch von Windkraftanlagen ausgehen.

Obwohl Probleme dieser Art eingeräumt wurden, unterstrichen die anderen Diskussionsteilnehmer jedoch die große Bedeutung der Windkraft für die Energiewende. Marcus Bollmann vom Bund Niedersachsen meinte, man brauche für das Erreichen der Ziele der Energiewende noch viele weitere Flächen für Windenergie. Cort-Brün Voige, Bürgermeister der Samtgemeinde Rethem und seit 1996 in der Projektgruppe Erneuerbare Energien aktiv, räumte ein: „Wir haben 17 Anlagen hier ganz in der Nähe. Da gibt es Zielkonflikte.“ Weitgehend einig waren sich die Diskussionsteilnehmer, dass bessere Speichertechnologien benötigt würden. Ziel: Den Strom dann anbieten, wenn er gebraucht wird.

Bei Biogasanlagen sei das viel einfacher, meinte Ernst-Ingolf Angermann, der vierte Diskussionsteilnehmer. Der CDU-Landtagsabgeordnete aus dem Kreis Celle, er ist Landwirt und betreibt selbst eine Biogasanlage, sieht auch wirtschaftliche Vorteile der Anlagen: „Viele Handwerksbetriebe bei uns profitieren davon.“ Nicht nur die Handwerker, auch die Gemeinden: „Die Biogasanlagen bringen bei uns 40 Prozent der gesamten Gewerbesteuereinnahmen“, berichtete Voige. Es gebe durchaus eine regionale Wertschöpfung.

Im letzten Thema der Debatte ging es um die Frage: Wärmedämmung, was bringt sie? Zwar waren sich alle einig, dass gut gedämmte Gebäude einen großen Anteil am Energiesparen hätten, aber im ländlichen Raum müsse man auch andere Fragen stellen, so Voige. „Macht es wirklich Sinn, ein großes Gebäude, das nur noch von wenigen Menschen bewohnt wird, mit hohem Kostenaufwand zu sanieren, um am Ende nur einen überschaubaren Betrag einzusparen?“

fra

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