Bearbeitungs-Stau im Sozialamt

Rethems Bürgermeister reagiert auf Shitstorm

Fachwerkhaus in Parklandschaft
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Ins Gerede gekommen: das Sozialamt, das im von Behrschen Haus beheimatet ist.

Der Bearbeitungsstau im Rethemer Rathaus zieht weitere Kreise. Nach dem Shitstorm der vergangenen Tage schaltet sich Samtgemeindebürgermeister Cort-Brün Voige ein. Er verspricht schnelle Hilfe.

Rethem – „Da waren dann Leute, die waren so verzweifelt, die haben in ihren Sprachnachrichten direkt losgeheult.“ Worte in Rethemer WhatsApp-Gruppen, die ihre Wirkung nicht verfehlten. Nur wenige Tage nach Bekanntwerden eines erheblichen Bearbeitungsstaus im Sozialamt der Samtgemeinde Rethem (wir berichteten) reagiert die Rethemer Verwaltungsspitze.

„Es sind Arbeitsrückstände aufgrund einer nicht auskömmlichen Personalausstattung“, schreibt Samtgemeinde-Bürgermeister Cort-Brün Voige in einer Pressemitteilung. Und weiter: „Die Situation wird von der Verwaltungsleitung sehr ernst genommen. Die Zahlungen für alle bewilligten Anträge erfolgen Ende Februar ordnungsgemäß.“ Zwischenzeitlich hatte sich bereits ein Shitstorm in sozialen Medien über die Chefetage des Rethemer Rathauses ergossen.

Vorrangiges Ziel sei es nun, so Voige, alle Fälle in denen Antragsteller auf Zahlungen angewiesen sind, aber noch keinen rechtsgütigen Bescheid vorliegen haben, zu bearbeiten, um hier kurzfristig die erforderlichen Zahlungen leisten zu können. Dies gelte insbesondere für Erstanträge und Weiterleistungsanträge. Um hier umgehend tätig zu werden bitte er, der Samtgemeindebürgermeister, alle Antragsteller, die einen Antrag auf Hilfeleistungen gestellt haben, aber eine unangemessen lange Zeit auf ihren Bescheid warteten, sich in den kommenden Tagen mit einer kurzen Mitteilung an die Samtgemeinde Rethem zu wenden. Voige: „Diese Vorgänge sollen vorrangig und möglichst kurzfristig abschließend bearbeitet werden.“ Wie dieser Rückstau zu bearbeiten sei, und ob dafür mehr Personal zur Verfügung gestellt werde, ließ Voige zunächst offen.

Den Stein ins Rollen gebracht hatten einige Betroffene, die eigens Gruppen in den Sozialen Netzwerken gründeten. „Man kommt sich vor wie der letzte Bettler“, berichtete ein Mann, der wie die anderen nicht genannt werden wollte. Es handelt sich bei ihnen allen um Leistungsbezieher, die aus verschiedenen Gründen mit dem Rethemer Sozialamt Kontakt haben – oder sich diesen zumindest wünschen. Andere hatten die Hoffnung schon vollständig aufgegeben. „Auf Facebook schreibe ich nicht darüber, ich will nicht noch mehr Probleme bekommen“, sagt eine Frau.

Voige seinerseits appelliert an die Betroffenen, nicht weiter die Öffentlichkeit zu suchen: „Ein Austausch zu diesem Thema nur in den sozialen Medien oder in einer WhatsApp-Gruppe ist hier nicht hilfreich.“

Menschen, die auf einen Bescheid warten, um Hilfeleistungen zu bekommen, würden gebeten, so Voige, sich möglichst kurzfristig und unabhängig von dem bereits im Sozialamt gestellten Antrag bei der Samtgemeinde Rethem zu melden: „Bitte geben sie dabei ihren Namen, den Zeitpunkt der Antragstellung und kurz den Sachverhalt an. Sofern sie sich telefonisch melden, geben Sie bitte auch die Rufnummer an, unter der eine Rückmeldung erfolgen kann.“

So kulant reagierte die Verwaltung nicht immer. Als eine Userin den Betroffenen ketzerisch riet, sich eine Arbeit zu suchen, dann habt ihr nach vier Wochen auch Geld, da habe eine Rathaus-Mitarbeiterin den Beitrag geliked, berichten Beobachter. Dieser Kommentar wurde zwar inzwischen gelöscht, zur Entspannung der Lage trug er allerdings nicht bei.

Gleichzeitig reagiert die Rethemer Politik wie berichtet betroffen bis bestürzt. „Natürlich habe ich schon von einzelnen gehört, dass es da extreme Defizite gibt“, sagte Steffen Meyer, Vorsitzender der CDU-Fraktion, auf Nachfrage. Das ganze Ausmaß allerdings habe man nicht gekannt. „Von dieser Intensität wussten wir nichts“, meint SPD-Fraktionschef Wolfgang Leseberg. Eines sei aber klar, betont Leseberg: Jedem Wunsch nach neuem Personal, den die Verwaltung in jüngster Zeit geäußert habe, sei die Politik auch nachgekommen. „Das ist doch klar, wir erwarten ja schließlich auch eine gewisse Leistung.“

Voige setzt derweil auf Deeskalation. Wer auf eine Entscheidung warte, könne eine Meldung entweder per E-Mail an rathaus@rethem.de mit dem Betreff „Sozialamt“ richten oder sich telefonisch an den Bürgerservice unter der Rufnummer 05165/9898-31 wenden.

Er, Cort-Brün Voige, sage zu, dass auf alle eingehenden Meldungen in einem angemessenen Zeitraum eine Rückmeldung erfolge und dass diese Meldungen nach Dringlichkeit kurzfristig abschließend bearbeitet werden.

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