Antrag auf Fördermittel wird bis 30. Juni gestellt

Bürger setzen Prioritäten für ihre Dorfregion

Jeanett Garthof und Tanja Frahm helfen bei der Bewerbung als Dorfregion. - Fotos: Templin

Böhme - Die Dorfregion von Bierde bis Wittlohe braucht ein Konzept für die Zukunft: Junge Menschen ziehen weg, Gebäude stehen leer und Einkaufsmöglichkeiten verschwinden. Hilfe verspricht das neue Dorfentwicklungsprogramm des Landes Niedersachsen. Es geht um viel: Wird die Region in das Programm aufgenommen, fließen Fördergelder im sechsstelligen Bereich für Gemeinschaftsprojekte, und auch Privatpersonen können profitieren.

Die Bewerbung gelingt aber nur mit guten Ideen, und die sammelten am Dienstagabend 60 Interessierte unter anderem aus Otersen, Groß Häuslingen, Rethem, Altenwahlingen, Böhme und Bierde. Und die Ideen sprudelten: ein Kinder- und Seniorengarten mit Fahrdienst, ein virtueller Marktplatz für Waren inklusive Bringdienst und Dienstleistungen, Mehrgenerationenwohnen sowie der Ausbau der Radwege, besonders an der Landesstraße 159, und die Installation einer Solartankstelle. Das sind nur einige Ideen, die die Besucher zu Papier brachten.

Eingeladen zu diesem Abend hatte das Büro KoRiS (Kommunikative Stadt- und Regionalentwicklung) aus Hannover. Tanja Frahm und Jeanett Garthof arbeiten die Antragsunterlagen aus. Frahm: „Ich bin beeindruckt von so viel Engagement.“ Und das zu Recht, da besonders viele junge Besucher zu der Veranstaltung kamen.

Jessica Brettschneider aus Otersen schrieb Ideen für die Zukunft der Region auf.

Unter ihnen auch Sandra Rüpke und Ludmilla Weber. Für sie waren Internetausbau und Kinderbetreuung wichtige Themen. Beide Frauen leben in Groß Häuslingen, Sandra Rüpke mit ihrem Mann und den zwei Kindern, Ludmilla Weber ist alleinerziehende Mutter. „Ich arbeite von Zuhause und bin auf eine gute Internetverbindung angewiesen“, sagt Weber. Das nicht optimale Netz, das schließe die Telefonverbindung mit ein, erschwere ihre Arbeit. Sandra Rüpke wünscht sich dagegen längere Betreuungszeiten für ihre Kinder. „In anderen Dörfern ist der Kindergarten bis 16 Uhr geöffnet, in Häuslingen ist dagegen um 12.30 Uhr Schluss.“ Ludmilla Weber bringt ihre Kinder gleich in den Kindergarten nach Rethem. Ein Umzug kommt für beide Mütter nicht in Frage. Sie wissen aber: Breitbandausbau und Kinderbetreuung sind gute Gründe, warum andere Familien das Stadtleben dem Dorf vorziehen.

Die Besucher der Veranstaltung wählten schließlich die vorgestellten Ideen mit der für sie größten Priorität. Sie fließen in den Antrag ein, der bis zum 30. Juni abgegeben werden muss. Eine Entscheidung vom Land Niedersachsen wird erst im Frühjahr 2017 erwartet.

Aber auch, wenn die Bewerbung der Dorfregion abgelehnt werden sollte, ist das noch nicht das Ende. „Wir werden die Bewerbung ein weiteres Mal einreichen“, sagt Tanja Frahm. Einige Regionen haben bis zu zehn Jahre auf die Aufnahme in das Dorfentwicklungsprogramm gewartet. So lange wird es für die Region von Bierde bis Wittlohe wahrscheinlich nicht dauern. „Die Ideen sind alle sehr gut und haben eine gute und realistische Chance, umgesetzt zu werden“, so Frahm.

Interessierte, die noch in die Arbeit mit einsteigen oder sich mit Ideen einbringen wollen, können sich an Tanja Frahm und Jeanett Garthof unter Telefon 0511/590974-30 oder per E-Mail an garthof@koris-hannover.de wenden.

at

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