Beim „Zauber der Travestie – Das Original“ sind nur Damen auf der Bühne

„Ich bin keine Frau“

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Wer versteckt sich da hinter rosa Federboas?

Walsrode - Von Achim Hügel. Schon zum 13. Mal sind sie in Walsrode, die Damen/Herren vom „Zauber der Travestie – Das Original“. Und dennoch ist die Stadthalle mit nahezu 400 Besuchern so gut wie voll besetzt. Der Großteil der Gäste – die meisten von ihnen haben die Show schon mehrfach gesehen – weiß, was zu erwarten ist: Eine Traditionsveranstaltung mit herben Angriffen auf die Lachmuskulatur der Zuschauer.

Punkt 20 Uhr ist das Publikum durch rhythmisches Klatschen zu Rockmusik schon mitten im Geschehen. Und gleich zu Beginn weiß die „ewige Jungfrau“ Fräulein Luise das Auditorium am richtigen Nerv zu packen. „Haben Sie ihre Probleme zu Hause gelassen oder mitgeschleppt?“, fragt sie die Frauen in den vorderen Sitzreihen. Aber halt, es sind auch einige Männer dabei; ein Geschlecht, das während der folgenden zweieinhalb Stunden permanent aufs Korn genommen wird.

Mit dem Satz „Ich bin keine Frau“ setzt die in Walsrode seit langem beliebte Lilian Carre zu einem ersten Outing an. „Ich bin eine Dame!“, fügt sie mit einem süffisanten Lächeln hinzu und lässt das Publikum erneut im Ungewissen über die Geschlechtszugehörigkeit. Mit den Worten, sie sei eine Dame mit Stil, rückt sie noch weiter von dem Ansinnen ab, etwas zu verraten. Ungewissheit, die den Zauber der Travestie ausmacht.

Conférence und Gesang wechseln sich ab, Lieder wie Country Roads animieren das Publikum zum Mitsingen und rhythmischen -klatschen. Die Plaudereien der Damen auf der Bühne gehen nicht nur unter die Gürtellinie, manchmal sogar weiter, ohne obszön zu werden.

Ein Feuerwerk ideenreicher Kostümierung und Verwandlung folgt und die Gesangsstimmen in Tenor- oder Baritonlage tun der Weiblichkeit keinen Abbruch; sie verstärken die erotische Ausstrahlung aller 21 Auftritte. Die weiblichen Besucher hatten hörbar ihre Freude an den Männern in Frauenkleidern.

„Wir treten hinter einer weiblichen Maske auf und für die Besucherinnen kommen somit die den Sex betreffende Passagen nicht von Männern. Sie fühlen sich nicht auf ihren Körper reduziert“, erklärt einer der Darsteller im Gespräch mit dieser Zeitung.

Es ist ein Abend des Outens und damit ein Werben für Toleranz. Beim Abgang nach der Parodie von Mireille Matthieu nimmt Leslie London die Perücke ab: ein glatt rasierter Männerschädel kommt zum Vorschein. Schwindet damit die Illusion? Nein, das Publikum dankt diese Geste mit einem weiteren Sonderapplaus und mit stehenden Ovationen nach dem Finale zur Melodie von „I did it my way“.

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