SERIE: DIE GESCHICHTE DER RETHEMER BRÜCKEN (4) / Einweihung des ersten Fährseeübergangs 1898

„Bei Eisgang, Sturm und Wassersnot“

Da war richtig was los: Bei der Einweihung der Fährseebrücke 1898 (links). Anmerkung von August Jahns (Stadtarchiv): „Bei diesem historischen Foto handelt es sich um eine seitenverkehrte Darstellung.“ Das rechte Foto zeigt einen Blick vom Gasthaus Rethemer Fähre, damaliger Inhaber Fritz Wunderlich, auf die Brücke über den Fährsee. Repros: F. Raczkowski

Rethem - Von Fred Raczkowski. Am 22. Februar 1898 wurde Fritz Rust arbeitslos. Der letzte Fährmann am Rethemer See wurde nicht mehr gebraucht, die Wagenfähre durch eine Brücke ersetzt. Mit einem Festakt wurde das Bauwerk eingeweiht und die Rethemer erhofften sich einen Aufschwung für ihre Stadt. Um diese Themen geht es in der vierten und letzten Folge der Artikelserie.

Die Berichte über den Festakt fanden sogar Aufnahme in die legendäre Kreischronik von Hans Stuhlmacher (1926). Viele lange Reden, ein Festessen und auch Gedichte gab es zur Einweihung. Eine Kostprobe: „Der Fährmann leitet nun nicht mehr  /  das Boot im alten Lauf  / jetzt nimmt die Brücke den Verkehr  /  ohn Zoll und Schlagbaum auf/.“ Endlich freie Fahrt nach Rethem, hieß es. Und sicherer wurde es für die Fuhrmänner und Kutscher nun auch. Der Dichter von damals beschrieb es so: „Mit allen möglichen Gefahren / war früher jedermann bedroht / der auf dem Prahm wollt fahren / bei Eisgang, Sturm und Wassersnot.“

Tatsächlich sind nach den Eintragungen im Rethemer Kirchenbuch auch zwei Todesfälle unter den Fährleuten zu beklagen: Christoph Friedrich Westermann verstarb demnach 1841 im Alter von 39 Jahren auf der Fähre. Sein Nachfolger Friedrich Marquard aus Klein Eilstorf ertrank in der Nacht vom 9. auf den 10. Dezember 1842 im Rethemer See.

Die Geschichte der Fährleute am Rethemer See hatte 1799 mit dem Witwer Christian Thies Heinrich Bartels begonnen, der im Kirchenbuch als erster „Fährmann an der Überfahrt unweit Kirchwahlingens“ genannt wurde. Eigentlich war schon zu dieser Zeit der Bau einer Brücke über den Fährsee vorgesehen. Aber man war wohl der Meinung, dass durch die Tiefe des Sees von 13 Metern ein Brückenbau zu hohe Kosten verursacht hätte.

Der vorletzte Fährmann, Fritz Wunderlich, war bis 1870 tätig. Dann sattelte er um und begründete an der Fährstelle das „Gasthaus Wunderlich“, Vorgänger des späteren Restaurants „Rethemer Fähre“. Das alte Fährhaus mit der Gastwirtschaft befand sich gegenüber des späteren Restaurantbetriebs. Ehefrau „Wieckchen“ Wunderlich war offenbar die Seele des Geschäfts und verstand es, die Fuhrleute ins Gasthaus zu locken: Für die Pferde soll es immer ein Stück Zucker gegeben haben, sodass sie das „Fährhaus“ immer in guter Erinnerung behielten und ganz von selbst vor dem Wirtshaus stoppten, ohne dass der Kutscher die Leinen anziehen musste.

Solche Geschichten waren vielleicht auch bei der großen Brücken-Einweihungsfeier am 22. Februar 1898 zu hören. Vor allem aber gab es, wie bei solchen Anlässen üblich, bedeutsame Reden wichtiger Persönlichkeiten zu hören. In der Walsroder Zeitung hieß es: „Bürgermeister Lindemann, Rethem, gab dann in längerer Rede einen Rückblick über die Schicksale der Stadt Rethem, in der früher ein reger Verkehr geherrscht hatte; die Stadt sei aber im Laufe der Zeit von den übrigen größeren Orten des Kreises überflügelt worden und jetzt recht vereinsamt.“

Die Bogenbrücke stand bis zum 22. April 1945, als sie von deutschen Soldaten gesprengt wurde. Die bis heute bestehende Betonbrücke wurde 1956 eingeweiht.

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