Rathaussanierung macht Mängel sichtbar / Keine große Kostensteigerung zu erwarten

Altes Gebäude birgt viele Überraschungen

Alles weg: Blick ins ausgeräumte und entkernte Erdgeschoss. Foto: Gemeindeverwaltung

Rethem – Das Leben steht derzeit an vielen Orten still. Aber nicht an allen: Im historischen Rethemer Rathaus wurde in den vergangenen Wochen intensiv gearbeitet und einiges geschafft. Über den Stand der Sanierung des alten Gebäudes informiert Samtgemeindebürgermeister Cort-Brün Voige.

Wie der Verwaltungschef berichtet, seien die Entkernungs- und Abrissarbeiten mittlerweile fast abgeschlossen. „Im Innenbereich steht nahezu keine alte Wand mehr“, schreibt Voige in seiner aktuellen Bürgerinformation. Auch zwei überzählige Schornsteine seien in diesem Zuge entfernt worden.

Einige Vorgänge wurden mit Spannung verfolgt: Zur Vorbereitung der nun folgenden Gründungsarbeiten war es erforderlich, eine Kampfmittelsondierung im Gebäude durchzuführen, da nicht auszuschließen war, dass sich während der Kampfhandlungen im April 1945 Blindgänger unter das Gebäude verirrt haben. Wie Voige berichtet, liegt das erfreuliche Ergebnis mittlerweile vor: Die Experten haben keine Munition gefunden.

Flickwerk, Fäulnis und Rissbildungen

Weniger schön: Bei den Rückbauarbeiten im Inneren des Gebäudes sind diverse nicht vorhersehbare Mängel zutage getreten. „Die Deckenbalkenlage zwischen dem Erdgeschoss und dem Obergeschoss ist an sehr vielen Stellen unfachmännisch geflickt und entspricht nicht

dem, was heute statisch gefordert wird“, so Voige. Bei den Entkernungsarbeiten im Erdgeschoss habe der mit Stahlbändern bewehrte Tresor große Probleme beim Ausbau bereitet. Der Tresor sei mit seinem sehr großen Gewicht auch ursächlich für das Absacken des umliegenden Gebäudeteils.

Wer jetzt einen Blick in das Innere des Gebäudes wagt, stellt schnell fest: Kaum eine Innenwand im Erdgeschoss konnte erhalten werden. „Vielfach waren Wände nicht durchgehend mit einem Material, sondern mit unterschiedlichen Baustoffen aneinander geflickt. Einige Innenwände hatten Rissbildungen und waren deutlich abgesackt, weil die untere Balkenlage aufgrund eines massiven Fäulebefalls nahezu nicht mehr existent war. Andere Wände konnten nach Abnahme der Beplankung ohne Mühe mit einer Hand umgestoßen werden.“

Die Decken im Erd- und im Obergeschoss seien teilweise nicht nur einfach, sondern bis zu vier Mal mit unterschiedlichsten Materialien abgehängt worden. „Unter den Fußböden befand sich – wie früher üblich – lediglich weißer Sand. Darin wurden viele, teilweise bis zu 100 Kilogramm schwere Findlinge gefunden, die entfernt werden mussten.“

Große finanzielle Auswirkungen werden diese „bösen Überraschungen“ zum Glück eher nicht haben. Dadurch, dass bereits zu Beginn der Arbeiten eine weitgehende Entkernung beauftragt wurde, haben diese Mehrarbeiten nur geringe Kostensteigerungen zur Folge. „Diese können zum Teil durch Einsparungen an anderen Stellen wieder aufgefangen werden.“

Die Kampfmittelsondierung, die ursprünglich nicht geplant war, habe den Zeitplan etwas durcheinandergebracht. Die Gründungsarbeiten sollen nun in der Woche nach Ostern beginnen. Das Raumkonzept und die Elektroplanung sind zwischenzeitlich final abgestimmt und können laut Bürgermeister umgesetzt werden.

Mittlerweile ist klar: Auch der 35 Jahre alte Sanitärtrakt im Erdgeschoss soll im Rahmen der Arbeiten erneuert werden. Die Kosten sollen 30 000 Euro nicht überschreiten. Die Rathaussanierung insgesamt wird rund 2,14 Millionen Euro kosten. „Dafür wird das Gebäude solide, aber ohne Luxus saniert.“

Im Sommer soll außerdem der Außenbereich des Gebäudes etwas aufgefrischt werden. „Es sind zwingend erforderliche Anstricharbeiten an den Holzelementen vorzunehmen“, informiert Voige. Diese Unterhaltungsmaßnahme ist bereits seit Längerem geplant und stehe nicht im unmittelbaren Zusammenhang mit der Sanierung.  rei

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