1. Startseite
  2. Lokales
  3. Heidekreis

„Preis für Treibstoffe wird weiter steigen“

Erstellt:

Kommentare

Ein Mann sitzt in einem Büro auf einem Stuhl. Er hat sich vom Schreibtisch ab- und dem Fotoapparat zugewandt.
Thomas Hartmann, Hoyer-Pressesprecher: „Wir werden mit höheren Treibstoffpreisen trotz Unterstützung aus der Politik rechnen müssen.“ © Müller

Walsrode/Visselhövede – Er kennt sich aus in dem Metier, weiß wovon er spricht, wenn man ihn nach der zurzeit sehr unruhigen Situation auf dem Energiekosten-Markt fragt: Thomas Hartmann, Pressesprecher im europaweit immer mehr expandierenden Unternehmen Hoyer in Visselhövede, spricht von einem riesigen Durcheinander in der Branche, sagt, dass es noch viele Überraschungen auf dem Benzin- und Dieselpreis-Sektor geben wird.

Hartmann ist sich sicher: „Die von der Bundesregierung versprochene Reduzierung der Kosten um bis zu 30 Cent für drei Monate wird uns nicht weiterhelfen. Ich gehe davon aus, dass die Preise im Gegenteil noch ansteigen werden.“ Der internationale Markt, die Geschehnisse rund um die Pandemie (von denen die Hoyer-Unternehmensgruppe mit ihren über 2 000 Mitarbeitern auch betroffen war), der Krieg in der Ukraine, das seien Faktoren, die beim kommenden Preisspiel eine große Rolle spielen würden.

Und natürlich auch, wie sich die Ölmultis verhalten. „Gerade meldet China wieder, dass Shanghai keine Corona-Erkrankten mehr hat. Das bedeutet, dass der Ölpreis wieder anziehen wird, dass die Spekulanten an der Börse wieder an der Schraube drehen werden.“ Hartmann sagt auch, dass in Schwedt, wo die Treibstoffe aus Russland ankommen, die letzte Schraube noch nicht verschlossen ist. „Sollten die Russen auch den Zugang sperren, wird es für uns alle noch enger. Hoyer hat Reserven, 150 Millionen Tonnen Öl in allen Lägern der Unternehmensgruppe mit ihren Niederlassungen in fast ganz Deutschland. Damit würden wir für eine Zeit auskommen, müssen allerdings noch Reserven vorhalten.“

Im Konzert der Großen mitspielen

Und: „Natürlich können wir uns den Treibstoff aus den Ölabbauländern holen, die mit riesigen Tankern auf die Weltmeere gehen. Aber wir würden vorfinanzieren müssen, hätten längere Anfahrtszeiten – und das alles hebt die Preise nur noch höher.“ Hoyer könne im Konzert der großen Abnehmer als B-Unternehmen mitmachen und mit eigenen Preisen an den Markt gehen. Damit sei das Unternehmen für die Hauptkunden, die Landwirtschaft mit riesigen Diesel-Abnahmen, verlässlich; auch über die Zeit.

„Aber wir werden uns darauf allesamt einstellen müssen. Der Markt bestimmt den Preis zurzeit an allen Ecken und Enden.“ Die Sommerferien rücken näher und damit sowieso steigende Preise an den Tankstellen, später ebbt das wieder ab. „Ab 1. Juni, so will es die Regierung, sollen alle aktuellen Preise gesenkt werden – für drei Monate. Bedeutet: Der Benzinpreis um 30 und der Dieselpreis um 14 Cent. Ich glaube, dass wir alle nicht sehr viel davon merken werden, weil andere die Preise regulieren.“ Hartmann geht sogar davon aus, dass man danach mit noch höheren Preisen an den Zapfsäulen rechnen muss.

Solarenergie und Wasserstoff

„Wir werden uns auf die gesamte neue Marktsituation einstellen, rechtzeitig und mit anderen Treibstoffen,“ sagt der 54-Jährige. Strom werde mehr in den Vordergrund gestellt werden – „wir wollen viele neue Stromsäulen aufstellen“, auf dem Gebiet der Solarenergie und auch auf des Wasserstoffs werde das Unternehmen, das für regenerative Energien eine eigene Abteilung aufgebaut hat, stärker aktiv werden. „Wir wissen, dass die Kosten für Wasserstoff-Tankstellen und vor allem für mit Wasserstoff angetriebene Fahrzeuge noch sehr hoch sind“, aber man werde den Markt beobachten und möchte als einer der ersten auf dem Markt sein, wenn es richtig losgeht.

2024 wird das Familienunternehmen 100. „Dann werden wir noch besser aufgestellt sein“, ist sich Hartmann schon mal sicher.  mü

Eine Hoyer-Tankstellen in Walsrode.
Eine der Hoyer-Tankstellen in Walsrode: Täglich ändern sich die Preise an den Zapfsäulen. © Müller, Klaus

Auch interessant

Kommentare