Fritz Seiler war vor 40 Jahren der erste Rettungssanitäter von Christoph vier

Pionier der Luftrettung betreut Demenzkranke

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Auch mit 67 ist noch nicht Schluss: Fritz Seiler betreut jetzt demenzkranke Menschen, hier mit Dienstwagen der Sozialstation.

Rethem - Von Fred Raczkowski,,Da ist ja auch noch was“, sagt Fritz Seiler und greift sich einen Aktenordner. In den Schränken seines Arbeitszimmers in der Rethemer Kükerstraße gibt es viele Ordner: Fotos, Zeitungsausschnitte, Briefe und Urkunden dokumentieren fast 45 Berufsjahre im Rettungsdienst.

Zu den vielen Urkunden kam im Oktober noch eine hinzu. Zum Geburtstag von Christoph vier – 40 Jahre Luftrettung in Niedersachsen – wurden zwei Männer besonders geehrt, die erste Besatzung von Christoph vier. Fritz Seiler war der erste Rettungssanitäter an Bord, Günter Barwig der erste Pilot.

Geburtshelfer der Luftrettung in Niedersachsen war der damalige Bundesinnenminister Hans-Dietrich Genscher. Er hatte der Landesregierung in Hannover einen Zivilschutz-Hubschrauber für die Luftrettung zur Verfügung gestellt. Barwig und Seiler bedankten sich später bei ihm mit der Übergabe eines Bildes. Beim Start 1972 gab es in der Bundesrepublik nur vier Rettungshubschrauber. Neben der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) waren die Standorte in Köln, Frankfurt und München.

Am 2. Oktober 1972 hob der Hubschrauber von der MHH zu seinem ersten Rettungsflug ab: „Ein Mitarbeiter der Straßenmeisterei war auf der Autobahn gleich mehrfach von einem Lkw überrollt worden“, erinnert sich Seiler. „Da konnten wir nicht mehr helfen.“

Von 1972 bis 1995, als er zu den Johannitern nach Rethem kam, war Fritz Seiler mit Christoph vier über Niedersachsen unterwegs. Geburt und Tod hat er erlebt, sich als Ersatz-Hebamme bewährt und immer wieder auch Menschen ins Leben zurückgeholt. „Im Durchschnitt kommt auf jeden 100. Alarm eine erfolgreiche Reanimation“, erzählt Seiler, der allein vom Beginn seiner Dienstzeit 1968 bis 1995 60 000 Alarmierungen hinter sich gebracht und dabei eine Wegstrecke von 1,2 Millionen Kilometern zurückgelegt hat.

Schreckliche Unfälle, viel menschliches Leid hat er gesehen in diesen Jahren. Aber manche Einsätze lösten auch große Glücksgefühle aus. Zum Beispiel an jenem kalten Wintertag im Februar 1976. Zwei kleine Jungen, vier und sechs Jahre alt, waren mit ihrem Kettcar auf einen zugefrorenen See gefahren und eingebrochen. Christoph vier nahm Kurs auf das Gewässer nahe der Autobahn Hannover-Berlin. Notarzt Dr. Peter Kraas, Pilot Otto Filter und Rettungssanitäter Fritz Seiler erhielten über Funk die Nachricht, dass die Kinder von einem jungen Mann über Wasser gehalten werden. Aber durch das dicke Eis gab es auch für ihn keinen Weg zurück an Land.

Otto Filter steuerte Christoph vier direkt über die Einbruchstelle. Fritz Seiler hängte sich dann („Wie Armin Dahl“ kommentierte die „Hannoversche Presse “ damals) mit den Kniekehlen in die Kufen des Hubschraubers und zog nacheinander beide Jungen an Bord. Während Seiler sich um die Kinder kümmerte, zog Dr. Peter Kraas auch den jugendlichen Helfer aus dem eisigen Wasser. Die „Presse“ sprach von einer „tollkühnen Aktion der Besatzung“. Für die ging der Rettungsalltag aber schon bald mit einem neuen Einsatz weiter.

Seit knapp drei Jahren ist Fritz Seiler Rentner. Aber so ganz lassen kann er es doch nicht: „Einmal sozialer Dienst, immer sozialer Dienst.“ Für die Sozialstation Aller-Leine-Tal betreut er jetzt demenzkranke Menschen. Ein Angebot der Sozialstation, das vor allem Angehörige von Demenzkranken bei der Pflege entlasten soll: „Wer einen Angehörigen pflegt, kann so wenigstens mal einige Stunden Urlaub machen“. Die Kranken holt Fritz Seiler ab und bringt sie zur „Teestuv“ in das Sportlerheim Bothmer. Wer sich dafür interessiert, kann sich bei der Sozialstation in Schwarmstedt informieren, Telefon 05071/8140 (Ina von Bothmer).

Bei den gemeinsamen Unternehmungen gäbe es auch viel Spaß, meint Betreuer Seiler und ermuntert pflegende Angehörige, sich auf diese Art doch mal eine kleine Auszeit zu nehmen: „Die meisten Kranken verlassen die Teestuv am Ende mit einem Lächeln im Gesicht.“ Und das lässt dann auch den Betreuer lächeln, so wie damals auf dem Bild in der Zeitung, nach der gelungenen Rettung von Lehrte.

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